„Killerkrater“ füllte sich bald mit Leben

Der Einschlag eines Meteoriten im heutigen Golf von Mexiko vor 66 Mio. Jahren gilt als Hauptursache für das Aussterben der Dinosaurier. Mehr als 830 Meter lange Bohrkerne aus dem Unterwasserkrater zeigen, dass sich dort bald danach wieder Leben regte.

Beim rund 200 Kilometer großen Chicxulub-Krater handelt es sich um den einzig bekannten Impaktkrater, der mit einem Massenaussterben direkt in Verbindung gebracht wird. Der größte Teil der Struktur liegt im Golf von Mexiko, ein kleinerer Teil des Kraterrandes ist am nordwestlichen Ende der mexikanischen Halbinsel Yucatan zu erkennen.

Der kosmische Einschlag hat am Ende der Kreidezeit jene Ereigniskette in Gang gebracht, die dazu führte, dass damals über 70 Prozent aller lebenden Tier- und Pflanzenarten ausgestorben sind. Obwohl sich der Krater unter mehreren hundert Metern Meeresablagerungen befindet, ist er relativ gut erhalten.

Bohren in bisher unerreichte Tiefen

Im April und Mai ging daher ein 31 Wissenschaftler aus zwölf Ländern umfassendes Team daran, Gesteinsproben zu entnehmen. Aus Österreich sind der Impaktforscher Christian Köberl, Generaldirektor des Naturhistorischen Museums (NHM) Wien und Professor an der Uni Wien, sowie Ludovic Ferriere, Meteoritenforscher am NHM, beteiligt. Gebohrt wurde in 17 Meter tiefem Wasser. Um zu den Gesteinen des „Peak Rings“ zu stoßen, mussten zuerst rund 500 Meter Kalkstein durchdrungen werden. Zwischen 506 und 1.335 Metern Tiefe wurden unter dem heutigen Meeresboden Gesteinsproben entnommen, wie es am Dienstag seitens des Zentrums für Marine Umweltwissenschaften (MARUM) der Uni Bremen hieß.

Bohrkern aus dem Golf von Mexiko
AFP PHOTO / RONALDO SCHEMIDT
Bohrkern aus dem Golf von Mexiko

Laut Köberl sind die Bohrungen „ausgesprochen erfolgreich verlaufen. Durch die geschickte Wahl der Bohrlokalität ist es gelungen, Gesteine, die sich normalerweise in fast unerreichbarer Tiefe befinden, zu erreichen. Die Untersuchungen erlauben uns zum ersten Mal Aufschlüsse über die dynamischen Prozesse bei der Entstehung derart großer Einschlagskrater“, erklärt er in einer Aussendung des NHM. Chicxulub ist nämlich der einzige bekannte Krater auf der Erde mit einem intakten „Peak Ring“. Dabei handelt es sich um spezielle Strukturen aus schroffen Bergen im Inneren des Hauptkraterrandes. Bisher ist nicht bekannt, wie genau solche Ringe entstanden sind.

Heißes und salziges Wasser

Außerdem untersuchen die Wissenschaftler im Gestein, ob dort mikrobiologisches Leben existierte und wie lange die Regeneration der Ozeane nach dem Einschlag brauchte. In den Bohrkernen fanden sich unter einer etwa 120 Meter dicken Schicht aus Kalksteinablagerungen, die zwischen 66 Millionen und rund 50 Millionen Jahren entstanden sind, weitere 120 Meter aus zerbrochenen und geschmolzenen Gesteinen, die beim Einschlag entstanden und den „Peak Ring“ bilden.

Es gebe Hinweise, dass in diesem Bereich heißes und salzreiches Wasser durch die neu entstandenen Gesteine zirkulierte. In diesem neuen Umfeld konnte sich trotz vieler Gifte, die sich nach dem Impakt im Krater befanden, auch recht rasch mikrobielles Leben etablieren, hieß es. Die Kleinstlebewesen sind offenbar mit den besonderen Lebensumständen und der porösen Beschaffenheit des zerbrochenen und geschmolzenen Gesteins zurechtgekommen. Das ergaben erste Untersuchungen in Bremen.

Als einziger österreichischer Wissenschaftler war Ferriere an den Analysen am MARUM beteiligt. Basierend auf diesen vorläufigen Untersuchungen hat der aus Frankreich stammende Impaktexperte ungefähr 350 Proben mit nach Wien gebracht, die nun am NHM und der Uni Wien unter die Lupe genommen werden.

Koordiniert wird das knapp 15 Millionen Dollar (13 Mio. Euro) teure, zehn Jahre lang vorbereitete Projekt vom European Consortium for Ocean Research Drilling (ECORD) und dem International Ocean Discovery Program (IODP) in Zusammenarbeit und mit Kofinanzierung des International Continental Scientific Drilling Program (ICDP).

science.ORF.at/APA

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