Forscher weisen „Higgs-Bisons“ nach

Man hielt es bisher für eine Erfindung steinzeitlicher Höhlenmaler. Nun zeigt aber eine Erbgutanalyse, dass der „Higgs-Bison“ doch existiert hat. Und nicht nur das: Er war wohl der Vorfahre des Wisents, des europäischen Bisons, der heute noch in Osteuropa anzutreffen ist.

Der Name „Higgs-Bison“ wurde von der Wissenschaft nicht zufällig zur Beschreibung jenes Tiers gewählt, das auf den Wänden der Höhle von Marsoulas in den französischen Pyrenäen abgebildet ist (siehe Bild unten). Damit sollte ausgedrückt werden, dass ähnlich wie beim „Higgs-Boson“ - einem Elementarteilchen, dessen experimentelle Bestätigung erst 2012 gelang - auch das „Higgs-Bison“ mehr mystisch als real schien.

Die steinzeitliche Malerei aus den Höhlen von Marsoulas, die einen "Higgs-Bison" zeigen.
Carole Fritz
Die Reproduktion einer Malerei in der Höhle von Marsoulas

Auerochse und Steppenbison

Entmystifiziert wurde der „Higgs-Bison“ nun von einem Team rund um den Molekularbiologen Alan Cooper von der Universität Adelaide in Australien. Sie haben Erbgut aus Knochen und Zähnen analysiert, die in Europa, im Ural und im Kaukasus gefunden wurden. Damit sollte ein Stammbaum der Bisons erstellt werden. Allerdings hatten die Forscherinnen und Forscher Probleme mit einem Ergebnis, das nicht so recht in die bisherigen Analysen passte.

Die Studie

Early cave art and ancient DNA record the origin of European bison“, „Nature Communications“, 18.10.2016

Es stellte sich heraus: Eine bisher unbekannte Art lebt im steinzeitlichen Europa. Entstanden ist sie vor 120.000 Jahren durch die Vermischung von Auerochsen und Steppenbison. „Französische Forscher haben uns gesagt, dass in Höhlenmalereien tatsächlich zwei verschiedene Bisonformen dargestellt werden“, sagt Julien Soubrier, Co-Autor der nun publizierten Studie, in einer Aussendung. Der Vergleich von Erbgutanalysen und Gemälden brachte die Bestätigung: Der „Higgs-Bison“ existierte tatsächlich.

Die heute noch vor allem in Polen und Weißrussland lebenden europäischen Bisons haben mit diesem Vorfahren - rein genetisch - aber wenig zu tun. In den 1920 war der Wisent akut vom Aussterben bedroht, alle heute lebenden Tiere stammen von nur zwölf Exemplaren ab, die in Zoos überlebt haben.

science.ORF.at

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