Sie sind geschlüpft!

Batagur-Schildkröten gehören zu den am stärksten gefährdeten Arten weltweit. Einem Grazer Forscherteam ist nun ein Beitrag zu ihrer Rettung gelungen. Elf Schildkröten sind in der vergangenen Woche geschlüpft - in science.ORF.at war das im Livestream zu verfolgen.

Geschlüpfte Batagur-Schildkröten
Peter Praschag
Einige geschlüpfte Schildkröten

Ein wichtiger Beitrag zur Erhaltung dieser Art, sagt Peter Praschag, Zoologe und Leiter der Grazer Zucht- und Erhaltungsstation „Turtle Island“: „Das ist wirklich ein großer Erfolg, vor allem wenn man bedenkt, dass 2009 der Wissenschaft weltweit nur mehr elf lebende Exemplare bekannt waren. Und heute gibt es schon mehr als 200 dieser extrem gefährdeten Art.“

In Österreich gibt es zwei Zuchtpaare: eines im Tiergarten Schönbrunn in Wien, das andere im Grazer „Turtle Island“.

Eine männliche Batagur-Schildkröte in rötlicher Balzfärbung
Peter Praschag
Batagur-Männchen in Balzfärbung

Batagur baska: So heißt die Flussschildkröte im Fachlatein. Sie lebt vor allem in Ostindien und im südlichen Bangladesch, wird rund 30 Kilogramm schwer und 60 Zentimeter lang. Der Grund, warum sie zu den 100 am stärksten bedrohten Arten weltweit gehört: Ihr Fleisch und ihre Eier gelten als Delikatesse. Zwar steht die Batagur-Schildkröte schon lange unter Naturschutz – in den von Armut geprägten Verhältnissen ihrer Heimat ist das aber keine Überlebensgarantie.

Pfauenaugen-Sumpfschildkröte auf dem Fleischmarkt in Bangladesch
Peter Praschag
Batagur-Schildkröten auf einem Fleischmarkt in Bangladesch: die mittlere ist das Muttertier der nun in Graz geschlüpften

Deswegen kann der Schildkröten-Nachwuchs auch nicht unmittelbar in die freie Wildbahn ausgesetzt werden, die Gefahr im Kochtopf zu landen, wäre einfach zu groß. Zuerst – und auch das gehört zu den längerfristigen Plänen des Grazer Schildkrötenpioniers – müssen entsprechende Schutzgebiete und Reservate geschaffen werden.

Ö1 Sendungshinweis:

Dem Thema widmet sich auch ein Beitrag in Wissen aktuell: 12.5., 13:55 Uhr.

Zu diesem Zweck betreibt Praschag auch in Bangladesh und Indien Zuchtprojekte, vorerst bleiben die Schildkröten „im geschützten Bereich“. Peter Praschag: „Wir werden die Jungtiere auf mit uns befreundete zoologische Institutionen aufteilen, das ist momentan der sicherste Ort für sie.“

Vom Kochtopf nach Turtle Island

Schon eine andere Welterstnachzucht konnte der Grazer Schildkrötenexperte heuer feiern. Die Elterntiere dieser Indischen Pfauenaugen-Sumpfschildkröte (morenia petersi) hat Praschag vor sieben Jahren auf einem Fleischmarkt in Bangladesch freigekauft und nach Österreich importiert. Im März erblickten vier Schlüpflinge in Turtle Island das Licht der Welt.

Eine frisch geschlüpfte Pfauenaugen-Sumpfschildkröte
Peter Praschag
Frisch geschlüpfte Pfauenaugen-Sumpfschildkröte

Die ganze Aktion findet im Rahmen der „Universum“-Dokumentation „Turtle Hero“ statt, die sich um Peter Praschag und seine Forschungsarbeit dreht und voraussichtlich im November 2016 ausgestrahlt wird.

Josef Glanz, Lukas Wieselberg science.ORF.at

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