Neue Bäume braucht die Stadt

Eine Stadt braucht viele Baumarten, davon sind Forscherinnen der TU Dresden überzeugt. Sie haben eine Baumdatenbank erstellt, mit deren Hilfe nicht nur die Baumvielfalt in Europas Städten erhöht werden soll, sondern auch jeder Baum seinen richtigen Standort bekommt.

Park, Allee, Straße oder Spielplatz: Damit jeder Baum an seinen richtigen Platz kommt, haben Forscherinnen und Forscher der Technischen Uni Dresden knapp 400 Stadt-Baumarten in ihrer Datenbank namens Citree erfasst und nach 54 unterschiedlichen Merkmalen aufgeschlüsselt.

Stehen oft am falschen Platz

Benutzer von Citree haben unter anderem die Möglichkeit einzugeben, wie hitzebeständig eine Baumart sein muss, wie der pH-Wert des Bodens ist und welche Form die Krone haben soll: „Wenn man diese Abfrage macht, kommt dann eine Liste mit möglichen Baumarten heraus", erklärt die Geoökologin Juliane Vogt von der TU Dresden, die darin eine Stärke sieht. "Die Baumdatenbank sagt nicht: ‚Es gibt nur diesen einen Baum, den ich dort immer wieder pflanzen soll‘, sondern sie liefert eine Liste von Baumarten“,

Ö1 Sendungshinweis

Über das Thema berichteten auch die Ö1 Journale, 11.3., 12:00 Uhr.

Zu oft wird ihres Erachtens in Städten in Europa ein Baum an den falschen Ort gepflanzt. Im schlimmsten Fall muss der Baum nach wenigen Jahren entfernt werden - das ist teuer. Auch der umgekehrte Fall ist problematisch: wenn eine Baumart, die sich bewährt, zu oft gepflanzt wird. „Wenn man ähnliche Arten pflanzt oder an bestimmten Stellen nur eine Art, kann das problematisch sein. Es kann immer passieren, dass diese eine Baumart entweder aufgrund des Klimawandels oder von Schaderregern ausfällt, wodurch Bäume großflächig sterben innerhalb der Stadt.“

Aus diesem Grund findet man in der Datenbank auch Bäume aus Asien oder Amerika, die in einer ähnlichen Klimazone wachsen und das aktuelle Baumsortiment aufmischen sollen.

Allee mit Gingkobäumen in Tokio
AFP / Kazuhiro Nogi
Allee mit Gingkobäumen in Tokio

Problemzone: Straßenbaum

Auch in Wien beispielsweise verfolgt man diesen Ansatz und pflanzt neue Baumarten, die mit den veränderten Bedingungen besser zurechtkommen. Große Herausforderung sind hier vor allem Bäume, die an den Straßen stehen, weiß Joachim Chen von den Stadtgärten Wien. „Die Bedingungen sind im Vergleich zu vergangenen Jahrzehnten insgesamt härter geworden, und da muss man auch mit dem Straßenbaumsortiment reagieren.“

Mehr Hitzetage, stärkere Stürme, stark verdichtete Böden und Streusalz im Winter - 20 Baumarten haben die Stadtgärten gemeinsam mit den Baumschulen ausgewählt, die diesen Bedingungen künftig besser trotzen können. Zu ihnen zählen der asiatische Ginkgobaum und die Celtis - auch Zürgelbaum genannt. Diese Baumarten findet man auch in der wissenschaftlichen Baumdatenbank. Sie werden in Wien nach und nach alte Bäume ersetzen und sollen anders als ihre Vorgänger über 50 Jahre alt werden, so Chen. „Ich denke, unser Pflanzensortiment, das wir jetzt und in den kommenden Jahren nachpflanzen, ist besser unterwegs, wie beispielsweise die Kastanie oder der Spitzahorn, den man vielerorts noch sieht, der sehr empfindlich auf Schmutz und winterliche Betreuung reagiert.“

Pro Jahr werden in Wien übrigens 2.000 neue Bäume gepflanzt. Man wird also schon bald mehr von den neuen Arten zu sehen bekommen.

Ruth Hutsteiner, Ö1 Wissenschaft

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