Ausgezeichnet: Musikuni für alle

Musikband, Lehrveranstaltung und Wissenschaftsprojekt: Die Band All Star Inclusive ist für alle offen - ungeachtet des Alters, musikalischer und körperlicher Voraussetzungen. Das Vorzeigeprojekt der Musikuni Wien wurde nun mit dem Diversitas-Staatspreis ausgezeichnet.

Jeden Montagabend um Viertel vor sieben treffen sich etwa 15 Musikerinnen und Musiker zur Probe an der Musikuniversität Wien. Soweit ist das nicht ungewöhnlich. Die Band setzt sich allerdings nicht nur aus Musikstudenten zusammen - jeder kann mitmachen, so lautet die einzige (Nicht-)Bedingung der Gruppe All Star Inclusive, die 2010 gegründet wurde.

die All-Inclusive-Band
ORF/Ruth Hutsteiner
Die „All Star Inclusive“-Band beim Proben

„Wir wollten eine Band, wo Studierende, Professoren, Menschen mit und ohne Behinderung, teilweise auch mit den Betreuenden oder Familienangehörigen herkommen und gemeinsam musizieren“, erklärt Beate Hennenberg von der Musikuni Wien, die das Projekt wissenschaftlich leitet und erforscht.

Die Jury

Surur Abdul-Hussain (ÖVS); Martin Bernhofer, Ö1 Wissenschaft; Andrea Bührmann, Institut für Diversitätsforschung; Roland Engel, Austrian Society for Diversity; Bettina Schmidt, International Society for Diversity Management, Deutschland; Roberta Schaller-Steidl, BMWFW, Stabsstelle Gender- und Diversitätsmanagement

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So befragt die Musikpädagogin beispielsweise die Teilnehmenden, warum sie mitmachen und was sich für sie durch das gemeinsame Musizieren verändert. Unterstützt wird sie dabei von drei geistig oder körperlich beeinträchtigten Band-Mitgliedern, die sowohl den Fragebogen mitentwickelt haben als auch teilweise die Daten sammeln.

„Es gelingt, dass die Musiker und Musikerinnen mit Lernschwierigkeiten im Laufe mehr Eigenverantwortung übernehmen und ein positives Selbstwertgefühl aufbauen.“ Auch die schriftlichen Reflexionen der Studierenden zeigen, so Hennenberg, dass sie anfängliche Unsicherheiten schnell ablegen und sich danach stärker im Unterrichten fühlen.

Schließlich ist das auch das Ziel: Die Studierenden darauf vorzubereiten, später Musikklassen mit unterschiedlichen Schülern zu unterrichten und jeden einzelnen musikalisch voranzubringen. „Die Studierenden lernen von außen hineinzuwachsen. Zunächst schauen sie zu und sollen dann versuchen, sich einzubringen, wo Hilfe notwendig ist.“ Schließlich bringen sie ihre eigenen Instrumente mit und bieten sie in Kleingruppen anderen an. Später gestalten sie einen Teil der 90-minutigen Bandprobe selbstständig.

Studierende: Ein Semester Teil der Band

Zumeist sind die Studierenden nur ein Semester dabei, wodurch sich die Band immer wieder verändert. Eine Herausforderung für alle Beteiligten. Dennoch werden nicht nur Songs nachgesungen und in Mundart übersetzt. Auch eigene Kompositionen schaffen es in das Repertoire, erklärt der Wiener AHS Lehrer Bernhard Lengauer, der die Band derzeit musikalisch leitet. „Wenn jemand beispielsweise einen Text mitbringt, dann überlegen wir uns eine Melodie dazu." So entstand beispielsweise das Lied „Morgens um halbsieben“ - ursprünglich ein Gedicht von Betty, einer jungen Frau, die mit Trisomie21 lebt.

Video: All Star Inclusive Band beim Musizieren

Aufgeführt werden die erarbeiteten Lieder einmal pro Semester. Dann wächst die Band meistens doch auf 30 Musiker an, die sonst immer mal wieder keine Zeit haben, meint die Musikpädagogin Hennenberg.

25.000 Euro Preis

Nicht zuletzt ob dieser Vielfältigkeit überzeugte die All Star Inclusive Band die sechsköpfige Experten-Jury des Diversitas Staatspreises, die das Projekt mit einer Spezialauszeichnung ehrte.

Ö1 Sendungshinweis

Diesem Thema widmet sich auch ein Beitrag in der Sendung „Wissen aktuell“ am 7.12. um 13:55.

„Es ist ein Vorzeigeprojekt, an dem am besten offensichtlich wird, worum es bei Diversität geht“, erläutert die Sektionschefin im Wissenschaftsministerium Iris Rauskala die Jury-Entscheidung. Es seien hier viele Komponenten vereint: „Es ist eine tatsächliche Band, eine Lehrveranstaltung und die Erfahrungswerte werden wissenschaftlich verarbeitet“, ergänzt Rauskala.

Insgesamt wurden am Dienstagabend in Wien fünf Gleichberechtigungsmaßnahmen an Universitäten, Fachhochschulen und Forschungseinrichtungen in Höhe von € 25.000,– ausgezeichnet – darunter die Universität Graz als „AntiBias-Universität“ und die FH Technikum Wien, die Maßnahmen zum „Gender Mainstreaming & Managing Diversity“ entwickelt hat. Drei Projekte, die noch eher am Anfang stehen, prämierte die Jury mit einer Beratung in Höhe von € 8.333 Euro.

Ruth Hutsteiner, science.ORF.at

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