Eisbären geht das Eis aus

Für die Eisbären in der Arktis wird es immer ungemütlicher. In den vergangenen 35 Jahren nahm die eisfreie Zeit im Sommer um fast zwei Monate zu. Das zeigt die Auswertung von Satellitendaten der Arktisoberfläche.

Auch wenn er lokal unterschiedlich ausgeprägt ist: Der Trend zum schmelzenden Eis zeigt sich in den Lebensräumen aller 19 Subpopulationen des Eisbären, die sich rund um den Nordpol tummeln.

Studie

”Sea-ice indicators of polar bear habitat”, The Cryosphere, 14.9.2016

Insgesamt gibt es noch rund 25.000 Exemplare von Ursus maritimus, doch die aktuelle Studie lässt nichts Gutes erahnen. Die Polarforscher Harry Stern und Kristin Laidre von der Universität Washington haben dazu NASA-Satellitendaten von 1979 bis 2014 ausgewertet.

Sieben Wochen länger eisfrei

Ergebnis: Im Frühjahr beginnt das Eis im Schnitt aller Bereiche um dreieinhalb Wochen früher zu schmelzen, im Herbst friert es im Schnitt ebenfalls um dreieinhalb Wochen später. Insgesamt hat sich die eisfreie Zeit im Untersuchungszeitraum also um sieben Wochen erhöht.

Ein Eisbär tappst mit seiner Pfoto in Wasser, sitzt auf einem Eisstück
Mario Hoppmann, via imaggeo.egu.eu

Für die Eisbären ist das eine große Gefahr, denn sie brauchen das Eis, um zu jagen, zu fressen und sich zu paaren. Ihrer Haupternährungsquelle, den Seerobben, lauern sie üblicherweise bei Atemlöchern auf, wenn sich diese an die Eisoberfläche begeben. Schwimmend, auf offener See hingegen sind die Bären eher nicht in der Lage, die wendigen Robben zu erlegen.

„Eisbären können zwar auch einige Monate an Land leben, aber das Meereseis ist die Grundlage ihres Lebens“, so Laidre in einer Aussendung. Wenn der Wärmetrend anhält, erwarten die Forscher noch mehr eisfreie Zeit: Weitere sechs, sieben Wochen könnten bis 2050 dazukommen, sagte Stern. Auswirkungen würde das nicht nur auf die Eisbären haben, sondern auch auf andere Arktisbewohner wie Wale und Robben.

Lukas Wieselberg, science.ORF.at

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