Raketen, Rasierer und Rekorder

Innovation und Aufbruch stehen für das Jahr 1967: Die ersten Sendungen auf Ö1 sind zu hören und neue Technik kommt auf den Markt, etwa das erste mobile Tonband-Aufnahmegerät, ein Elektrorasierer und das erste Brennstoffzellen-Moped. Eine Zeitreise.

Besucherinnen und Besucher des Technischen Museums Wien (TMW) können sich durch Objekte aus dem Jahr 1967 in die Zeit der Geburtsstunde von Ö1 zurückversetzen lassen.

Skurrilität auf zwei Rädern

Als „skurril und höchst innovativ“ beschreibt Anne-Katrin Ebert, Kuratorin für Verkehr und Mobilität im TMW, das erste Brennstoffzellenmoped der Welt, das im Museum zu sehen ist. Erfunden hat es ein Österreicher: der Chemiker Karl Kordesch. In der Brennstoffzelle reagieren Wasserstoff und Sauerstoff miteinander zu Wasser und erzeugen Strom. Als Brennstoff verwendete Kordesch eine Hydrazin-Lösung, ein hochreaktives Gemisch aus Stickstoff und Wasserstoff. Zwei Liter des Hydrazin-Gemisches reichten für ungefähr 100 Kilometer.

Video: Anne-Katrin Ebert beschreibt das Brennstoffzellenmoped

Dass das Moped ein Serienfahrzeug wird, war nie geplant: Es blieb bei dem Prototypen, mit dem Karl Kordesch 1967 durch New York fuhr. Nach Angaben von Kordesch erreichte das Moped eine Geschwindigkeit von 40 km/h. Als „bemerkenswert“ für die damalige Zeit bezeichnet Ebert den „sauberen Antrieb“ des Brennstoffzellenmopeds: Abgase seien nämlich nur Wasserdampf und Stickstoff gewesen.

Baujahr ’67 – Zeitreisen mit Ö1

Was hat 1967, das Gründungsjahr von Ö1 bewegt? Und was davon ist heute noch in Betrieb? In einem Jubiläumsschwerpunkt zum „50er“ begeben sich zahlreiche Sendungen auf Zeitreisen in Vergangenheit und Zukunft. Details zu den Beiträgen finden Sie auf Baujahr ’67 - 50 Jahre Ö1.

Bekannt war die Brennstoffzellentechnologie schon vor dem Einsatz im Moped: Die NASA setzte Brennstoffzellen ein, um Astronauten mit Wasser und Strom zu versorgen. Auch heute sind Brennstoffzellenfahrzeuge im Gebrauch, jedoch nicht mit der „gefährlichen und hochgiftigen“ Hydrazin-Lösung, so Ebert. In modernen Fahrzeugen werde Wasserstoff nun komprimiert, eine Hydrazin-Lösung kommt laut Ebert nur noch in der Raketentechnik zum Einsatz.

Revolution im Radio

„Revolutionär“ in der damaligen Zeit ist für den pensionierten ORF-Techniker Herbert Heyna das Tonbandaufnahmegerät Uher 4200 gewesen. Erstmals war es möglich, als Reporter unterwegs Interviews zu führen und dann im Studio zu schneiden, erzählt Heyna, der 1967 als Techniker zum ORF kam und die ersten Aufnahmeversuche mit dem Uher 4200 miterlebte.

Tonbandaufnahmegerät Uher 4200
Technisches Museum Wien
Tonbandaufnahmegerät Uher 4200

Die Gestaltung einer Reportage war aus Heynas Erinnerungen in den ersten Jahren von Ö1 „sehr aufwendig“. Ein Techniker, ein Assistent und ein Redakteur mussten zum Interviewpartner fahren, um mit einem Studiotonbandgerät aufzunehmen. Das Uher-Tonbandaufnahmegerät war dann das erste mobile Gerät mit „fünf Trockenbatterien und dicken Monozellen“, später dann auch mit Akkus, sagt Heyna. Bemerkenswert sei gewesen, dass das Uher 4200 auch erstmals in Stereo aufnehmen konnte, auch wenn sich das beim ORF erst in den Jahren nach 1967 etablierte.

