Medikament könnte erblichem Brustkrebs vorbeugen

Erblich bedingten Brustkrebs zu verhindern, ist bis dato nur durch eine Amputation möglich. Nun haben österreichische Wissenschaftler eine vielversprechende Entdeckung gemacht: Ein Medikament, das bereits auf dem Markt ist, könnte die Entstehung dieser Krebsart verhindern.

Das Gen, um das es sich handelt, heißt BRCA 1. Ist es defekt, dann liegt das Risiko der Trägerin irgendwann im Lauf des Lebens an Brustkrebs zu erkranken bei bis zu 80 Prozent. Ein prominentes Beispiel für diese Form der erblichen Vorbelastung ist die US-amerikanische Schauspielerin Angelina Jolie. Sie trägt ein mutiertes BRCA 1-Gen. Aus Angst, an Brustkrebs zu erkranken, ließ sie sich ihre Brüste amputieren.

Eiweißstoff sendet falsches Signal

Eine Forschergruppe des Instituts für Molekulare Biotechnologie in Wien, geleitet von Josef Penninger, hofft Frauen mit diesem Krebsrisiko zukünftig eine Alternative zur Amputation geben zu können. Penninger selbst entdeckte vor einigen Jahren, dass zwei Eiweißstoffe, RANK und RANKL, den Brustzellen das Signal senden „zu wachsen“. Ist das Signal zu stark, beginnen die Zellen unkontrolliert zu wuchern. Dann entstehen gefährliche Karzinome - Brustkrebs.

Verena Sigl und Josef Penninger im Labor
IMBA/Point of View
Verena Sigl und Josef Penninger

Die junge Wissenschaftlerin Verena Sigl hat nun herausgefunden, dass RANK/RANKL auch bei erblich bedingten Brustkrebs durch ein mutiertes BRCA 1-Gen der entscheidende Faktor sind. Der Ausgangspunkt ihrer Studie: Gelänge es RANK zu blockieren, dann müsste die Entstehung von Brustkrebs trotz des mutierten Gens verhindert werden.

Von Mäusen zu Menschen

Für die Maus-Studie wurden die Tiere in zwei Gruppen geteilt. Alle trugen ein mutiertes BRCA 1-Gen, doch nur in einer Gruppe wurde RANK genetisch blockiert. „Bei diesen Mäusen konnten wir kein einziges Karzinom entdecken und es kam wesentlich seltener zu Wucherungen im Brustbereich“, sagt Verena Sigl. In der anderen Gruppe, in der RANK aktiv war, entwickelten sich Karzinome und bösartige Veränderungen in der Brust, die Vorstufen des Karzinoms.

Um zu überprüfen, ob diese Ergebnisse auch auf den Menschen übertragbar sein könnten, wurden anschließend Test an menschlichem Gewebe durchgeführt. Gemeinsam mit Wissenschaftlern der MedUni Wien und Forschern aus Kanada wurden Zellen aus amputierten Brüsten untersucht - von Patientinnen, die eine BRCA1-Mutation haben. Nachdem RANK in diesen Zellkulturen blockiert wurde, zeigte sich auch hier, dass das Wachstum der Brustgewebezellen stark vermindert war.

Wirkstoff bereits im Einsatz

Ein Medikament, dass RANK blockiert, ist bereits auf dem Markt, Denosumab. Es geht auf die Forschung von Josef Penninger und seiner Gruppe zurück. Bis dato wird es gegen Knochenmetastasen und Osteoporose eingesetzt. Zukünftig könnte es auch zur Vorbeugung von diesem speziellen erblichen Brustkrebs verabreicht werden.

„Wir arbeiten mit einer Gruppe in Baltimore zusammen, die diese Form der Prävention bereits bei Mäusen getetestet hat“, sagt Penninger. Über ein Jahr hinweg wurde BRCA 1 mitilfe des Medikaments abgeschaltet. „Bei diesen Mäusen konnten wir fast keine bösartigen Veränderungen im Brustgewebe feststellen“, erläutert der wissenschaftliche Direktor des IMBA weiter.

Klinische Studie beginnt demnächst

In Kürze soll die vorbeugende Wirkung des Medikaments beim Menschen getestet werden. „Es wird eine internationale Studie sein“, sagt Penninger, „bei der wir unter anderen mit Kollegen in Spanien, England und Polen zusammenarbeiten werden“. Sind die Ergebnisse dieser klinischen Studie positiv, dann könnte der Wirkstoff bereits in einigen Jahren zur Vorbeugung dieser Krebsart eingesetzt werden.

Marlene Nowotny, Ö1-Wissenschaft

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