BirdLife Österreich ruft zu Vogelzählaktion auf

Mehr als 8.000 Freiwillige waren im Vorjahr bei Österreichs größter Vogelzählung dabei. Am Wochenende ist es wieder soweit: Die Vogelschutzorganisation BirdLife ruft zur „Stunde der Wintervögel“ auf.

Alle Vogelinteressierten sind dazu eingeladen, von 6. bis 8. Jänner eine Stunde lang Vögel in ihrer unmittelbaren Umgebung, etwa am Futterhäuschen im Garten oder im nächsten Park zu zählen. Die Uhrzeit bleibt den Beobachtenden selbst überlassen.

Auch besondere Qualifikationen sind für die Teilnahme an der Aktion nicht vonnöten. „Bei der ‚Stunde der Wintervögel‘ kann jeder mitmachen. Es sind keine besonderen Utensilien oder große Vorkenntnisse notwendig“, sagt Norbert Teufelbauer, Ökologe von BirdLife Österreich.

Einflug nordischer Arten

Ziel der Vogelzählung ist es, Erkenntnisse über die häufigsten Wintervogelarten in Österreich zu gewinnen und darauf aufbauend zu ihrem Schutz beizutragen. „Je genauer wir Bescheid wissen und Rückschlüsse aus dem Verhalten der Vögel ableiten, desto besser können wir uns für den Schutz der heimischen Vögel einsetzen“, so Gerald Pfiffinger, Geschäftsführer von BirdLife Österreich.

Rekord im Vorjahr

Die Vogelzählung brachte 2016 einen Rekord: 8.000 Freiwillige zählten rund 243.500 Vögel. Der häufigste Vogel war die Kohlmeise. Der Erlenzeisig rückte mit einem Plus von 7.000 gezählten Individuen von Platz 29. auf Platz 10.

Trends, was die Vogelbestände in Österreich betrifft, konnten aus den Daten der vergangenen sieben Jahre - so lange gibt es die Vogelzählaktion bereits - noch nicht abgelesen werden. Sehr wohl seien aber besondere Ereignisse in den Daten zu erkennen, so Teufelbauer: wie der Einflug nordischer Arten, zum Beispiel des Seidenschwanzes oder des Bergfinkens.

Eine Blaumeise sitzt auf einem kahlen, mit Schnee überzogenen Baum
Assil Hannah
Blaumeise

Augenmerk auf erkrankte Grünfinken

In den vergangenen Jahren wurde ein Rückgang der Grünfinken verzeichnet. Bei ihnen hatte sich im Jahr 2012 eine durch einzellige Parasiten hervorgerufene Seuche, die Trichomoniasis, ausgebreitet. Die Parasiten befallen vor allem den vorderen Verdauungstrakt der Tiere und führen im Kropf zu schwerwiegenden Entzündungen. Die Vögel können dadurch kein Futter mehr zu sich nehmen und sterben.

Die Krankheit wird besonders im Sommer an Futterstellen und Vogeltränken, wo viele Vögel zusammenkommen, übertragen. Für den Menschen sowie Hunde und Katzen gibt es keine Ansteckungsgefahr. Die diesjährige Vogelzählung soll Auskunft über den Zustand des Grünfinkenbestands geben. „Wir erhoffen uns Daten darüber, wie es dem Vogel heuer gegangen ist, ob der Bestand weiter zurückgegangen ist oder nicht“, so Teufelbauer.

Negative Folgen durch Klimawandel und Landnutzung

Neben Krankheiten wirken sich insbesondere der Klimawandel und die menschliche Landnutzung negativ auf die Vogelbestände aus. „Beim Klimawandel erwarte ich mir, dass er langfristig dazu führt, dass weniger Vögel zu den Fütterungen kommen. Wenn es wärmer wird, tun sich die Vögel leichter Nahrung in der Natur zu finden“, erklärt der Ökologe.

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Ö1 Sendungshinweis

Dem Thema widmet sich auch ein Beitrag in Wissen aktuell: 5.1.2017, 13:55 Uhr.

„Andererseits verändern sich die Lebensbedingungen. Vögel, die an kaltfeuchte Klimata angepasst sind, werden Schwierigkeiten haben.“ Das Alpenschneehuhn etwa schütze sich vor Wind und Wetter in selbstgebauten Schneehöhlen. Weniger Schnee könnte für das Schneehuhn zum Problem werden. Die an kalte Temperaturen angepassten Arten würden voraussichtlich in den Norden wandern, die Frage sei aber, ob auch ihr Lebensraum mitwandere.

Die intensive landwirtschaftliche Nutzung und der Einsatz von Pestiziden zur Insektenbekämpfung wirken sich ebenfalls negativ auf die Vogelbestände aus. Ohne Insekten wird den Vögeln die Nahrungsgrundlage entzogen. Auch in Wohngebieten finden Vögel immer weniger Blumenwiesen und Gemüsegärten als Lebensraum.

Lena Hallwirth, Ö1 Wissenschaft

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