Parteien ohne Vision

Welche Visionen hat die Politik von der Zukunft der Hochschulen? Darüber haben Montagabend an der TU Wien die Wissenschaftssprecher der Parlamentsparteien diskutiert. Fazit: Die Visionen sind eher visionslos.

Was die Wissenschaftssprecher bzw. ihre Vertreter gesagt haben – es waren alle da, mit Ausnahme des Teams Stronach - stammte in erster Linie aus der Pragmatik der Tagespolitik. Da gibt es die bekannten ideologischen Gräben, aber auch manche Gemeinsamkeit.

Nicht einig war man sich etwa bei der Studienplatzbewirtschaftung, also einer Finanzierung pro Studienplatz. Dahinter verstecken sich generelle Zugangsbegrenzungen, die Grüne Wissenschaftssprecherin Sigrid Maurer ist daher strikt dagegen. SPÖ-Vertreter August Reschreiter will „keine Talente verlieren“ und ist deshalb auch dagegen, sieht die Beschränkungen, wie sie zurzeit etwa in der Informatik gelten, aber als Pilotversuche, die man evaluieren müsse.

Auf der anderen Seite stehen ÖVP, FPÖ und NEOS, die alle für eine definierte Anzahl von Studienplätzen argumentieren – weil nur so eine sinnvolle Planbarkeit von Mitteln möglich sei. Die Konzepte dafür wären längst bereit, sagte etwa der ÖVP-Wissenschaftssprecher Karlheinz Töchterle, solange es aber die ideologischen Gegensätze gebe, würden sich Rot und Schwarz nicht einigen.

Die Teilnehmer der Podiumsdiskussion
Lukas Wieselberg, science.ORF.at
Die Teilnehmer der Podiumsdiskussion

Was ist Exzellenz?

Etwas näher liegen die Argumente bei der Frage nach dem Spannungsfeld zwischen einer möglichst breiten Ausbildung und der angestrebten wissenschaftlichen Exzellenz. Zur Exzellenz bekennen sich alle, auch wenn es die Grüne Sigrid Maurer für diskussionswürdig hält, was „Exzellenz“ genau heißt.

NEOS-Wissenschaftssprecherin Claudia Gamon meinte, dass „es nichts Schlimmeres gebe als mittelmäßige Forschung“, man hervorragende Forschung aber nur fördern könne, wenn zuvor auch die breite Ausbildung ausreichend finanziert sei. FPÖ-Vertreter Axel Kassegger sieht Exzellenzförderung darin, vorhandene Stärken zu erkennen und Rahmenbedingungen zu schaffen, um diese bestmöglich zu entwickeln.

Ö1 Sendungshinweis

Dem Thema widmet sich auch ein Beitrag in Wissen aktuell: 8.11., 13:55 Uhr.

Die Exzellenz-Initiative Deutschlands sei kein Vorbild, meinte Karlheinz Töchterle, es gebe aber Ideen in der Schublade zu Exzellenz-Clustern für ganz Österreich. SPÖ-Vertreter August Reschreiter fiel dazu das vor Kurzem vorgestellte Projekt „Silicon Austria“ ein, durch das ein Exzellenz-Cluster im Bereich Mikroelektronik entstehen soll.

Was in zehn Jahren ein Erfolg wäre

Eingeladen wurden die Vertreter der Politik von der TU Wien. Im Rahmen des Strategieprojekts „TU Vision 2025+“ diskutierten sie im Festsaal zur Zukunft der Universitäten. Die Antworten auf die Frage, was in zehn Jahren erreicht sein müsste, damit sie ihre Arbeit als Wissenschaftspolitiker selbst als erfolgreich einschätzen würden, fielen so aus:

Claudia Gamon von den NEOS: „kapazitätsorientiere Studienplatzfinanzierung mit sinnvollen Zugangsbeschränkungen“; Axel Kassegger von der FPÖ: „strategischer Entwicklungsplan für den tertiären Bereich“; August Reschreiter von der SPÖ: „Erhöhung der Anzahl der Absolventen und Verbesserung der Betreuungsverhältnisse“; Karlheinz Töchterle von der ÖVP: „Studienplatzfinanzierung und Höherschätzung anderer Bildungswege - damit nehmen wir Unis den Druck“; Sigrid Maurer von den Grünen: „Verdreifachung der Mittel des FWF und die Beendigung des universitären Prekariats“.

Gemeinsamkeiten quer durch die Parteien gibt es am ehesten bei der Frage nach dem Stellenwert von Wissenschaft schlechthin. Die anwesenden Politiker sehen sich als Anwälte der Wissenschaft, ihren Erfolg in der Politik aber als überschaubar. Und das liege nicht zuletzt an den Wissenschaftlern und Wissenschaftlerinnen selbst, die sich in der Öffentlichkeit zu selten und zu leise zu Wort melden würden.

Lukas Wieselberg, science.ORF.at

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