Die Welt giert nach Lithium

Das Metall Lithium wird in den nächsten Jahren einen Boom erleben. Schon jetzt kaufen die großen Abbaufirmen weltweit Schürfrechte auf. Der Grund: Lithium brauchen wir vor allem in aufladbaren Batterien - und davon immer mehr.

Wenn wir so viele Lithiumbatterien jährlich bräuchten wie bisher, dann könnten wir auf 400 Jahre einfach weitermachen. Allerdings ist klar, dass die Nachfrage steigt, erklärt Rohstoffexperte und Verfahrenstechniker Stefan Luidold von der Montanuniversität in Leoben. In den letzten Jahren hätten vor allem die Gerätebatterien für Kleinanwendungen die Nachfrage angekurbelt. Nun, im Zeitalter der Elektromobilität, werde sich die Entwicklung weiter beschleunigen.

Bedarf könnte explodieren

Der amerikanische Elektroautohersteller Tesla etwa prognostiziert, ab 2018 jährlich rund eine halbe Million Elektroautos mit Lithiumbatterien zu verkaufen. Ab dem Jahr 2030 könnte laut Tesla gar die Hälfte aller weltweit neu verkauften Fahrzeuge rein elektrisch betrieben sein. Der jährliche Lithiumbedarf könnte sich damit fast verhundertfachen.

Die gute Nachricht ist: Lithium wird uns wohl, anders als Erdöl, nie ganz ausgehen, sagt Luidold. „Wenn man die Sache geologisch betrachtet: Lithium wird praktisch nicht verbraucht, es wird maximal verdünnt. Und wenn es einmal verdünnt ist, kann man es zurückgewinnen - allerdings mit sehr hohem Aufwand.“

Mann kniet vor Sole in bolivischer Salzwüste
MARTIN BERNETTI / AFP / picturedesk.com
Lithiumgewinnung: Sole im Salar de Uyuni, Bolivien

Lithium kommt praktisch nie konzentriert vor. Die Gewinnung ist daher teuer, selbst das Recyceln von alten Batterien. Viele Lithiumquellen - auch in Österreich - ließen sich ganz einfach wirtschaftlich nicht erschließen, meint Luidold. Die weltweit ergiebigsten Vorkommen liegen in den Salzebenen Boliviens, Chiles und Argentiniens. Über Monate schwemmt und verdunstet man dort Salzlösungen in großen Becken. Das Salz ist reich an Lithiumkarbonat, aus dem man in weiteren chemischen Verfahren reines Lithium gewinnt.

„Industriezweig wie ein Hasardspiel"“

Der Lithiumabbau ist ein langsames Unterfangen. Engpässe drohen, wenn nicht bald mehr Quellen erschlossen werden. Dazu bräuchte es massive Investitionen in die Infrastruktur und Industrie der Förderländer - die sich vielleicht gar nicht auszahlen, warnt Karin Küblböck von der Österreichischen Forschungsstiftung für Internationale Entwicklung.

Denn: Lithium ist zwar jetzt Grundlage für leichte und effiziente Batterien, aber die Technologie könne sich schnell wandeln. Ein weiteres Problem: Der massive Wasserverbrauch bei der Lithiumgewinnung könnte das Grundwasser in den wüstenhaften Abbaugebieten Südamerikas aufbrauchen.

Viele Menschen in dieser Region leben von Viehzucht und sind daher auf Wasser angewiesen. Küblböck befürchtet, dass viele ihre Lebensgrundlage verlieren könnten. Für viele Förderländer gleiche dieser Industriezweig einem Hasardspiel, meint die Entwicklungsexpertin. Bleibe der Erdölpreis niedrig wie jetzt, sei nicht einmal sicher, dass Elektroautos den Markt erobern. Die Investitionen - der Wetteinsatz - wären aber jetzt gefordert.

Isabella Ferenci, Ö1-Wissenschaft

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