Weltweites Rennen um Meeresbodenschätze

Nickel, Kupfer, Kobalt und Seltene Erden - all das findet man am und im Meeresboden. Bisher durften diese Rohstoffvorräte in internationalen Gewässern nur erkundet, aber nicht abgebaut werden. Das könnte sich demnächst ändern.

Wie groß der Hunger der industrialisierten Welt nach Rohstoffen ist, darauf haben erst kürzlich die Vereinten Nationen hingewiesen: Demnach hat sich unser Verbrauch von Rohstoffen seit 1970 mehr als verdreifacht. Aber: Die Lagerstätten an Land leeren sich, weshalb der Meeresboden schon in den letzten Jahren ins Zentrum des Interesses gewandert ist.

Explorationslizenzen an Industriestaaten

Aber nicht jedes Unternehmen, das will und kann, darf Rohstoffe in internationalen Gewässern erkunden. Dazu müssen Lizenzen bei der Internationalen Meeresbodenbehörde gelöst werden. „Man erhält dann eine Lizenz für ein relativ großes Gebiet Meeresboden und darf dort ermitteln, welche Möglichkeiten eines kommerziellen Abbaus es gibt“, erklärt Nele Matz-Lück, Professorin für Seerecht an der Universität Kiel.

Ö1 Sendungshinweis:

Über den Wettlauf um die Meeresrohstoffe berichtet auch das Mittagsjournal am 22.7.2016.

Damit ein Unternehmen eine solche Explorationslizenz bekommt, braucht es aber einen Staat, der dahinter steht. Und sieht man sich an, welche Staaten hier in Erscheinung treten, entspricht das ziemlich genau der globalen Verteilung von Wirtschaftskraft: Denn stark sind die westlichen Industriestaaten, aber auch Russland, Indien und China. „China ist ein Staat, der besonders großes Interesse an Tiefseebergbau und den entsprechenden Technologien hat. Das wird als wichtiges Feld gesehen, in dem man sich positionieren muss.“

„Gemietete“ Lizenzen

Dass auch kleine Inselstaaten wie die Cookinseln, Tonga und Kiribati in der Liste der Lizenzstaaten aufscheinen, gleicht dieses Ungleichgewicht nicht aus, sagt die Seerechtsexpertin: „Das ist dann eben nicht die staatliche Meeresbodenbehörde oder Bergbauagentur von Kiribati, sondern ein Unternehmen aus einem anderen Staat, das einfach die Lizenz von Kiribati oder Tonga nützt. Und das lassen sich die Länder bezahlen.“

Außer Geld bringt den Staaten die Vermietung ihrer Lizenz aber nichts, denn das Knowhow bleibt bei den Unternehmen, die sich einkaufen.

Zug fährt Richtung Abbau

Und auch wenn die Lizenzen derzeit nur die Erkundung der Vorkommen erlauben - das Ziel ist klar: „Natürlich ist die Internationale Meeresbodenbehörde eine Behörde, die den kommerziellen Abbau als Ziel hat.“ Und so wurde kürzlich seitens der Behörde ein Richtlinienentwurf nicht mehr nur für die Exploration, sondern bereits für den Abbau präsentiert. Die Letztfassung muss von den Mitgliedsstaaten noch ausverhandelt werden, aber ein erster konkreter Schritt ist gemacht.

Ein "Tiefseemähdrescher", entwickelt von einem kanadischen Unternehmen, gebaut in Großbritannien, der Manganknollen vor Papua Neuguinea ernten soll.
Reuters
Der „Tiefseemähdrescher“ des kanadischen Unternehmens Nautilus Minerals, gebaut zur Ernte von Manganknollen vor Papua Neuguinea.

Dass der Zug Richtig Abbau abgefahren ist, daran zweifelt derzeit kaum jemand. Schließlich wurden auch schon große Summen investiert, etwa in Prototypen für riesige Tiefseegeräte. Sie sehen aus wie überdimensionierte Mähdrescher oder Staubsauger - die Dimensionen sind nötig, damit die Geräte den hohen Druck in der Tiefsee aushalten.

Mehr Recycling nötig

„Diese Maschinen raspeln den Meeresboden auf und zerstören dadurch auch alles Leben. Die Tiefseekorallen beispielsweise werden mitabgeholzt, wenn Manganknollen geerntet werden“, beschreibt der Meeresbiologe Gerhard Herndl von der Universität Wien die Arbeitsweise der Maschinen.

Tiefseelebewesen wachsen sehr langsam, weil es wenig Nahrung gibt. „Und das ist das große ökologische Problem: Wenn diese Ökosysteme einmal zerstört sind, braucht es Jahrhunderte, sie sich regenerieren.“

Um einen Abbau am Meeresgrund zu verhindern, müsste an Land weniger weggeworfen und mehr wiederverwertet werden, so Herndl: „Wir brauchen ein Recyclingsystem in einem viel größeren Ausmaß, als wir es heute haben.“ Dann könnte die Tiefsee - zumindest großteils - unberührt bleiben.

Elke Ziegler, science.ORF.at

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