Zwergstern mit sieben erdgroßen Planeten

Im Vorjahr haben Forscher von drei Planeten berichtet, die um einen rund 40 Lichtjahre entfernten Zwergstern kreisen und erdähnlich sein könnten. Neue Messungen zeigen: Es sind mindestens sieben Planeten.

Sie wandern von der Erde aus gesehen vor ihrem Stern vorbei, sodass sie sein Licht kurzfristig ein kleines bisschen abdunkeln, berichteten die Astronomen um Brice-Olivier Demory von der Universität Bern.

Dank solcher messbarer Transite konnten sie die Größe und Masse der Planeten berechnen und schlussfolgern, dass es sich wohl um Gesteinsplaneten handelt.

Voraussetzungen für Leben

Im Jahr 2016 hatte ein Forscherteam um Michael Gillon von der Universität Lüttich vom Planetensystem Trappist-1 im Sternbild Wassermann berichtet. Dank intensiver Beobachtung mit mehreren erdgebundenen Teleskopen und dem Spitzer-Weltraumteleskop der US-Weltraumagentur (NASA) hat sich nun herausgestellt, dass es nicht aus drei, sondern mindestens sieben Planeten besteht.

Auf ihnen könnten Temperaturen herrschen, die flüssiges Wasser ermöglichen. Das wiederum gilt als Voraussetzung für Leben. Der Zwergstern ist zwar relativ klein und kühl, die Planeten umkreisen ihn aber auch eng, mit Umlaufzeiten von eineinhalb bis über 20 Erdentagen.

Illustration des Größenvergleichs der sieben Planeten
NASA/JPL-Caltech
Größenvergleich der sieben Planeten

„Wir haben zum ersten Mal ein System aus Planeten mit ähnlicher Größe und Masse wie die Erde entdeckt, deren Atmosphäre wir genauer untersuchen können“, erklärte Demory. Informationen über die Atmosphäre wiederum können verraten, ob Leben auf den Planeten existieren kann.

Insbesondere das James-Webb-Weltraumteleskop - der Nachfolger des Hubble-Teleskops -, das voraussichtlich Ende 2018 in Betrieb gehen soll, wird wichtige Informationen liefern, so Demory. Es soll etwa nach Signaturen von Ozon in der Atmosphäre der Trappist-1-Planeten suchen, was auf organisches Leben hindeuten könnte.

Vermutlich sehr viele ähnliche Systeme

Ozon könnte ein Hinweis auf Leben sein, muss aber nicht, betonte Demory: „Das Problem ist, dass wir keine genaue Vorstellung davon haben, wie das Leben auf der Erde entstanden ist. Wir wissen nicht genau, was Leben auf anderen Planeten produzieren würde, das wir als stichhaltigen Beweis messen können.“ Die Erforschung der fernen Planeten bedeutet für ihn auch, die Frage zu beantworten, wie Leben entsteht, und somit auch mehr über unsere Existenz zu lernen.

Solche Planetensysteme könnten keine Seltenheit sein: Trappist-1 gehört zu der Art Stern, die in unserer Galaxie am häufigsten vorkommt. Dass um einen solchen Zwergstern gleich sieben erdgroße Planeten kreisen, ist zumindest vielversprechend. Der Fund bestätigt zudem eine Computersimulation zweier Forscher der Universität Bern, Yann Alibert und Willy Benz, die zeigte, dass erdgroße Planeten um Zwergsterne häufig seien, wie die Hochschule am Mittwoch mitteilte.

Illustration der Oberfläche eines der Planeten
NASA/JPL-Caltech
Illustration der Oberfläche eines der Planeten

Regt die Fantasie an

Trappist-1und seine Planeten dürften in den nächsten Monaten und Jahren weiter von sich reden machen, versprachen die Forscher im Rahmen einer Telefonpressekonferenz des Fachblatts „Nature“. Sie sind derzeit dabei, weitere Daten über die Planeten zu sammeln.

Ihre Beschreibung regt die Fantasie an: „Es muss ein spektakulärer Anblick sein, auf einem dieser Planeten zu stehen. Der Trappist-1 wäre etwa 200-mal dunkler als unsere Sonne am Mittag - stellen Sie sich das Restlicht nach dem Sonnenuntergang vor. Und ab und zu käme am Himmel ein anderer Planet vorbei, der je nach Entfernung größer als der Mond aussähe.“

Das Planetensystem von der Erde aus nicht nur indirekt über die Abdunkelung des Sterns, sondern auch direkt zu beobachten, dürfte allerdings schwierig sein. Zwar ist der Zwergstern Trappist-1 mit knapp 40 Lichtjahren Entfernung quasi in unserer galaktischen Nachbarschaft, allerdings umkreisen die Planeten ihn sehr eng und strahlen wenig Licht ab.

science.ORF.at/APA/sda

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