„Saubere Kohle“ ist Marketinggag Trumps

Den Krieg gegen „saubere Kohle“ beenden will US-Präsident Donald Trump mit einem am Dienstag unterschriebenen Dekret. Jürgen Schneider vom Umweltbundesamt sieht darin einen Marketinggag, der eine auslaufende Technologie am Leben erhalten soll.

Mit dem Dekret soll vieles in Sachen Klimaschutz rückgängig gemacht werden, was aus der Amtszeit von Barack Obama stammt. Trump will in der Energiepolitik auf Öl, Gas und vor allem Kohle setzen: auf die „saubere Kohle – die wirklich saubere Kohle“, hieß es in einer Stellung nahme des Weißen Hauses.

„Kein neuer Boom zu erwarten“

„Das ist augenscheinlich der Versuch, die stark unter Druck geratene US-Kohleindustrie wieder zu stärken“, so Schneider. „Es sollen damit vor allem Regelungen der Obama-Administration aufgehoben werden, die vorgesehen haben, dass neue Kraftwerke strenge CO2-Grenzwerte einhalten müssen. Mit internationalen Klimaschutzzielen ist das natürlich nicht vereinbar“, so Schneider im Ö1-Mittagsjournal - Audio dazu in oe1.ORF.at.

Trumps „saubere Kohle“ sei kein Hinweis auf Verfahren, die versuchen, CO2 unterirdisch zu speichern („CO2-Sequestrierung“). „Sie ist viel eher ein Marketinggag, um eine Technologie länger auf dem Markt zu erhalten, die ein Ablaufdatum hat“, sagte der Umweltexperte.

Donald Trump unterschreibt das Dekret - umbegeben von Bergarbeitern
AFP - Jim Watson
Donald Trump unterschreibt das Dekret - umbegeben von Bergarbeitern

Um den internationalen Klimaschutz macht er sich nicht allzu viele Sorgen. Trumps Dekret sei zwar ein Rückschlag, aber: „Auch die Industrie in den USA weiß, dass Kohle ihren Zenit überschritten hat. Investoren werden es sich dreimal überlegen, ob sie in Kohle investieren, denn auch Trumps Präsidentschaft hat ein Ende, in dreieinhalb oder siebeneinhalb Jahren.“ Kohlekraftwerke hätten viel längere Amortisationszeiten, und so erwartet Schneider „nicht notwendigerweise einen Boom der Kohleindustrie“.

Ökonomischer „Drive“ zu mehr Klimaschutz

Für das Pariser Klimaabkommen sei Trumps Energiepolitik zwar negativ, aber auch hier ist Schneider zuversichtlich. „Erste Reaktionen aus China zeigen, dass das Land bei seinen Klimazielen bleibt – und das ist wichtig, denn China ist der größte Emittent von Treibhausgasen weltweit.“

Zuletzt seien die Emissionen nicht mehr gestiegen. „Das hat damit zu tun, dass China auf erneuerbare Energien setzt und der größte Investor ist. Das hat Zugkraft, denn China will die entsprechenden Technologien auch in andere Länder verkaufen. Aus ökonomischer Sicht besteht also ein starker Drive zu mehr Klimaschutz“, sagte der Umweltexperte. Einzelne Rückschläge wie Trumps Politik gebe es zwar, aber generell laufe der Zug in Richtung: weg von Kohle, Öl und Gas.

Bearbeitung: Lukas Wieselberg, science.ORF.at

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