In einem Viertel aller China-Importe krabbelt es

Holzverpackte Importe aus China haben immer häufiger unerwünschte Mitreisende im Gepäck: Schon knapp jede vierte Stichprobe ist laut Bundesforschungszentrum für Wald (BFW) mit Käfern oder ihren Larven verseucht. Gelangen diese Schädlinge in die Umwelt, stellen sie eine große Gefahr für die heimischen Wälder dar.

Vor allem im Verpackungsholz sind die Insekten zu finden, erklärt BFW-Geschäftsführer Peter Mayer. Hier werde oft sehr minderwertiges Holz verwendet, in dem sich der Asiatische Laubholzbockkäfer (Anoplophora glabripennis) eingenistet habe. Laut der Global Invasive Species Database gehört er zu den hundert schädlichsten invasiven Arten weltweit. In den Verpackungen befinden sich meist Steinwaren: Pflaster- und Randsteine, aber auch Fliesen, Fensterbänke und Küchenplatten für den privaten Hausbau.

Falsche Etikettierung

Zwar müsste Verpackungsholz so behandelt sein, dass darin keine Schädlinge verborgen sein können. „Es kommt leider immer häufiger vor, dass die Behandlung nicht richtig funktioniert hat oder sie gar nicht durchgeführt wurde, obwohl das Verpackungsholz so gekennzeichnet ist, als hätte es eine Behandlung durchlaufen“, ergänzt die BFW-Pflanzenschutzexpertin und Spürhundeführerin Ute Hoyer-Tomiczek.

Holz mit den typischen Bohrlöchern des Asiatischen Laubholzbockkäfers
science.ORF.at / Elke Ziegler
Holz mit den typischen Bohrlöchern des Asiatischen Laubholzbockkäfers

Im April 2013 hat die EU deshalb die Mitgliedsstaaten verpflichtet, zumindest 15 Prozent des gesamten importierten Verpackungsholzes in erster Linie aus China auf Schädlinge zu kontrollieren. In Österreich wird laut BFW als zuständiger Behörde deutlich mehr überprüft, rund ein Drittel aller mit Holz verpackten Importe aus China wird genau unter die Lupe genommen.

Das waren seit 2013 rund 3.500 Container - und dabei werden die Kontrolleure immer häufiger fündig: „Letztes Jahr mussten wir zehn Prozent der kontrollierten Sendungen und Container wegen Schädlingsbefalls beanstanden. Seit Anfang 2016 bis jetzt waren es 23,5 Prozent“, so Hoyer-Tomiczek.

Feine Nase für Käfer

Die Kontrollen erfolgen stichprobenartig mit Augen und - nicht immer, aber sehr häufig - Nase. Die Augen der BFW-Kontrolleure überprüfen das Verpackungsholz auf Bohrlöcher und andere verdächtige Spuren des Asiatischen Laubholzbockkäfers. Die Nasen gehören den Käferspürhunden des BFW, von denen es insgesamt sechs gibt.

Spürhundetrainerin Ute Hoyer-Tomiczek mit Brandlbracke Sina
science.ORF.at / Elke Ziegler
Spürhundetrainerin Ute Hoyer-Tomiczek mit Brandlbracke Sina

Sie werden in einem eigens entwickelten Trainingsprogramm auf Larven, Puppen, Käfer und Bohrspäne sensibilisiert. Bei den Kontrollen sei der feine Geruchssinn ein großer Vorteil, sagt Hoyer-Tomiczek mit Blick auf ihre beiden Brandlbracken Andor und Sina: „Wenn man auf einem Lagerplatz die Paletten in mehreren Schichten über- und nebeneinander vor sich hat, dann sehen wir Menschen nur die Außenfront. Der Hund bekommt aber den Geruch durch die Ritzen und Spalten. Wir müssen dann dafür sorgen, dass Kiste um Kiste entfernt wird, bis die befallene Stelle erreicht wird.“

Die Hunde werden nicht nur bei Importkontrollen von Steinwaren eingesetzt, sondern auch bei Pflanzenimporten, wo sich der Zitrusbockkäfer (Anoplophora chinensis) gern in Pflanzentöpfen versteckt. Und auch im Wald sind Hunde dabei, wenn ein Befallsverdacht überprüft werden muss.

Befallsgebiet in Oberösterreich

Finden sich Spuren von Schädlingen, wird die gesamte Ware zurück in den Container verfrachtet und „begast“, die Insekten und ihre Larven also durch Gas vernichtet, damit sie nicht in die Umwelt gelangen. „Es gibt mittlerweile Beispiele in Europa, wo die Bockkäfer nicht erkannt wurden, ausgeflogen sind und sich im Ökosystem Wald vermehrt haben. Hier breiten sie sich relativ rasch aus und können zu großen Schäden führen“, so BFW-Geschäftsführer Mayer.

Der Asiatische Holzbockkaefer in einem Schaukasten
science.ORF.at / Elke Ziegler
Der Asiatische Laubholzbockkäfer in seinen Entwicklungsstadien

Für die Waldbesitzerinnen und -besitzer bedeutet der Befall einen großen finanziellen Schaden, weil sie nicht nur befallene Bäume, sondern auch gesunde Bäume im Umfeld geschlägert werden müssen. Ein sogenanntes Befallsgebiet gibt es auch in Österreich, genauer in St. Georgen und Gallspach in Oberösterreich - eine Langzeitfolge der Jahre vor 2013. Nun - mit den genauen Kontrollen - hofft man, weiteres Ausschwärmen verhindern zu können.

Elke Ziegler, science.ORF.at

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