„Cybathlon“ – Wettbewerb für Cyborgs

Die technologische Unterstützung von Menschen mit schweren Behinderungen wird immer besser: Im Oktober kommt es in der Schweiz nun zum ersten „Cybathlon“, einem Wettkampf von Menschen mit modernsten Prothesen und Assistenzsystemen.

Alleine mit der Kraft der Gedanken einen Computer, Maschinen oder Körperprothesen steuern: das ist Ziel von Brain-Computer-Interfaces (BCI), sogenannten Gehirn-Computer-Schnittstellen. Die Vision begeistert Wissenschaftler seit den 1970er Jahren und weckt große Hoffnungen in der Spieleindustrie wie auch in der Rehabilitation von körperlich schwer behinderten Menschen.

„Das beginnt bei der Fähigkeit zu kommunizieren, geht über Muskel- und Nervenstimulation bis hin zur gesteigerten Aufmerksamkeitskapazität“, so Gernot Müller-Putz, Leiter des Instituts für Neurotechnologie an der Technischen Universität Graz.

YouTube-Video: Trailer des Cybathlons

Hindernisparcours und Geschicklichkeitstests

Menschen mit gravierenden körperlichen Handicaps werden am 8. Oktober in der Swiss Arena Kloten mit Prothesen, die sie über ihre eigenen Gehirnsignale steuern, zu Wettkämpfen in sechs unterschiedlichen Disziplinen antreten. Organisiert wird der „Cybathlon“ von der ETH Zürich. Rund 80 Teams weltweit haben sich angemeldet. Unter ihnen auch ein von Müller-Putz ins Leben gerufenes Studierendenteam - und der Steirer Gerhard Kleinhofer aus Gußwerk nahe Mariazell.

„Unter anderem werden Träger von Beinprothesen miteinander auf einem Hindernisparcours um die Wette laufen, Teilnehmer mit Armprothesen messen sich in einem Geschicklichkeitstest und Piloten mit einer Querschnittlähmung absolvieren einen Hindernisparcours mittels eines motorisierten Exoskeletts“, schilderte der Grazer Teamleader David Steyrl. In der Disziplin „BCI Race“ kontrollieren und steuern jeweils vier schwer gelähmte „Runner“ durch gewisse Gehirnsignale eine Figur (Avatar) in einem Wettrennen am PC.

Eine der Aufgaben am Geschicklichkeitsparcours für Menschen mit angetriebenen Armprothesen
Alessandro Della Bella
Eine der Aufgaben am Geschicklichkeitsparcours für Menschen mit angetriebenen Armprothesen

„Unser Pilot muss die richtigen Signale zum richtigen Zeitpunkt aussenden, damit der Avatar die Einzelstrecken des Parcours beschleunigt bewältigt. Falsche Signale führen zu einer Verlangsamung“, erläuterte Teammitglied Bernhard Frohner.

Das Grazer BCI Racing Team „Mirage 91“ besteht aus rund 15 Studierenden und ist das einzige hochschulgebundene österreichische Team. Vier weitere Teams mit Österreichbezug hat der Technologieentwickler Otto Bock angemeldet, wie auf der „Cybatholon“-Homepage ersichtlich ist.

science.ORF.at/APA

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