Kenia verbrennt 105 Tonnen Elfenbein

Türme aus Elefantenstoßzähnen und Tausende Nashorn-Hörner: Rund 105 Tonnen Elfenbein und Horn sollen am Samstag in Kenia verbrannt werden. Das Spektakel soll in erster Linie dem Naturschutz helfen. Denn Kenia will im Kampf gegen Elfenbeinhandel die Weichen neu stellen.

Rund 35.000 Elefanten wurden im vergangenen Jahr nach Angaben der Organisation African Wildlife Foundation (AWF) in Afrika getötet. Insgesamt gebe es nur etwa 400.000 bis 500.000 Elefanten, erklärten Naturschützer. Seit 1960 wurden der AWF zufolge zudem knapp 98 Prozent der Spitzmaulnashörner getötet. Der Preis für ein Kilogramm Elfenbein auf dem Schwarzmarkt liegt der Organisation Pro Wildlife zufolge bei rund 1.000 Euro, ein Kilogramm Nashorn-Horn werde für mehr als 50.000 Euro gehandelt. Der größte Markt dafür: China.

Handelsverbot

Zahlreiche Naturschutzorganisationen befürworten die Vernichtung der Bestände. „Die Aufbewahrung beschlagnahmter Stoßzähne ist aufwendig und teuer“, sagt Daniela Freyer von Pro Wildlife. Gleichzeitig stellten sie ein großes Risiko dar, denn arme Länder könnten sich mit dem illegalen Handel konfiszierter Stoßzähne bereichern.

Türme aus Elfenbein, die in Kenia verbrannt werden sollen.
APA/AFP/TONY KARUMBA
Diese Elfenbeinhaufen wurden bereits für die Aktion am 30. April aufgetürmt

Kenias Regierung drängt die internationale Gemeinschaft zur Unterzeichnung eines weltweiten Handelsverbots, das bei einer Artenschutzkonferenz in Südafrika im Herbst diskutiert werden soll. Bereits in den 1980ern hatten die meisten Länder den Handel mit Elfenbein verboten, jedoch mit Ausnahmen. Eine Lockerung von Bestimmungen erlaube etwa China und Japan, Lagerbestände aufzukaufen, erklärt Freyer.

Geldbringer im Tourismus

Mehrwert haben lebende Elefanten und Nashörner für Kenia allemal: Nach Angaben der Welttourismusorganisation verdiente Kenia 2015 am Tourismus rund zwei Milliarden Euro - knapp vier Prozent seines Bruttoinlandprodukts. Mehr als neun Prozent der rund 46 Millionen Kenianer arbeiten demnach in dieser Industrie, Tendenz steigend. Neben Sandstränden sind es vor allem Safaris, die die Touristen anziehen.

Hashtag

Die Aktion kann live über Twitter via Hashtag #worthmorealive verfolgt werden.

Um das Elfenbein so zu zerstören, dass es für den Schwarzmarkt unbrauchbar sei, müssen bestimmte Voraussetzungen erfüllt werden, wie Gavin Shire von der amerikanischen Naturschutzbehörde (FWS) sagt. „Man muss es zerkleinern und dann bei hohen Temperaturen verbrennen.“ Im Jahr 2008 hatte der FWS Testverbrennungen durchgeführt. Bei Temperaturen von rund 1.000 Grad Celsius seien in einer Stunde nur wenige Gramm Elfenbein verbrannt worden, erklärt Shire. Ein Stoßzahn eines männlichen Elefanten wiege rund 45 Kilogramm. Demnach dauere es mehr als vier Tage, bis ein solcher Stoßzahn vernichtet sei.

Fünf Prozent des Bestandes

Paula Kahumbu von der Naturschutzorganisation Kenia Wildlife Direct nennt Korruption als das größte Problem im Kampf gegen den illegalen Handel. „In Fällen von großen illegalen Händlern und Regierungsbeamten hat es nicht eine einzige erfolgreiche strafrechtliche Verfolgung gegeben“, sagt Kahumbu.

Wie die Verbrennungen den Markt beeinflussen, sei ungewiss, sagt Analyst Mike Norton-Griffiths. „Wir haben keine Beweise dafür, dass frühere Verbrennungen Auswirkungen auf den Preis von Elfenbein und das Konsumverhalten hatten“, sagt er. Die 105 Tonnen, die jetzt in Kenia verbrannt werden sollen, entsprächen rund fünf Prozent des weltweiten Elfenbeinbestands, sagt er.

Teil eines Konzepts

All diese Bedenken will die britische Organisation Stop Ivory aus dem Weg räumen. Stop Ivory habe die kenianischen Behörden begleitet und beraten, sagt Projektleiterin Jasmine Williamson. Sie ist sicher: Die gleiche Menge Elfenbein, die im August vergangenen Jahres gezählt und codiert und von mehreren Lagerstätten in die Hauptstadt Nairobi gebracht wurde, liegt nun dort zur Vernichtung bereit.

Eines bewirkt die Verbrennung in jedem Fall: Aufmerksamkeit. Freyer von Pro Wildlife hofft auf eine Signalwirkung. „Wir denken, dass das Wichtigste der politische Aspekt ist“, sagt sie. „Es muss ein Teil eines Gesamtkonzepts sein.“

Anna Kerber, dpa/science.ORF.at

Mehr zur Arktis in science.ORF.at:
- Mit Genanalysen auf der Jagd nach Wilderern
- Die Weltzentren des illegalen Tierhandels
- Wilderei bedroht Afrikanische Elefanten