Einzeln stark, zusammen stärker

Schimpansen arbeiten lieber zusammen als miteinander zu konkurrieren. Das zeigt eine neue Studie von US-Forschern. Ihre Beobachtungen widersprechen der Annahme, dass Kooperation ein speziell menschliches Phänomen sei.

Die Wissenschaftler um Malini Suchak von der Emory Universität in Atlanta (US-Bundesstaat Georgia) hatten elf Schimpansen vor die Wahl gestellt, Belohnungen in Form von Futter entweder durch Kooperation oder durch kompetitives Verhalten zu ergattern.

Um das Obst zu erhalten, mussten zwei oder drei Affen zusammen an einem Apparat ziehen. Den Forschern zufolge konnten die Schimpansen selber ihre Partner für die Aufgaben aussuchen. Sie konnten aber auch durch kompetitives Verhalten an die Belohnungen gelangen - etwa, indem ein Schimpanse einen anderen vertrieb oder das Obst stibitzte.

Kooperation fünf Mal so oft wie Wettbewerb

Insgesamt hätten Mitglieder der Gruppe 3.565 Mal innerhalb der 94 Versuchsstunden miteinander kooperiert - über 600 Mal hätten sie dagegen Konkurrenzverhalten gezeigt. Unter den Schimpansen sei daher Kooperation fünf Mal wahrscheinlicher als Wettbewerb. Indem sie die richtigen Partner für die Aufgaben aussuchten und kompetitive Affen bestraften, reduzierte die Schimpansen-Gruppe demnach untereinander den Wettbewerb.

Drei Affen ziehen am Kooperationsapparat, zwei sehen zu
Frans de Waal, Yerkes National Primate Research Center.
Drei Affen ziehen am Kooperationsapparat, zwei sehen zu

"Vorangegangene Aussagen in der Literatur beschreiben menschliche Kooperation als „große Anomalie" und Schimpansen als Tiere, die Wettbewerb der Zusammenarbeit vorziehen“, erklärte Suchak. „Es stellt sich heraus, dass die Schimpansen sehr gut darin sind, Wettbewerb zu vermeiden und Kooperation zu bevorzugen.“ Das Verhältnis zwischen Kooperation und Konkurrenz bei Menschen und Schimpansen sei ähnlich.

Gruppe seit über 20 Jahren zusammen

Die Affengruppe bestand aus zehn Weibchen und einem Männchen, die seit über 20 Jahren zusammenleben. Nur ein Schimpanse hatte im Durchschnitt öfters mit den anderen konkurriert als kooperiert: Mai, ein fast blindes, 48-jähriges Weibchen. Auch eine zweite Gruppe von 15 Schimpansen wurde getestet.

Die Ergebnisse stehen den Forschern zufolge im Kontrast zu bisherigen Studien, die besagten, dass Schimpansen nur in Umgebungen kooperieren, die Wettbewerb minimieren und gezielt auf Zusammenarbeit ausgelegt sind. Entscheidender Faktor für den nun gezeigten Hang zur Kooperation sei die freie Partnerwahl gewesen zu sein – in früheren Studien sei dies nicht der Fall gewesen.

Das Sozialverhalten von Schimpansen hatten zuletzt auch Leipziger Wissenschaftler erforscht. Sie berichteten nach Beobachtungen von 15 Affen in Kenia, dass Freundschaften unter Schimpansen - wie bei Menschen - maßgeblich mit Vertrauen zusammenhängen.

science.ORF.at/APA/dpa

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