Umweltschonender als Rind und Co.

Die Weltbevölkerung wächst, deshalb braucht es mehr Nahrungsquellen - auch für Proteine. Shrimps und Lachs aus Aquakulturen haben einen schlechten Ruf - ihre Ökobilanz ist aber deutlich besser als die von Rind und Schwein, berichten deutsche Forscher.

Der schlechte Ruf von Aquakulturen kommt nicht von ungefähr - so werden etwa für die Shrimpszucht mitunter Mangrovenwälder abgeholzt und die sensiblen Tiere mit reichlich Antibiotika versorgt, erklärt Holger Kühnhold, vom Leibniz Zentrum für Marine Tropenökologie in Bremen. Vergleiche man aber intensive Shrimps- und Lachsaquakulturen mit der Zucht von Rind oder Schwein, sieht die Ökobilanz der Fische besser aus, rechnet der Tropenökologe vor.

Um etwa eine Tonne Rindfleisch zu produzieren, werden laut Kühnhold rund 25 Tonnen CO2 ausgestoßen. Das ist fünfmal mehr als bei der Lachszucht. Das Verhältnis Schwein zu Lachs liegt bei 2:1. Shrimps und Garnelen wiederum verursachen im Laufe ihrer Zucht bis zum Verzehr zwar mehr CO2 als Lachs - doch auch sie schneiden in diesem Vergleich besser ab als Rind oder Schwein, so Kühnhold gegenüber science.ORF.at. „Somit liegen die beiden intensivsten Aquakulturproduktionen weit unter dem CO2-Ausstoß der typischen Viehzucht."

Offenes Netzgehege einer Aquakultur in den Philippinen
Hans-Peter Grossart, ZMT
Offenes Netzgehege einer Aquakultur in den Philippinen

Auch die dabei genutzte Landfläche sowie der Nährstoffeintrag in umliegende Ökosysteme - durch Düngung etwa - sind bei Rind und Co. höher. „Das heißt nicht, dass die Aquakultur ein Allheilmittel ist. Es ist aber eine Möglichkeit für eine Proteinproduktion, die wir bei Weitem noch nicht ausgeschöpft haben“, sagt Kühnhold.

Wie sehr sich die Fleisch- und Fischproduktion jeweils auf die Artenvielfalt auswirkt - mitunter ein entscheidender Umweltfaktor -, ist bei den Berechnungen noch nicht berücksichtigt worden, so Kühnhold. Hier würden laut seinen Einschätzungen vor allem Shrimpsplantagen schlecht abschneiden, da durch die Abholzung von Mangrovenwäldern einige Tierarten ihren Lebensraum verlieren bzw. Fischarten und Schalentiere ihren Fortpflanzungsraum.

Trend zu mehr Nachhaltigkeit

Allerdings arbeiten manche Fischzuchtfarmen bereits daran, Lachs, Shrimps sowie Muscheln nachhaltiger zu produzieren und die umweltschädlichen Auswirkungen zu reduzieren. Beispielsweise verzichten manche auf Antibiotika und impfen die Meerestiere stattdessen. Außerdem arbeitet man mancherorts mit integrierten Aquakulturen, wodurch die Nahrungsreste und Ausscheidungen der Fische recycelt werden.

Schema einer integrierten Aquakultur
S. Knotz/IBIS-infobild
Schema einer integrierten Aquakultur

„Das kann so aussehen, dass mehrere Organismen an einem Ort gezüchtet werden und Überdüngungsstoffe oder Ammonium durch Algen rausgefiltert und Fressensreste durch Muscheln beispielsweise aufgenommen werden.“ Auf diese Weise werde die Belastung auf umliegende Ökosysteme verringert.

Auch bei der Fütterung werden manche Betriebe nachhaltiger und ersetzen Fischmehl durch pflanzliche Nährstoffe wie Soja- oder Lupineneiweiß. Laut Greenpeace benötigt man für ein Kilogramm Shrimps z. B. rund vier Kilo Fischmehl. „Zurzeit sind die dadurch eingebrachten Nährstoffe eines der größten Probleme.“ Die Nahrungsreste, die sich in flachen Zuchtgewässern leicht auf dem Boden ansammeln, führen nämlich zu einer Überdüngung und somit zu Algenüberschuss. Das wiederum verursacht einen Sauerstoffmangel im System, erläutert der Tropenökologe.

Fütterung in einer Shrimps-Aquakulturanlage in Goa, Indien
Tim Jennerjahn, Leibniz-Zentrum für Marine Tropenökologie
Fütterung in einer Shrimpsaquakulturanlage in Goa, Indien

Bio- und ASC-Zertifikat

Wie viele nachhaltige Fischzuchtbetriebe es derzeit gibt, ist laut Kühnhold unklar, noch seien sie die Ausnahme. „Wichtig ist jedoch, dass es einen klaren Trend in Richtung Nachhaltigkeit gibt. Es wird viel in diesem Bereich geforscht.“

Umweltgerechte Aquakulturen werden übrigens mit dem ASC-Zertifikat ausgezeichnet - des Aquaculture Stewardship Council. Darüber hinaus empfiehlt der Forscher auf Biosiegel bei Shrimps und Lachs zu achten.

Wie viele Aquakulturen das Meer vertragen könnte, weiß der Tropenökologe nicht, sieht darin aber auch kein Problem - „vor allem, wenn man die integrierte Aquakultur weiter ausbaut und darauf achtet, dass die Ökosysteme nicht beeinflusst werden“, so Kühnhold.

Ruth Hutsteiner, science.ORF.at

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