FHs: Mehr Fächer, weiter praxisnah

Ausbildung für den Beruf - darauf möchten sich die Fachhochschulen (FHs) auch in Zukunft konzentrieren. An den Universitäten sehen sie zahlreiche Fächer und Richtungen, die zu dieser Praxisorientierung und damit zu den FHs passen würden, sagt ihr Präsident Helmut Holzinger.

science.ORF.at: Welche Studienrichtungen, die heute von Universitäten angeboten werden, würden Sie gerne an den FHs sehen bzw. welche Angebote der FHs könnten zu den Universitäten wandern?

Helmut Holzinger: Für uns ist wichtig, dass die Studienfächer, die wir anbieten, zum Profil des FH-Sektors passen. Das heißt, es muss ein starker Berufsfeldbezug gegeben sein.

Helmut Holzinger
APA/Harry Krischanz
Helmut Holzinger ist Präsident der Österreichischen Fachhochschulkonferenz.

Zusätzlich muss angewandte Forschung betrieben werden, und der Bachelorabschluss muss Anschlussmöglichkeiten hin zu Masterstudien bieten. Vorstellbar wären hiermit sämtliche Fächer mit einem Anwendungsbezug, z.B. das weite Feld der juristischen Studien, Kommunikation bis hin zu den Translationswissenschaften, Landwirtschaft, weite Felder der Naturwissenschaften, anwendungsbezogene Bereiche der Chemie und Mathematik etc. Auf der anderen Seite gibt es Berufsfelder, welche bisher auf Sekundarstufe angeboten werden, welche aber aufgrund ihrer Anforderungen und der Komplexität des damit verbundenen Aufgabenspektrums besser in den tertiären Sektor passen. Wir denken hier z.B. an die Elementar- und Sozialpädagogik.

FHs haben den Nimbus, „praxisnah“ zu sein und für die Wirtschaft „passgenaue“ Absolventen und Absolventinnen zu „produzieren“: Bedeutet praxisfern in diesem Sinne automatisch Universität, Praxisnähe Fachhochschule?

Veranstaltung

Der Zukunft der Hochschulen widmet sich die Konferenz „Differenzierung im Hochschulsystem: Notwendigkeiten, Chancen und Risiken“ am 21.10.2016 - weitere Informationen.

Fachhochschulen bieten ein Studium auf Hochschulniveau mit einem definierten Berufsfeldbezug. Daraus leitet sich der Effekt ab, dass die FH-AbsolventInnen „job ready“ sind. Geforscht wird nicht in den Grundlagenwissenschaften, sondern in jenen Bereichen, die direkte Anwendung finden. In diesem Sinne wird an Fachhochschulen gelehrt. Freilich kommen dabei die notwendigen Grundlagen nicht zu kurz, ohne diese wäre ein wissenschaftliches Studium nicht möglich. Dennoch haben wir uns als Sektor in den letzten 20 Jahren sehr erfolgreich den Ruf erarbeitet, praxisnah und damit berufsfeldbezogen auszubilden. Das bedeutet, dass der Fokus verstärkt auf die Bedürfnisse des Arbeitsmarktes mit dessen Herausforderungen und Erfordernissen gerichtet ist.

Was bringt Studierenden eine Studienplatzbewirtschaftung? Steht dahinter nicht eine Ausdehnung der Zugangsbeschränkungen und den damit verbundenen Folgen (sinkende Akademikerquote, stärkere soziale Selektion …)?

Zukunft der Hochschulen

Anfang 2016 hat das Wissenschaftsministerium einen Strategieprozess rund um die Frage gestartet, wie der Hochschulsektor in Österreich zukünftig organisiert und finanziert sein soll. Welche inhaltlichen Vorstellungen gibt es dazu? Welche Ziele verfolgen die Hauptakteure in diesem Prozess, der bis Ende 2017 abgeschlossen sein soll? science.ORF.at geht diesen Fragen in einer Serie nach.

