„Geht auch ohne die USA“

Trotz Donald Trump, der die Klimaerwärmung bezweifelt, kann die weltweite Klimapolitik voranschreiten: Und zwar dann, wenn die EU und China an einem Strang ziehen. Das meint Steven Chu, ehemaliger US-Energieminister und Physik-Nobelpreisträger.

Der beste Weg für die USA wäre laut Chu zusammen mit der EU und China einen sinnvollen Preis für die Kohlendioxid-Emissionen festzulegen. Macht die Trump-Administration da nicht mit, ginge es laut dem Wissenschaftler, der gerade zu Gast in Wien ist, auch ohne die USA.

Porträtfoto von Steven Chu
APA - Roland Schlager

Steven Chu hat 1997 den Physiknobelpreis für das Kühlen und Einfangen von Atomen mit Laserlicht bekommen und war unter Barack Obama von 2009 bis 2013 Energieminister der USA.

Würden wichtige Wirtschaftsmächte einen solchen - nicht zu niedrigen - Preis einführen und etwa Importzölle oder Steuern auf Waren aus den USA in ungefähr gleichem Ausmaß erhöhen oder neu einführen, würde das die US-Wirtschaft und Trump zum Handeln zwingen - auch wenn er nicht an den Klimawandel glaubt. Und es sehe tatsächlich so aus, als wäre Trump und sein Umfeld der Meinung, „dass der Klimawandel nicht real ist“, so Chu.

“Nicht vier Jahre warten“

Er glaube aber, dass innerhalb der EU eine Einigung möglich ist und „zumindest die chinesische Zentralregierung nach Lösungen für das Energiesystem der Zukunft sucht“, so der Wissenschaftler. Gleichzeitig betonte er, dass die Welthandelsorganisation (WTO) hier mit an Bord sein sollte, es im Sinne eines fairen Wettbewerbs für die WTO dann auch kaum Grund zum Einspruch gebe.

Sicher sei: „Wir müssen mit solchen Dingen jetzt beginnen. Wir können nicht vier Jahre auf eine Wahl warten, die möglicherweise etwas ändert.“ Man sehe nämlich bereits, dass sich die Wettermuster veränderten. Neue Klima- und Satellitendaten zeigen zudem, dass die Auswirkungen der bisherigen Veränderungen vermutlich schon massiver sind als Klimamodelle in der Vergangenheit prognostiziert hatten. Ging man vor zehn Jahren etwa noch davon aus, dass zumindest die Eismasse in der Antarktis anwachsen würde, sei nun klar, dass dem eher nicht so sein wird.

Pariser Klimaziel kaum zu erreichen

Dass sich die Klimaerwärmung, wie im Abkommen von Paris vorgesehen, wirklich auf weniger als zwei Grad Celsius über der weltweiten Durchschnittstemperatur des vorindustriellen Zeitalters limitieren lässt, sei fraglich.

Vortrag

Am Mittwochabend hält Chu einen Vortrag zum Thema Klimawandel am Institute of Science and Technology (IST) Austria in Klosterneuburg (NÖ).

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„Wir werden eher in Richtung drei Grad plus oder mehr gehen“, sagte Chu. Diese Entwicklung sei jetzt schon sehr problematisch. „Für Menschen in 100 oder 150 Jahren wird das umso beunruhigender“, so der Forscher. Er bereue nicht, den Schritt von der Wissenschaft in Richtung Politik und wieder zurückgegangen zu sein. Chu, der an der Universität Stanford arbeitet, zeigte sich davon überzeugt, dass mehr Forscher diesen Weg einschlagen sollten. Wenn der Leiter einer Behörde ein „wissbegieriger Wissenschaftler ist, der die Details erfahren möchte“, dann könnten sie vermutlich bessere Entscheidungen treffen „oder zumindest die richtigen Fragen stellen“.

science.ORF.at/APA

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