Forscher entdecken galaktisches Fossil

Astronomen haben im Sternbild Schütze ein uraltes Relikt der Milchstraße erspäht: Nun rätseln die Forscher, wie der Sternhaufen Milliarden Jahre unbeschadet überdauern konnte.

„Terzan 5“ heißt der Sternencluster, über den Forscher um Francesco Ferraro nun im „Astrophysical Journal“ berichten. Die 19.000 Lichtjahre entfernte Region ist seit gut 40 Jahren bekannt und wurde ursprünglich als „normaler“ Kugelsternhaufen klassifiziert.

Doch Analysen mit dem Weltraumteleskop Hubble und dem Very Large Telescope der ESO zeigen: „Terzan 5“ sieht äußerlich bloß wie ein Kugelsternhaufen aus - ist aber keiner. Er beinhaltet nämlich zwei Generationen von Sternen mit einem Altersunterschied von sage und schreibe sieben Milliarden Jahren. Dazwischen gibt es, was das Alter der Sterne anlangt: nichts.

Sternhaufen "Terzan 5"
ESO/F. Ferraro
Sternhaufen mit uralten Bezirken: „Terzan 5“

Daraus schließen die Forscher, dass sich die Sterne in „Terzan 5“ nicht kontinuierlich, sondern schubweise entwickelt haben, einmal vor zwölf Milliarden Jahren und dann noch ein zweites Mal vor 4,5 Milliarden Jahren - jene Zeit, in der gerade die junge Erde entstand. Woraus wiederum folgt, dass in dieser Region genug Material vorhanden war, um gleich zwei Geburtsphasen von Sternen einzuleiten. Davide Massari, einer der Co-Autoren der Studie, geht davon aus, „dass der Vorläufer von Terzan 5 mindestens 100 Millionen Sonnenmassen hatte.“

Wie die Forscher in ihrer Studie schreiben, weist „Terzan 5“ einige Ähnlichkeiten zur Zentralegion der Milchstraße auf, im Englischen auch bekannt als „galactic bulge“. Dort gibt es ebenfalls uralte Sterne - ein weiteres Argument dafür, dass es sich bei „Terzan 5“ um ein galaktisches Relikt handelt, das mehr oder minder unverändert geblieben ist. So wie der Ginkgobaum oder der Quastenflosser im Tier- und Pflanzenreich als lebende Fossilien gelten, haben nun auch die Astronomen ein solches im Inventar ihres Faches. Folgerichtig der Name, den sie ihren Forschungen gegeben haben: „Astro-Archäologie“.

Bliebe zu klären: Wieso hat „Terzan 5“ seine urtümliche Struktur erhalten und wurde nicht durch die Schwerkraft verformt, zerrissen oder mit anderen Sternhaufen verschmolzen? Auf diese Frage haben die Forscher noch keine plausible Antwort. Irgendwie, notieren sie in ihrer Studie, müssen die uralten Klumpen in „Terzan 5“ der „Zerstörung entgangen sein“.

„Wie das genau vor sich ging, können wir nicht sagen. In der Milchstraße geht es an sich ziemlich turbulent zu. Terzan 5 liegt anscheinend in einer sehr ruhigen Region. Vielleicht hatte der Sternhaufen einfach mehr Glück als andere“, sagt Davide Massari im Gespräch mit science.ORF.at.

Er und seine Kollegen gehen davon aus, dass sich Ähnliches auch in anderen Regionen der Milchstraße zugetragen hat. Mit der Entdeckung weiterer Fossilien ist zu rechnen.

Robert Czepel, science.ORF.at

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