Tiefsee mit Schadstoffen verseucht

Die Umweltverschmutzung macht auch vor den entlegensten Winkeln der Erde nicht halt. Selbst an der tiefsten Stelle der Weltmeere wurden nun überraschend hohe Schadstoffwerte nachgewiesen: im Körper kleiner Krebse.

In 10.000 Meter Tiefe hat ein britisch-australisches Team Flohkrebse eingefangen und auf zwei giftige, bis in die 1980er Jahre weit verbreitete organische Stoffe - PCBs und PBDEs - analysiert.

Seit dem Jahr 2001 sind diese Substanzen laut Stockholmer Übereinkommen (fast) weltweit verboten, doch deren Gebrauch hatte Langzeitfolgen: Die Schadstoffwerte in den kleinen Krustentieren übersteigen jene von Krabben, die in stark verschmutzten Flüssen in China leben, um das 50-Fache.

Kontaminierte Tiere sinken zu Boden

Die gefundenen Schadstoffe sind offenbar bis in den Marianengraben im westlichen Pazifik, die tiefste Stelle der Weltmeere, gelangt. Verantwortlich dafür sind tote Tiere, die zum Meeresgrund sinken. In ihrem Körper befinden sich die giftigen Substanzen, werden sie von den Flohkrebsen gefressen, gelangen die Schadstoffe auch in die Tiefseeorganismen, die sie aufgrund ihres langsamen Stoffwechsels kaum ausscheiden können.

Tiefseekrebs Hirondellea gigas in Großaufnahme
Dr. Alan Jamieson, Newcastle University
Mit Schadstoffen belastet: Flohkrebs Hirondellea gigas

Die hohe Konzentration an Schadstoffen im Marianengraben lässt sich laut Studie möglicherweise auf die Industriegebiete im nordwestlichen Pazifik zurückführen, wo die schädlichen Stoffe durch Unfälle oder Abwässer in die Umwelt gelangt sind. Der Nordpazifikwirbel und die dadurch entstandene riesige Insel aus 100 Millionen Tonnen Plastikmüll könnten ein weiterer Grund für die gemessenen Werte sein. Jedenfalls wurde einmal mehr bestätigt, dass der Mensch seine Spuren auch in vermeintlich unberührten Gebieten hinterlässt.

Cosima Eibensteiner, Elke Ziegler, Ö1-Wissenschaft

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