Forscher sehen für Great Barrier Reef schwarz

Das berühmte Great Barrier Reef in Australien ist immer stärker bedroht: Neue Luftaufnahmen zeigen, dass bereits zwei Drittel durch Korallenbleiche beschädigt sind. Die betroffenen Gebiete haben so gut wie keine Chance mehr, sich wieder zu erholen.

Davor warnte am Montag eine Gruppe von Forschern um den Meeresbiologen James Kerry von der James-Cook-Universität nach einer Bestandsaufnahme des Riffs aus der Luft.

Im vergangenen Jahr waren in erster Linie die nördlichen Gebiete des Great Barrier Reefs betroffen, in diesem Jahr zeigte das mittlere Drittel die schwersten Schäden. Allein das südliche Drittel sei noch unberührt, erklärte Kerry in einer Aussendung. Insgesamt seien 1.500 Kilometer des mit 2.300 Kilometern Länge größten Ökosystems der Welt betroffen.

Grafik, die Korallenbleiche von 2016 und 2017 vergleicht
ARC Centre of Excellence Corral Reef Studies
Korallenbleiche 2016 und 2017: rot die besonders betroffenen Gebiete

Wiederholung des Vorjahrs

Die Korallenbleiche führe nicht unweigerlich zum Absterben der Korallen, so Kerry. Doch selbst schnell wachsende Korallen benötigten mindestens ein Jahrzehnt, um sich komplett zu erholen - für die Teile des Riffs, die dem Phänomen nun schon zweimal binnen zwölf Monaten ausgesetzt seien, bedeute das „null Aussicht auf Erholung“.

Korallen sind sensible Organismen, die nur in bestimmten Temperaturbereichen existieren können. Sie gehen eine Symbiose mit bestimmten einzelligen Algen ein - von ihnen erhalten sie auch ihre Färbung. Nimmt die Wassertemperatur zu, stoßen die Korallen die Algen ab und verlieren damit auch ihre Farbe.

Dauert diese Situation zu lange an, sterben die Korallen vollständig ab. Bei kühleren Wassertemperaturen können sich die lebensnotwendigen Algen aber wieder auf den Korallen ansiedeln.

Video: Die Forscher fliegen über das Riff (Credit: ARC Centre of Excellence Corral Reef Studies)

Klimaerwärmung und El Nino

Nach Angaben des Korallenexperten Terry Hughes sind vor allem der Klimawandel und die damit verbundene Erwärmung der Ozeane für die jüngste Korallenbleiche verantwortlich. Im Gegensatz zum vergangenen Jahr hingen die hohen Wassertemperaturen dieses Mal nicht mit dem Wetterphänomen El Nino zusammen, fügte Hughes hinzu. Er warnte, weiter steigende Temperaturen könnten das Phänomen noch verschärfen.

„Das Riff hat offensichtlich gegen verschiedenste Umwelteinflüsse zu kämpfen. Am akutesten ist aber zweifellos der weltweite Klimawandel“, sagte Hughes. Schon der weltweite Anstieg der Temperaturen um ein Grad Celsius habe zu vier Bleichen binnen 19 Jahren geführt, jede weitere Erwärmung werde den Prozess beschleunigen. Ohne einen weltweiten Abbau des CO2-Ausstoßes sei das aber nicht möglich, sagte Hughes. Es bleibe nicht mehr viel Zeit, mahnte er.

science.ORF.at/AFP

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