Türkei: Archäologen hoffen auf Grabung

Limyra zählt seit Jahren zu den wichtigsten österreichischen Grabungsprojekten. Mit modernen Technologien versucht man sich ein Bild der antiken Stadt in der heutigen Türkei zu machen. Momentan warten die Archäologen jedoch auf ein Ende des Grabungsstopps.

Mit 3D-Laser-Verfahren und Drohnenflügen erforscht der österreichische Grabungsleiter Martin Seyer mit seinem Team die Stadtentwicklung der antiken Stadt Limyra in der südwesttürkischen Küstenlandschaft Lykien. Er arbeitet an der Rekonstruktion eines Stadtplans. Drohnen liefern mit Hilfe einer Software entzerrte Bilder des Geländes und ermöglichen so eine exakte Beschäftigung mit der Entwicklung Limyras.

Drohnen liefern 827 Fotos von Limyra, aus denen mithilfe einer Software ein entzerrtes Bild generiert wird
ÖAI-ÖAW
Drohnen liefern 827 Fotos von Limyra, aus denen mithilfe einer Software ein entzerrtes Bild generiert wird

Auf diese Weise erforscht das Archäologenteam die soziologischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen in der Stadt. Auch eine Bevölkerungsstatistik und eine Untersuchung der Lebensbedingungen der Menschen zu verschiedenen Zeiten sind Teil der Forschungen.

Limyra als Vorzeigestadt Lykiens

Mit Methoden der Geophysik, geologischen Bohrungen, Grabungen und Oberflächenbegehungen soll weitere Klarheit in die Stadtentwicklung Limyras seit den ersten Aufzeichnungen über eine kleine Siedlung im 6. Jahrhundert v. Chr. gebracht werden.

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Dem Thema widmet sich auch ein Beitrag in Wissen aktuell am 7.3. um 13:55

Bedeutend sei besonders die Vergrößerung Limyras im 3. Jahrhundert v. Chr. kurz nach der Eroberung durch Alexander den Großen, so Seyer: „Limyra wurde nicht nur vergrößert, sondern nach für damals modernen Gesichtspunkten neu angelegt.“ Bis ins dritte Jahrhundert sei eine „unregelmäßig“ angelegte Siedlung rekonstruiert worden, die dann aber groß ausgebaut wurde und sich laut Seyer durch ein „regelmäßiges, orthogonal angelegtes Straßen- und Bausystem“ auszeichne.

Digitales Modell der Höhenlinien in Limyra
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Digitales Modell der Höhenlinien in Limyra

Dass es „monumentale, prächtige Bauten“ in Lykien in hellenistischer Zeit gegeben hat, werde in Limyra offensichtlich, erläutert Seyer: „Wir haben großartige Tempelbauten aller bekannten Baustile gefunden – ionische, dorische und auch korinthische Tempel.“ Ein Höhepunkt der Grabungen der letzten Jahre war die Entdeckung einer antiken Synagoge im Jahr 2012. Inhalt der Forschungen in Limyra sind auch die fünf Nekropolen der klassischen Epoche, die zu den am besten erhaltenen Zeugnissen lykischer Grabarchitektur gehören.

Grabungsstopp im August 2016

Unterbrochen wurden die archäologischen Arbeiten in Limyra durch einen Grabungsstopp im August 2016. Betroffen war damals auch die Grabung in Ephesos, wo österreichische Forscher schon seit rund 120 Jahren archäologisch arbeiten.

Damit war am 30. August vorerst Schluss, für Seyer eine „traumatische“ Situation: „Wir mussten innerhalb eines Tages die Grabungsstätten sichern und Limyra verlassen.“ Schuld am Grabungsstopp waren politische Spannungen zwischen Österreich und der Türkei. Der Antrag für weitere Forschungen in den Monaten Juli bis September 2017 ist gestellt. Es ist ungewiss, wie sich die Situation entwickeln wird: Seyer hofft auf die Erteilung der Grabungsgenehmigung Mitte Juni.

Markus Andorf, Ö1 Wissenschaft

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