Astronauten riskieren bei Marsflug Demenz

Bis 2035 will die NASA ein bemanntes Raumschiff zum Mars schicken - die Mission wäre laut Forschern ein riskantes Unterfangen. Denn kosmische Strahlen lösen dauerhafte Schäden im Gehirn aus, die Folge für Astronauten: Demenz.

Große Pläne haben die Strategen der amerikanischen Raumfahrtorganisation NASA mit dem Roten Planten. Nach dem bemannten Raumflug zum Mond soll nun der große Wurf folgen, ein Flug zu unserem Nachbarplaneten Mars. Technisch sind für diese Mission noch keineswegs alle Probleme gelöst, doch vielleicht ist die größte Hürde ohnehin nicht technischer Natur: Die Gesundheit der Astronauten wäre bei einem Flug zum Mars in Gefahr, berichten Forscher um Charles Limoli nun in einer Studie.

„Space Brain“: Gedächtnisverlust, Depressionen

„Das sind keine guten Nachrichten für eine zwei bis drei Jahre dauernde Reise zum Mars und wieder zurück“, sagt der Krebsforscher von der University of California in Irvine. „Der Weltraum stellt für die Astronauten ein besonderes Risiko dar: Die kosmische Strahlung kann im Nervensystem Komplikationen auslösen - von Gedächtnisverlust, Angstzuständen, Depressionen bis hin zu eingeschränkter Entscheidungsfindung. Und diese Störungen können das ganze Leben bestehen bleiben.“ Für das Syndrom gibt es bereits einen eigenen Fachbegriff: „Space Brain“.

Astronaut und Rover auf dem Mars
NASA
Marsmission: Zu gefährlich für Astronauten?

Limoli hatte für seine Studie Nagetiere Strahlung ausgesetzt (ionisierter Sauerstoff sowie ionisiertes Titan), die eine ähnliche Wirkung haben wie die energiereichen Teilchen der kosmischen Strahlung. Sechs Monate nach der Bestrahlung fanden die Forscher immer noch Entzündungen im Gehirn der Versuchstiere. Die Kontaktstellen der Neuronen waren geschädigt, die Tiere schnitten bei Lern- und Gedächtnistests deutlich schlechter ab als normalerweise.

Und sie hatten auch Schwierigkeiten, negative Erfahrungen aus ihrem Gedächtnis zu löschen - dieser Umstand erhöhe das Risiko von Angststörungen, schreiben Limoli und seine Kollegen in der Studie.

Dass die Ergebnisse im Tierversuch auch auf den Menschen umzulegen sind, schließen die Forscher unter anderem aus den Erfahrungen mit Patienten mit Hirntumoren. Auch hier löse die Strahlentherapie Schäden an Nervenzellen und mitunter demenzartige Ausfälle aus.

Abschirmung kaum möglich

Für die Astro- und Kosmonauten auf der Raumstation ISS sind die Resultate der Studie nicht notwendigerweise bedrohlich, weil sich die ISS noch in der schützenden Magnetosphäre der Erde bewegt. Für Raumschiffe indes, die Monate oder sogar Jahre im Weltraum unterwegs sind, gäbe es keinen Schutz - auch keinen künstlichen. Sich gegen die energiereichen Teilchen abzuschirmen sei nur bedingt möglich, sagt Limoli. „Man kann ihnen nicht wirklich entkommen.“

Vorbeugung sei am ehesten auf pharmakologischem Weg möglich. Der Krebsforscher und sein Team suchen nun nach Substanzen, die freie Radikale im Gehirn abfangen und die Neuronen vor Schäden schützen.

Robert Czepel, science.ORF.at

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