Wie man die Erde vor Asteroiden schützen könnte

Was tun, wenn Asteroiden die Erde bedrohen? Sprengen, wie in US-Katastrophenfilmen, ist keine gute Idee, sagen Experten bei einer Tagung in Wien. Es gibt aber technisch schon jetzt machbare Alternativen.

Jeden Tag entdecken unsere Teleskope neue Asteroiden, denn es gibt Millionen davon: Man schätzt, dass es alleine schon 150 Millionen Asteroiden gibt, die einen Durchmesser von mehr als 100 Metern haben – und je kleiner die Brocken im All werden, desto mehr davon gibt es.

Wie Sand am Meer

Zu versuchen alle Asteroiden in unserem Sonnensystem zu zählen, wäre so wie zu versuchen, die Sandkörner an einem Strand zu zählen, sagt der frühere NASA-Astronaut Rusty Schweickart am Rande des Kongresses der Weltraumerkunder, der derzeit in Wien stattfindet. Wie viele es sind, sei auch gar nicht so wichtig, meint er – um die besonders häufigen, ganz kleinen Objekte kümmere sich die Erdatmosphäre wie ein Schutzschild, und das jede Nacht unzählige Male, erklärt Schweickart: „Wir sehen dann vielleicht eine kleine helle Spur am Himmel und nennen das dann Sternschnuppen.“

Wie die Erdoberfläche ohne Atmosphäre aussehen würde, könne man sich vorstellen, wenn man einen Blick zum Mond mit all seinen Kratern werfe. „Aber Asteroideneinschläge sind nichts aus der Urzeit des Sonnensystems – das geschieht auch jetzt noch und wird wieder passieren.“ Darum sollten wir daran arbeiten, möglichst viele der Asteroiden zu erfassen, die groß genug sind, um auf der Erde Schaden anzurichten, aber zu klein, um sie leicht zu erkennen.

Ö1 Sendungshinweis

Über dieses Thema berichtete auch Wissen aktuell: 7. 10., 13:55 Uhr.

Rusty Schweickart erzählt in diesem Zusammenhang gerne von Tscheljabinsk in Russland. Am 15. Februar 2013 ging dort unerwartet ein Meteor nieder – also ein Asteroid oder ein Bruchteil davon, der beim Eintritt in die Erdatmosphäre grell leuchtet. Nur das war keine Sternschnuppe, sondern ein Brocken mit einem Durchmesser von 19 bis 20 Metern. Er explodierte im Himmel nahe der Stadt Tscheljabinsk, die Druckwelle riss Garagentore und Fensterwände ein, es gab rund 1.500 Verletzte. Der Asteroid war auf einer Flugbahn aus Richtung der Sonne gekommen, war also am Nachthimmel gar nie zu erkennen.

Illustration eines Meteoriteinschlags auf der Erde
NASA/Don Davis
Künstlerische Darstellung der NASA

Winzig im Weltall

Für Astronomen sind 20 Meter kein besonders großes Objekt im riesigen Weltraum, selbst doppelt so große Asteroiden nicht. Aber hier auf der Erde wäre ein 40 Meter großer Asteroid schon ein sogenannter „Citykiller“, wie ihn manche nennen – ein Asteroid, der eine ganze Stadt auslöschen könnte. Oder auch rund 2.000 Quadratkilometer sibirischen Wald, wie 1908 beim „Tunguska-Ereignis“.

Die Katastrophenfilme drehen sich meist um riesige Asteroiden, die den ganzen Planeten bedrohen, aber davon würden wir tatsächlich schon die meisten kennen – 95 Prozent von solchen, die größer als ein Kilometer im Durchmesser sind, schätzt Schweickart. Die kleineren hingegen, die aber riesige Flächen zerstören können, sind uns in ähnlichem Maße unbekannt.

Es wäre uns einfach nicht so bewusst, dass Asteroiden reale Naturgefahren sind, sagt Schweickart, weil sie so viel seltener sind als zum Beispiel Hurrikane. Also würden wir nicht daran denken, uns darauf vorzubereiten. Dabei wäre da eigentlich eine gute Nachricht: Anders als bei den meisten Naturgefahren, könnten wir für uns gefährliche Asteroiden lange im Vorhinein erkennen und noch von der Erde ablenken – wenn wir jetzt daran arbeiten, betont Schweickart.

Planetenverteidigung durch Wissenschaft

Asteroiden rasen nämlich nicht zufällig auf die Erde zu, sondern haben auch, genau wie die Erde, eine fixe Umlaufbahn um die Sonne. Kennen wir diese Umlaufbahnen, können wir mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit sagen, ob sie sich mit unserer Umlaufbahn kreuzen und wir auf ein Rendezvous im All zusteuern.

Der Früherkennung und schließlich möglichen Asteroidenabwehr hat sich die B612 Foundation verschrieben, die Rusty Schweickart mitbegründet hat. Benannt ist sie, recht romantisch, nach dem Heimatasteroiden B612 des „Kleinen Prinzen“ aus der bekannten Erzählung von Antoine de Saint-Exupéry. Die Ziele allerdings sind recht handfest: Das Hauptprojekt derzeit ist ein Infrarotweltraumteleskop namens Sentinel.

Der „Wächter“ wird entwickelt, um binnen fünf bis zehn Jahren wenigstens 90 Prozent aller Asteroiden aufzuzeichnen, die größer als 140 Meter sind. Kennt man all diese Umlaufbahnen, könnte man auch Kollisionen unter Asteroiden beobachten, die vielleicht ein kosmisches Billardspiel auslösen und Bruchstücke in unsere Richtung senden. Einsatzbereit ist Sentinel allerdings noch nicht, denn der Organisation fehlt es auch noch an etwas Geld - idealerweise soll das Infrarotteleskop 2018 mit einer Rakete von SpaceX in seine Umlaufbahn kommen.

Ohne Sprengung und Hollywood

Und wenn man dann einen potenziell gefährlichen Asteroiden ausgemacht hätte? Im Prinzip gibt es zwei Möglichkeiten: erstens den Asteroiden aus der Bahn drängen bzw. ziehen. Die Forschung an sogenannten „Gravity Tractors“ arbeitet mit dem Prinzip der gegenseitigen Anziehung von Objekten. Früh genug eingesetzt könnte eine andere Masse, in eine Umlaufbahn um den Asteroiden gebracht, diesen ausreichend ablenken. Ein Problem daran: Man müsste das sehr lange vorher in Gang setzen, damit die bisschen ablenkende Anziehungskraft ihr Werk auch tun kann.

Die möglicherweise schnellere Methode: mit einem sehr gezielten Schubs den Asteroiden zu verlangsamen oder zu beschleunigen, damit er das Rendezvous im All verpasst. Auch hier gilt: je länger die Vorwarnzeit, desto kleiner muss der ablenkende Schubs sein. Hier sollte man allerdings vorher auch noch herausfinden, wo der Massemittelpunkt von einem Asteroiden liegt, damit der Stoß auch sitzt. Den könnten Raumsonden bei Kollision oder mit Sprengungen im Umfeld des Asteroiden versetzen. Technisch machbar jedenfalls wäre das, sagt Schweickart – aber teuer.

Worum es dabei nicht geht, sei den Asteroiden einfach irgendwie zu sprengen - wie im wahrscheinlich bekanntesten Asteroidenkatastrophenfilm „Armageddon“. Was man dann bekäme, sagt Rusty Schweickart, wäre statt einer Pistolenkugel eher die Breitseite aus einer Schrotflinte – auch nicht viel besser.

Isabella Ferenci, Ö1 Wissenschaft

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