Neues Elfenbein getarnt als altes

Trotz des Verbots boomt der illegale Handel mit Elfenbein. 100 Elefanten sollen ihm täglich zum Opfer fallen. Eine Studie zeigt: Die meisten gehandelten Stoßzähne stammen von Tieren, die erst kürzlich starben, und nicht - wie oft behauptet - aus Lagerbeständen.

Der internationale Handel mit Elfenbein bleibt weiterhin verboten - das haben die 183 Länder bei der kürzlich zu Ende gegangenen 17. Welt-Artenschutzkonferenz (Cites) beschlossen. Das Verbot gilt bereits mehr als ein Vierteljahrhundert, seit 1989. Dennoch: Jährlich fallen tausende afrikanische Elefanten der Jagd nach dem weißen Gold zum Opfer. Vor allem in China ist Elfenbein nach wie vor beliebt. Heute leben nur noch rund 352.000 Elefanten in 18 afrikanischen Staaten.

Glaubt man Naturschützern, sind Ausnahmeregelungen und Schlupflöcher in den bestehenden Abkommen ein Grund für den blühenden Handel. Legal ist der Handel mit Elfenbein z.B. dann, wenn es vor 1989 erworben wurde oder von natürlich verstorbenen Elefanten stammt. Regeln wie diese hätten dem illegalen Verkauf Tür und Tor geöffnet, so die Kritiker. Denn einem Stück Elfenbein sei weder sein Alter noch seine Herkunft anzusehen. Für die entsprechende Dokumentation sind die Händler zuständig. Dabei zu betrügen, zahlt sich angesichts von geschätzten Schwarzmarktpreisen von 1.000 bis 2.000 Euro jedenfalls aus.

Frische Ware

Jährlich werden Tonnen von illegal gehandeltem Elfenbein beschlagnahmt. Bis jetzt dachte man, dass große Teile aus Lagerbeständen stammen. Dass dem nicht so ist, zeigt die aktuelle Studie der Forscher um Thure E. Cerling von der University of Utah. Sie haben 231 Stoßzähne untersucht. Diese fanden sich in Handelsgut, das zwischen 2002 und 2014 in elf Nationen beschlagnahmt worden war, unter anderem in Kenia, Hongkong, Thailand, Singapur und den Philippinen.

Beschlagnahmtes Elfenbein in Malaysia
Syarifah Khadiejah Syed Mohd Kamil, Malaysia Department of Wildlife and National Parks.
Beschlagnahmtes Elfenbein in Malaysia

Eine Analyse der radioaktiven Isotopen ergab: 90 Prozent der untersuchten Stücke stammen von Elefanten, die in den letzten drei Jahren vor der Beschlagnahmung getötet worden waren. Viele Stoßzähne waren noch viel jünger. Dies mache deutlich, dass ein Großteil der gehandelten Ware weder aus Lagerbeständen noch aus antiken Quellen stammt, so die Forscher. Vielmehr seien die Zähne von frisch gewilderten Tieren relativ schnell am Markt gelandet. Neues Elfenbein werde nur als altes getarnt.

Strengere Regeln

Die Forscher konnten zudem nachweisen, von wo die beschlagnahmten Stoßzähne stammten. Offenbar gebe es in manchen Regionen besonders effiziente Methoden, das gewilderte Elfenbein rasch in den Handel zu bringen. Das gelte z.B. für manche Gebiete in Ostafrika. Dort leben die Tiere in der Savanne, sie sind also leichter zu jagen als Waldelefanten, und die Stoßzähne können in großer Stückzahl verschifft werden.

Die Ergebnisse geben jedenfalls jenen Naturschützern Recht, die das Ende von Ausnahmeregelungen fordern. Schon jetzt setzen manche Länder auf die Verbrennung von beschlagnahmtem Elfenbein, um den illegalen Handel nicht weiter zu befeuern. Zumindest können die Altbestände dann nicht mehr als Deckmantel für frisches Elfenbein missbraucht werden.

Eva Obermüller, science.ORF.at

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