Der Nutzen von Klimaschäden

Waldbrände und Sturmschäden werden durch den Klimawandel häufiger. Das kann den Wäldern aber auch nutzen, wie zwei Studien zeigen. Denn Störungen helfen bei der Anpassung, und für manche Schädlinge werden die Bäume weniger attraktiv.

„In unseren Breiten sehen wir einen überdurchschnittlich starken Klimawandeleffekt. Der Alpenraum erwärmt sich ungefähr doppelt so stark, wie das im globalen Mittel der Fall ist. Da stellt sich dann die Frage, was das für den Wald bedeutet“, wie Rupert Seidl vom Institut für Waldbau der Universität für Bodenkultur erklärt. Neben raschen Klimaveränderungen waren gerade die nördlichen Kalkalpen in den vergangenen Jahren zudem stark von Windwurf und Käferbefall betroffen.

Da der Wald insgesamt ein System ist, das sich nur relativ langsam wandelt, die Klimaveränderung aber jetzt so schnell passiert, kommt es zu einem Ungleichgewicht zwischen dem Klima und der Zusammensetzung des Waldes. Wie die Analysen der Forscher zeigen, werden durch Störungsereignisse allerdings Nischen frei, die relativ rasch von besser an die neuen, wärmeren Bedingungen angepassten Arten aufgefüllt werden, was alles in allem den Zustand des Waldes verbessert und die notwendige Erneuerung beschleunigt.

Auf der Suche nach Platz

Simulationen zufolge, in denen die Forscher eine Erwärmung von etwas über drei Grad Celsius annahmen, wird es vor allem für Baumarten, die eher an höhere Lagen und kühlere Temperaturen angepasst sind, eng; z.B. für die Fichte.

Drehkiefer
Monica Turner
Drehkiefern

Seidl: „Die versucht zwar noch nach oben zu wandern, aber da geht ihr dann allerdings irgendwann die Fläche aus. In den mittleren Lagen wird sie stark von der Buche verdrängt. In den Tallagen und im Alpenvorland ist die Eiche die Gewinnerin. Es kommt also wirklich zu einer Reorganisation der Landschaft.“ Bis sich dieser Wandel aber komplett vollzogen hat und „jede Baumart sozusagen wieder ihren Platz gefunden hat“, werde es noch mehrere Jahrhunderte dauern.

Brände verändern Struktur

In einem besonderen „Freiluftlabor“ hat sich Seidl zudem gemeinsam mit US-Kollegen angesehen, wie sich Störungen in einem Wald auswirken, in dem fast nur Bäume einer einzigen Spezies stehen. Das ist im Yellowstone Nationalpark in den USA der Fall, wo die Drehkiefer dominiert. Hier konnten sich die Forscher etwa den Einfluss von Strukturunterschieden, wie dem Alter oder der Höhe der Bäume, ansehen.

Im Yellowstone brannten 1988 große Flächen ab. Man nahm an, dass wenn der Wald nach dem Feuer sehr homogen aufwächst, er in Zukunft ein gefundenes Fressen für eine aggressive Borkenkäfer-Art ist. Diese befällt nämlich vor allem Wälder großflächig, wenn sie gleichförmig aufgebaut sind und genügend ältere Bäume beinhalten. Es zeigte sich jedoch, dass das Feuer nicht überall gleich wirkte und der Wald unterschiedlich schnell zurückkehrt.

Chance für Anpassung

Es stehen dort nun also verschieden alte und große Bäume gleicher Sorte. Diese auf das Feuer zurückzuführende Heterogenität dämpft offenbar das zukünftige Risiko auf großflächigen Käferbefall, wie weitere Computersimulationen ergaben.

Beide Studien würden verdeutlichen, dass die Variation, die Störungen mit sich bringt, auch positive Langzeiteffekte hat, so Seidl. In der Waldbewirtschaftung werde allerdings noch zu oft versucht, nach Störungen schnell wieder homogene Bedingungen herzustellen. „Natürlich ist es nicht erfreulich für die Waldbewirtschafter, wenn Teile des Waldes von Borkenkäfer, Wind oder Feuer geschädigt werden. Die dadurch entstehende Variabilität ist aber gleichzeitig auch eine Chance für die Anpassung des Waldes an die Anforderungen der Zukunft“, sagt der Forscher.

science.ORF.at/APA

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