Warum Seevögeln Plastik schmeckt

Rund acht Millionen Tonnen Plastik gelangen pro Jahr in die Weltmeere. Darunter leiden nicht zuletzt Seevögel, die das Plastik fressen. US-Forscher haben nun herausgefunden, warum sie das tun.

Plastik im Meer riecht ähnlich wie einige pflanzliche Planktonarten - also winzige kleine Algen; sie verströmen den Geruch von Dimethylsulfid (DMS) - das kann man sich vorstellen wie gekochtes Gemüse oder gegarte Meeresfrüchte.

Studie

”Marine plastic debris emits a keystone infochemical for olfactory foraging seabirds“, Science Advances, 9.11.16

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Über die Studie berichten auch die Ö3-Nachrichten.

Für Seevögel wie Albatrosse, Röhrennasen oder Sturmtaucher bedeutet DMS: Futterduft! Denn ihr Futter sind Krebstiere und kleine Fische: Diese fressen Plankton und leben also genau dort, wo viel Plankton gedeiht. Schwimmt Plastik lange im Salzwasser, bilden sich dieselben Algen - samt Geruch, das zeigt nun die Studie eines Teams um die Biologin Gabrielle Nevitte von der University of California, Davis. Das ist verheerend, denn Vögel können Kunststoff schwer oder gar nicht verdauen, schlimmstenfalls verenden sie.

Ein Blausturmvogel fliegt im Wind über der Meeresgischt
J.J. Harrison
Blausturmvogel über dem Meer

Hoffnung: Anderes Plastik verwenden

Für den Nachweis, dass Plastik eine Geruchsfalle für Vögel sein kann, hat die US-Studie unter anderem die Daten zum Mageninhalt von 13.500 Seevögeln ausgewertet. Jene Vögel, die sich bei ihrer Futtersuche vom DMS-Geruch leiten lassen, fressen demzufolge sechs Mal eher Plastik als andere Tiere.

Chemische Analysen zeigten, dass es bei manchen Plastikarten weniger als einen Monat dauert, bis sie den für Seevögel anziehenden Geruch entwickeln. Die Hoffnung der Forscher: Wenn es schon nicht gelingt, weniger Plastik in die Meere zu leiten, dann könnte die Industrie wenigstens solche Kunststoffe verwenden, die nicht so leicht von Algen bewachsen werden.

science.ORF.at/Ö1 Wissenschaft

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