Todeszonen können auch natürlich entstehen

Die Überdüngung der Meere senkt den Sauerstoffgehalt im Wasser bisweilen dramatisch, die Folge: ein Massensterben im Ökosystem. Forscher haben Spuren solcher „Todeszonen“ nun auch in historischen Sedimenten entdeckt.

Wenn Düngemittel aus der Landwirtschaft oder Abwässer größerer Städte ins Meer gelangen, kommt es dort dort zu einer Algenblüte. Dadurch entsteht „Meeresschnee“ - eine Mischung aus abgestorbenen Algen und organischen Zerfallsprodukten. Das richtet in marinen Ökosystemen mitunter massive Schäden an.

Ähnliche dramatische Ereignisse können allerdings auch durch Klimaschwankungen entstehen, wie Untersuchungen des Paläontologen Martin Zuschin von der Universität Wien zeigen. Zuschin hatte im Golf von Triest in der nördlichen Adria in ungefähr elf Metern Wassertiefe Proben des Meeresbodens entnommen. Die Ablagerungen in den etwa eineinhalb Meter langen Sedimentkernen reichten etwa 500 Jahre zurück.

Muschel als Krisenindikator

Als Indikator für das Vorhandensein solcher Todeszonen fungierte bei den Untersuchungen die Körbchenmuschel (Corbula gibba). Diese kleine Muschel ist gewissermaßen ein maritimer Überlebenskünstler, der bei Sauerstoffmangel seine Klappen dicht schließt und auf sauerstofflosen Stoffwechsel umschalten kann. Das lässt die Tiere sehr gut durch solche Krisen kommen.

„Da wir Schwankungen im Auftreten dieser Muschelart nachweisen konnten, war es möglich, die Zeiträume der Sauerstoffkrisen zu dokumentieren“, erklärt Zuschin.

Weiße Muscheln auf dem schlammigen Meeresboden
Michael Stachowitsch
Die weiße Körbchenmuschel gedeiht, wenn andere Arten absterben

Die Wissenschaftler fanden heraus, dass die Muscheln in den Jahren 1980, 1890, 1810 und 1780 sehr häufig waren - in Zahlen: mehr als 1.000 Exemplare pro Quadratmeter. Diese guten Jahre für Corbula gibba waren aber nicht an vom Menschen verursachte Überdüngung („Eutrophierung “) gebunden, „sondern stimmen sehr gut mit Schwankungen der Wassertemperatur überein, die aus anderen Gebieten der Adria bekannt waren“, so der Paläontologe.

Kein Grund zur Entwarnung

Gerade höhere Wassertemperaturen führen zu einer Abnahme des Sauerstoffgehaltes in Bodennähe und zur stärkeren Bildung von Meeresschnee, der zusätzlich zum Verbrauch von Sauerstoff im Wasser beiträgt.

Die nunmehrigen Ergebnisse bedeuten allerdings nicht, „dass vom Menschen verursachte Eutrophierung keine Bedeutung für Sauerstoffkrisen am Meeresboden hat, sondern vielmehr, dass das Ansteigen der Meerestemperaturen in den nächsten Dekaden die tödlichen Effekte der Überdüngung sogar noch steigern kann“, resümiert Zuschin.

science.ORF.at/APA

Mehr zu diesem Thema: