Musik lässt Schimpansen kalt

Schimpansen scheint es ziemlich egal zu sein, ob sie im Zoogehege Musik zu hören bekommen: Justin Bieber lässt sie kalt - und selbst Beethoven vermag sie nicht zu locken.

Manche Zoos spielen ihren Schimpansen Musik vor, um ihr Wohlbefinden zu verbessern und den Tierpflegern die Arbeit abwechslungsreicher zu gestalten. Ob die Menschenaffen von der Musik tatsächlich profitieren oder sie sie eher stört, war allerdings unklar.

Forscher der University of York sind dieser Frage nachgegangen und fanden heraus: Die einzigen, die etwas von der Beschallung haben, sind die Tierpfleger. Die Affen scheint es aber auch nicht zu stören.

Experiment mit Jukebox

Das Forscherteam um Emma Wallace untersuchte zum einen, wie sich Klassik oder Pop-Musik auf das Verhalten von Schimpansen im RZSS Edinburgh Zoo auswirkte.

Zum anderen gaben sie den Schimpansen in diesem und einem weiteren Zoo in Texas die Möglichkeit, mit einer Art „Schimpansen-Jukebox“ selbst zu wählen, welche Musik sie hören wollten, oder ob sie Stille bevorzugten. In der Auswahl der Songs befanden sich unter anderem Stücke von Beethoven, Mozart, Adele und Justin Bieber.

Müder Schimpanse liegt auf dem Boden
TONY KARUMBA / AFP
Etwas Musik gefällig?

Die Schimpansen zeigten sich gleichermaßen unbeeindruckt von klassischer wie populärer Musik, und zeigten im „Jukebox“-Experiment auch keine Präferenz für die eine, die andere oder gar keine Musik, wie die Forscher festhielten.

„Für Schimpansen nicht relevant“

„Die Resultate weisen darauf hin, dass Musik nicht etwas ist, das für Schimpansen in Gefangenschaft relevant wäre“, wurde Wallace in einer Mitteilung ihrer Hochschule am Mittwoch zitiert. Auch bestätigten die Forschungen eine kürzlich durchgeführte Studie mit in Zoos lebenden Orang-Utans, die nicht zwischen Musik und digital verzerrten Geräuschen unterscheiden konnten.

Die Ergebnisse unterstreichen den Forschern zufolge die Möglichkeit, dass Musikgenuss eine exklusive Eigenheit des Menschen sein könnte.

Spielzeuge, Geschicklichkeitsaufgaben oder ungewohnte Gerüche werden in Zoos oft eingesetzt, um den Tieren in Gefangenschaft geistige Stimulation zu bieten. Auch Musik galt aufgrund von Laborexperimenten als eine solche Bereicherung. Studien in Zoos waren bisher jedoch zu widersprüchlichen Ergebnissen gekommen.

Laut Wallace könne man Musik nach den neuesten Erkenntnissen nicht als effizientes Mittel dafür ansehen. Da sie aber auch keinen negativen Effekt auf die Tiere habe und vorausgesetzt, dass die Affen die Möglichkeit haben, sich der Beschallung zu entziehen, spräche nichts dagegen, Musik für die Zooangestellten abzuspielen.

science.ORF.at/APA/sda

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