Klimazonen klettern stetig hinauf

Wo in den Bergen früher das ganze Jahr Schnee lag, ist nun Grasland, und wo Gras war, wächst jetzt oft Wald - die Klimazonen in den Alpen sind seit 1800 nach oben gewandert und werden es weiter tun. Das zeigt ein Blick auf historische Klimadaten.

Der Datensatz HISTALP (Historical Instrumental Climatological Surface Time Series of the Greater Alpine Region) umfasst Temperatur- und Niederschlagsmessungen von mehr als 200 Orten im Alpenraum seit über 200 Jahren. Unter der Leitung von Ingeborg Auer von der Abteilung für Klimaforschung der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) wurden die teilweise schon in der Monarchie systematisch gesammelten und handschriftlich niedergeschriebenen Daten digitalisiert und angepasst, wenn zum Beispiel Instrumentenwechsel oder die Verlegung von Stationen für Unregelmäßigkeiten sorgten.

Blick auf den Wilden Kaiser (Tirol)
APA/GEORG HOCHMUTH

Mit diesen lückenlosen Daten seit 1800, die mit acht Kilometern Auflösung ein sehr enges Netz bilden, hat ein Team um Auer und Franz Rubel nun die Lage der Klimastufen (nach Köppen-Geiger) in den Alpen seit 1800 rekonstruiert und mit Modellen errechnet, wie sie sich bis 2100 verschieben werden.

Schnee- und Waldgrenze verschoben

„Die Alpen sind ein Rückzugsgebiet für das kalte, boreale Klima im warm gemäßigten Klima, das in Europa vorherrscht, doch es wurde über die Jahrzehnte stetig zurückgedrängt“, sagte Rubel von der Veterinärmedizinischen Universität Wien.

Die Waldgrenze war zum Beispiel bis 1900 noch im Alpen-Durchschnitt bei 1.730 Meter Seehöhe, im Jahr 2000 lag sie bei 1.880 Metern und bis 2100 wird sie je nach dem globalen Treibhausgasausstoß auf 2.120 bis 2.820 Meter klettern. „Auch die Schneegrenze wird vom Jahr 1900 bis 2100 um mindestens 450 Meter ansteigen“, erklärte er. Bei einem pessimistischen Klimaszenarium sogar um 1.040 Meter.

Was diese Veränderungen für die Pflanzen- und Tierwelt in den Alpen bedeutet und wie gut oder schlecht sie in Zukunft damit umgehen können, sei unklar. „Mit diesem Klimadatensatz und unseren Modellen haben wir jetzt aber wirklich gute Werkzeuge zur Verfügung, um dies zu untersuchen“, so der Wissenschaftler.

science.ORF.at/APA

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