Verhütungsmittel für Männer im Test erfolgreich

Nach einem Verhütungsmittel für Männer wird lange gesucht. Nun berichten Forscher von einem Versuch, der bei Affen erfolgreich war. Die vielversprechende Methode funktioniert ohne Hormone und Operation.

Während es für Frauen allerlei – mehr oder weniger gesunde – Verhütungsmethoden gibt, bleibt Männern nur die Wahl zwischen Kondomen und Sterilisation. Bei letzterer, der Vasektomie, werden die Samenleiter, die die Spermien von den Hoden in die Harnröhre leiten, durchtrennt – eine Operation, die nicht immer rückgängig gemacht werden kann und deshalb von vielen Männern gefürchtet wird.

Die nun erfolgreiche Methode funktioniert so ähnlich, allerdings ohne Chirurgie. Ein Gel aus künstlichen Polymeren wird dabei in den Samenleiter injiziert und blockiert die Spermien. Sie gelangen nicht mehr in die Harnröhre und werden somit auch nicht ejakuliert. Im Gegensatz zu einer ähnlichen, in Indien bereits an Männern getesteten Methode werden die Spermien durch das Gel nicht zerstört, sondern bloß blockiert.

Paarung ohne Nachwuchs

Ob ihr Ansatz auch wirklich funktioniert, hat ein Team um die Veterinärmedizinerin Angela Colagross-Schouten von der Parsemus Foundation nun untersucht. Die Parsemus Foundation ist eine Non-Profit-Organisation in Berkeley, Kalifornien, die sich um Forschungsbereiche kümmert, die von der Pharmaindustrie vernachlässigt werden.

Ö1 Sendungshinweis

Dem Thema widmet sich auch ein Beitrag in Wissen aktuell: 8.2., 13:55 Uhr.

Die Forscherinnen injizierten 16 männlichen Rhesusaffen das “Vasalgel“ in ihre Samenleiter. Nach kurzer Erholungszeit durften die Tiere wieder zurück in ihre Gruppen. Alle von ihnen wurden zumindest eine Fortpflanzungsperiode lang beobachtet, die Hälfte der Affen lebte zwei Jahre lang zusammen mit Weibchen. In dem Zeitraum kam es zu keiner einzigen Befruchtung, obwohl sich die Tiere wie gewöhnlich paarten. Auch die Nebenwirkungen seien äußerst gering gewesen, betonen die Forscherinnen.

Gruppe von Rhesusaffen, unverhütet
Kathy West/ CNPRC
Gruppe von Rhesusaffen

„Wir waren beeindruckt, dass die Methode bei jedem einzelnen Affen funktioniert hat, obwohl wir das erst zum ersten Mal ausprobiert haben", sagt Colagross-Schouten in einer Aussendung. Sie sieht darin eine vielversprechende Alternative zu Vasektomien, die in der Veterinärmedizin zur Routine gehören. In Zoos etwa wäre das Gel eine Möglichkeit, um die Anzahl des Nachwuchses in den Griff zu bekommen und den Tieren zugleich ein normales Sozialleben zu gestatten.

Optimismus für Studien mit Männern

Bleiben zwei wichtige Fragen: Ist die Methode umkehrbar und lassen sich die Ergebnisse auch auf Menschen übertragen? Bei der ersten Frage sind die Forscherinnen sehr optimistisch. Bei Kaninchen habe sich bereits ein einfacher Weg gefunden, um den Spermienstopp wieder rückgängig zu machen: Eine in den Samenleiter gespritzte Mischung aus Natriumbikarbonat habe das Gel ausgespült und die Spermien wieder fließen lassen wie zuvor.

Klinische Studien mit Menschen sollen nun folgen. Da diese den Affen anatomisch sehr ähnlich sind, versprühen die Forscherinnen auch hier Optimismus. Ziel der Parsemus Foundation sei es jedenfalls, das Gel eines Tages weltweit verfügbar zu machen. Und zwar zu sozial abgestuften Preisen, sodass sich die Verhütungsmethode alle Männer, die das wollen, auch leisten können.

Lukas Wieselberg, science.ORF.at

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