Der Preis eines iPhones

„Genug ist genug, die Verhältnisse sind unerträglich“, sagt die Soziologin Jenny Chan über den Elektronikhersteller Foxconn, der unter anderem Apple, HP und Sony beliefert. Seit einer Serie von Suiziden im Jahr 2010 beschäftigt sie sich mit den Arbeitsbedingungen vor Ort.

Billig, schnell und dennoch qualitativ hochwertig: So muss Technik produziert werden, um am Markt konkurrenzfähig zu sein. Das gilt auch für Foxconn. Die taiwanesische Firma ist der größte Hersteller von Appleprodukten wie iPhones, iPods und iPads. Sie ist einer der führenden Exporteure und mit mehr als einer Millionen Angestellten der größte private Arbeitgeber Chinas.

Jenny Chan
Lena Hallwirth, ORF

Die Soziologin Jenny Chan von der Hong Kong Politechnic University interviewte sechs Jahre lang Arbeiterinnen und Arbeiter von Foxconn und schleuste sogar Mitarbeiter ein, um die Arbeitsbedingungen zu dokumentieren.

Auf Einladung des Mattersburger Kreises für Entwicklungspolitik war sie in Wien zu Gast.

Nachdem sich im Jahr 2010 mehrere Foxconn Mitarbeiter von den Dächern ihrer Unterkünfte stürzten, gelangte die taiwanesische Firma Foxconn ins Rampenlicht internationaler Berichterstattung. Foxconn versprach daraufhin Gehaltserhöhungen und die strengere Einhaltung der maximal erlaubten Arbeitsstunden. An dem grundlegenden Problem veränderte sich dadurch aber nichts: Der Druck der Manager, die Produktions-Deadlines einzuhalten, werde an die Arbeiter und Arbeiterinnen weitergegeben und das auf Kosten ihrer Gesundheit, so Chan gegenüber science.ORF.at.

Zwölf Stunden am Tag, sechs Tage pro Woche würden die Beschäftigten in Foxconn Fabriken zu Spitzenzeiten arbeiten. Dabei müssen sie lange stehen, sind giftigen Chemikalien und Aluminiumstaub ausgesetzt und werden nur knapp über dem gesetzlichen Mindestlohn bezahlt. Auch Beschimpfungen und Erniedrigungen seien an der Tagesordnung, schildert die Soziologin.

„Zwangsarbeit“ von Schülern und Studierenden

Billige Arbeitskräfte gewinnt Foxconn auch mit seinem Praktikumsprogramm. Zweitweise sind rund 15 Prozent aller Mitarbeiter Praktikanten. Die Schülerinnen und Schüler kommen aus berufsbildenden Schulen und sollen Praxiserfahrung in ihrem Berufsfeld sammeln. Tatsächlich verrichten sie meist monotone Laufbandarbeit, sie polieren iPad-Hüllen, drehen Schrauben fest oder verpacken fertige Produkte. Weigern sie sich, ein Praktikum in der Länge von bis zu einem Jahr zu absolvieren, könnten sie ihre Ausbildung nicht beenden, so Chan.

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Dem Thema widmet sich auch ein Beitrag in Wissen aktuell am 13.1. um 13:55

Mit der Unterstützung lokaler Politiker, die Druck auf die Schulen ausüben und im Gegenzug auf Investments von Foxconn hoffen, gelingt es so bis zu 150.000 Schüler und Studierende zur Arbeit in den Fabriken zu zwingen. „Die Praktikumsprogramme sind fast eine Art moderne Zwangsarbeit, es ist eine moderne Form von Sklaverei“, bekräftigt Jenny Chan.

Fragwürdige Gewerkschaft

Die Arbeiterinnen und Arbeiter wehren sich mit medienwirksamen Streiks, Aufständen und der Androhung von Selbstmord. So erregen sie die Aufmerksamkeit der Medien, mit deren Hilfe sie die lokalen Regierungen unter Druck setzen wollen. Diese wollen keinesfalls von der Zentralregierung in Peking als problematisch eingestuft werden und reagieren mittlerweile schneller auf Missstände. „Die Arbeiter nützen verschiedenen Formen des Protest, sie vereinigen sich und verlangen höhere Gehälter, bessere Bedingungen und die Bildung einer unabhängigen Gewerkschaft“, berichtet Chan.

Auf Druck der lokalen Regierungen wurde zwar schon 2007 eine Gewerkschaft gegründet, ihre Vorsitzende ist seither aber die persönliche Assistentin des Foxconn-Geschäftsführers. Das Ziel der Gewerkschaften sei daher auch weniger, die Interessen der Beschäftigten zu vertreten, sondern Aufstände schneller in den Griff zu bekommen, ist Chan überzeugt.

Verantwortung bei Apple und Co.

Konfrontiert mit Kritik versprach Foxconn immer wieder die Arbeitszeiten seiner Angestellten nicht zu überziehen und die Gehälter zu heben. Auch der Auftraggeber Apple versprach, sich um faire und sichere Arbeitsbedingungen bei seinen Zulieferbetrieben zu bemühen.

„Dies Versprechen sind sehr schön auf Papier, werden aber oft nicht umgesetzt“, sagt Chan. Letztendlich trügen die großen Konzerne die Verantwortung, ihnen sei die Gewinnmaximierung wichtiger als Arbeiterinnen und Arbeiter. Daher sei es wichtig, dass Konsumentinnen über die Arbeitsbedingungen Bescheid wüssten und Druck auf die Unternehmen ausüben.

Lena Hallwirth, Ö1 Wissenschaft

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