Ö1-Sendungshinweis

Dem Thema widmet sich auch Wissen aktuell: 18.4., 13:55 Uhr.

Die Qualität der Uher-Aufnahmegeräte bezeichnet der ehemalige ORF-Techniker als „hochwertig“. Redakteure seien mit den Ergebnissen sehr zufrieden gewesen. In den Jahren nach 1967 kamen außerdem stetig neue Geräte mit noch besserer Technik. Mit einer vollautomatischen Steuerung konnte schon bei den ersten Uher-Geräten die Bandgeschwindigkeit eingestellt werden, was die „gute Aufnahmequalität“ garantiert habe, so Heyna.

Designikone im Badezimmer

Dass es 1967 nicht nur wichtig war, mobil zu sein, zeigt der Rasierapparat Braun Sixtant, der Mitte der 60er-Jahre zu einer „Designikone“ wurde, sagt Roswitha Muttenthaler, Kustodin für Haushaltstechnik im Technischen Museum Wien. Der Braun Sixtant war einer der meistverkauften Rasierer zur damaligen Zeit und hätte durch Gestaltung, Handhabung und Form überzeugt, so Muttenthaler. Aufgrund des „großen Verkaufserfolgs“ der Braunrasierer ist der US-amerikanische Nassrasierer-Hersteller Gillette im Jahr 1967 Hauptaktionär der Firma Braun geworden.

Video: Roswitha Muttenthaler über den Rasierer

Da der Braun Sixtant „robust konstruiert“ und „für Langlebigkeit geschaffen“ wurde, entspricht der Rasierapparat laut Muttenthaler durchaus heutigen Nachhaltigkeitsansprüchen. Die empfindlichen Teile, wie die Scherfolie und der Klingenkopf, konnten kostengünstig getauscht werden. Für die Qualität des Rasierers spreche auch das im Museum ausgestellte Modell, das von seinem ursprünglichen Besitzer 22 Jahre lang verwendet wurde. Der Name Sixtant leitet sich von den sechseckigen Löchern der Scherfolie – dem Wabenscherblatt – her.

Baujahr ’67 Fundgrube

Woran erinnern Sie sich, wenn Sie an das Jahr 1967 denken? Welche Gegenstände aus dieser Zeit haben Sie noch? Für unser „kollektives Epochenporträt“ sammelt Ö1 Fundstücke aller Art: Texte und Bilder, kurze Audios und Videos, die Sie ganz einfach auf die Ö1 Homepage stellen können.

Als „interessante Entwicklung“ bezeichnet Muttenthaler den Erfolg des Braun Sixtant, da es lange Zeit nicht selbstverständlich war, die Nassrasur aufzugeben: „Sie war gründlicher als die Elektrorasur. Das haben schon damals dermatologische Untersuchungen festgestellt.“ Dass mit dem Braun Sixtant ein „eleganter und formschöner“ Rasierer auf den Markt gekommen ist, habe den weiteren Boom von Elektrorasierern vorangetrieben, so Muttenthaler.

Aufbruch ins All

Technischer Fortschritt zeigt sich im Jahr 1967 auch durch den Start der ersten Saturn-V-Rakete, die dann auch die ersten Menschen zum Mond brachte. Momentan nicht im Museum zu sehen, sondern im Depot verwahrt ist ein Modell der Saturn-V-Rakete, die am 9. November 1967 zum ersten Mal unbemannt von Cape Kennedy gestartet ist. In einem der ersten Abendjournale von Ö1 beschrieb Beitragsgestalter George Kahler den Raketenstart als „über alle Erwartungen grandiosen Abschuss“.

Audio: der Original-Beitrag aus dem Abendjournal

Entworfen und geplant wurde die Saturn-V-Rakete von Wernher von Braun und Arthur Rudolph vom Marshall Space Flight Center. Bis heute ist sie die größte und leistungsstärkste Rakete, die jemals gebaut wurde.

Markus Andorf, Ö1 Wissenschaft

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