Vom Teilchen zur Wolke

Die ersten Schritte der Wolkenbildung haben Forscher in einem Experiment am CERN aufgeklärt. Sie beschreiben zwei Mechanismen, wie winzige Partikel zu Kondensationskeimen anwachsen und damit die Bildung von Wolken beschleunigen können.

Damit Wasserdampf in der Atmosphäre zu Tröpfchen kondensieren kann, sind Kondensationskeime erforderlich. Solche Keime können aus natürlichen Prozessen stammen, etwa winzige Sandkörner, oder von menschlichen Aktivitäten, etwa Rußpartikel. Sie können aber auch aus Gasmolekülen neu gebildet werden. In den vergangenen Jahren klärten Forscher nach und nach, welche Moleküle bei dieser Neubildung eine Rolle spielen.

Die Studie:

„The effect of acid–base clustering and ions...“, Nature Communications, 20.5.2016

Zu wichtigen neuen Erkenntnissen verhalf ihnen dabei in den vergangenen Jahren das Experiment CLOUD (Cosmics Leaving Outdoor Droplets) am am Europäischen Labor für Teilchenphysik CERN. In einem 26 Kubikmeter großen Edelstahltank können die Wissenschafter die Bildung von Aerosolpartikel und Wolken unter extrem präzisen kontrollierbaren Bedingungen untersuchen.

Klimarelevante Teilchen

So zeigten Armin Hansel vom Institut für Ionenphysik und Angewandte Physik der Universität Innsbruck und seine Kollegen, dass Schwefelsäuremoleküle (H2SO4) mit geringen Mengen der basischen Verbindungen Ammoniak und Amine (eng mit Ammoniak verwandten Stoffe) besonders starke Bindungen eingehen. Selbst kleinste Konzentrationen dieser Stoffe reichen für eine hohe Neubildungsrate von Partikeln aus.

CLOUD Experiment am CERN
2010-2016 CERN
Das CLOUD-Experiment am CERN

Die so aus einzelnen Molekülen gebildeten Cluster sind rund ein Nanometer groß, also ein Millionstel Millimeter - viel zu klein, damit daran Wasserdampf kondensieren könnte. In ihrer aktuellen Arbeit haben die Forscher im CLOUD-Experiment untersucht, wie die Nanopartikel zu rund zehn Nanometer großen Kondensationskeimen anwachsen. „Interessant ist dies deshalb, weil so entstehende Teilchen für rund die Hälfte der Wolkentropfen verantwortlich und damit von hoher Klimarelevanz sind“, sagte Hansel gegenüber der APA.

Mehr Verbindungen messen

In jedem der untersuchten Fälle spielt Schwefelsäure eine wichtige Rolle. Diese gibt es in der heutigen Atmosphäre durch die Verbrennung fossiler Brennstoffe in genügend großer Menge. Sind zudem ausreichend Ammoniak, Amine oder wenig flüchtige organische Dämpfe vorhanden, können sich die entstehenden neutralen Säure-Basen-Nanopartikel zu immer größeren Clustern zusammenballen, bis sie zu Kondensationskeimgröße angewachsen sind.

Sollten nicht genügend basische Verbindungen vorhanden sein, kann ein zweiter Mechanismus zur Clusterbildung beitragen. Es entstehen dann sogenannte ionische - also geladene - Cluster, deren elektrische Ladung stabilisierend auf die Cluster wirkt. Positiv und negativ geladene Cluster werden durch Rekombination zu neutralen Clustern und können wie oben beschrieben weiter wachsen.
Das Ergebnis zeigt für Hansel, dass die Messung von Schwefelsäure in der Atmosphäre nicht ausreicht, um die Nukleationsrate zu beurteilen. Die Studienautoren fordern deshalb, auch andere basenhaltende Verbindungen wie Amine und Ammoniak und wenig flüchtige organische Verbindungen in solche Atmosphärenmessungen einzubeziehen. Wenn man diese Mechanismen genauer verstehe, könnten die Klimamodelle entsprechend angepasst und zuverlässigere Prognosen erstellt werden, sagte Hansel.

science.ORF.at/APA

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