Bisher erschienen:

Studienplatzbewirtschaftung im Fachhochschulsektor bedeutet natürlich begrenzte Studienplatzzahlen und Aufnahmeverfahren. Damit verbunden sind kleine Gruppengrößen, hervorragende Betreuungsverhältnisse, das Fehlen unnötiger Warte- oder Stehzeiten. Für die Studierenden bedeutet das einerseits die Sicherheit eines planbaren, in der vorgesehenen Zeit abschließbaren Studiums.

Zum anderen heißt es, dass sich die Studierenden im Vorfeld sehr genau mit den Curricula und den damit verbundenen Berufsfeldern auseinandersetzen. Sie müssen sich ganz bewusst für ein Studium mit einem konkreten Berufsfeld entscheiden. Das führt in letzter Konsequenz zu höheren Erfolgs- und Abschlussquoten – und nicht zu einem Sinken der Akademikerquote.

Um die Akademikerquote in Österreich zu steigern, empfehlen wir die Anzahl der Studienplätze im FH-Sektor zu erhöhen. Aus der aktuellen Studierendensozialerhebung ist zudem ersichtlich, dass im FH-Sektor keine stärkere soziale Selektion herrscht. Im Gegenteil, die soziale Durchmischung ist in keinem Hochschulsektor besser.

Wie sieht das Gesamtbudget der FHs bzw. Universitäten in Österreich aus? Wie viel kostet ein Studierender pro Studienplatz an FH bzw. Universitäten? Und wie viel kosten sie im Schnitt dem Steuerzahler?

Der Bund wendet 2016 (Bundesfinanzgesetz 2016) 281,6 Millionen Euro für Fachhochschulen auf. Für Universitäten sind 3,2 Milliarden Euro vorgesehen. Somit entfallen 8 Prozent des Hochschulbudgets des Bundes auf Fachhochschulen und 92 Prozent auf Universitäten. Im Wintersemester 2015 gab es rund 42.700 bundesfinanzierte FH-Studienplätze (5.300 Studienplätze in den gesundheitswissenschaftlichen Studiengängen sind länderfinanziert und somit nicht berücksichtigt) und rund 280.400 ordentliche Studierende an Universitäten.

Während an den FH alle Studierenden – systembedingt – prüfungsaktiv sind, gibt es an den Unis rund 102.000 Studierende, die keine Prüfungen ablegen, also nur inskribiert sind ohne aktiv zu studieren. Daher müssen die Kosten des Bundes pro Absolvent verglichen werden. Diese betragen 2014 für die FH: € 26.040 im wirtschaftswissenschaftlichen Bereich und € 31.760 für einen Graduierten in der Technik. Bei den Unis gibt es eine Bandbreite von € 43.598 an der WU Wien bis € 97.363 an der TU-Wien.

Sie haben jetzt nur von Bundesmitteln gesprochen: Welche zusätzlichen Mittel kommen an den FHs von Gemeinden und Ländern?

Über die Finanzmittel der Länder und Gemeinden haben wir keine Daten. Das gilt für die Unis und die FHs. Ich kann aber beispielsweise für die FH des BFI Wien sagen, dass es keine Mittel der Stadt Wien gibt, außer die Wiener FH-Förderung. Diese ist für einen Zeitraum von fünf Jahren mit insgesamt € 18 Mio dotiert. Dieser Gesamtbetrag gilt für alle fünf FHs in Wien und er wird in Form von Calls zu bestimmten Themen vergeben. Zu den eingereichten Projekten erfolgt eine Entscheidung im Wettbewerbsverfahren und es werden maximal 70 Prozent gefördert. (Anm. d. Red.: Beispiele für Förderungen in anderen Bundesländern konnte Helmut Holzinger keine nennen.)

Stellen Sie sich vor, Sie müssen in 20 Jahren eine Werbeannonce für die Fachhochschulen schalten. Was würden Sie hineinschreiben, um Studierende anzuziehen?

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