Superkeime sind älter als Dinosaurier

Gegen multiresistente Bakterien sind selbst hochwirksame Antibiotika machtlos. Ein Phänomen der Gegenwart? Keineswegs, berichten Forscher: Superkeime gibt es seit 450 Millionen Jahren - sie waren schon damals, in Urzeiten, fast unverwundbar.

Es vergeht kaum eine Woche, da Wissenschaftler nicht vor den Gefahren multiresistenter Keime warnen. Vor allem in Krankenhäusern sind diese „super bugs“, wie sie im Englischen heißen, eine tödliche Gefahr. Auffallend dabei: Viele dieser Killer-Bakterien entstammen einer einzigen Gattung, den sogenannten Enterokokken. Anlass für Forscher um Ashlee Earl vom Broad Institute, der Sache nun auf den Grund zu gehen.

Schon Urkeime waren resistent

Die amerikanischen Forscher haben mit Hilfe von Gen-Vergleichen und paläontologischen Befunden die Geschichte dieser Gattung vom Paläozoikum bis zu den modernen Spitälern rekonstruiert - und herausgefunden: Die Probleme der Gegenwart sind im Prinzip nichts Neues. Sie wurden bloß verstärkt durch den unkritischen Einsatz von Antibiotika.

Denn bereits die Urahnen der heutigen Krankenhauskeime waren laut Studie ausgesprochen robust, resistent gegenüber Austrocknung und vor allem auch: resistent gegenüber natürlichen Antibiotika.

Ur-Amphib kriecht an Land
Mark Witton
Enterokokken besiedelten den Darm der ersten Landtiere.

Die ersten Enterokokken traten vor ca. 450 Millionen Jahren auf - jene Zeit, da die Tiere erstmals an Land gingen. Zum Vergleich: Die ersten Dinosaurier enstanden erst 200 Millionen Jahre später, zu Beginn der Trias. Neue Bakterientypen entwickelten sich laut Studie vor allem nach Massenaussterben. Was insofern nicht sonderlich überrascht, als die Enterokokken die Kontinente als Passagiere im Körper der Landtiere erobert und auch im Meer die Körper von Tieren als „Ökosystem“ besiedelt hatten.

Jedenfalls wissen die Forscher nun, welche Gene die Enterokokken bereits in Urzeiten so widerstandsfähig machten. Dieses Wissen soll nun „neue Ansatzstellen liefern für die Entwicklung neuer Antibiotika und Desinfektionsmittel, um die Enterokokken gezielt zu bekämpfen“, sagt Francois Lebreton, ein Co-Autor der Studie.

Welche Substanzen das konkret sind, können die Forscher allerdings noch nicht sagen. Die Übersetzung der genetischen Daten in passgenaue Antibiotika und Desinfektionsmittel wird noch Jahre in Anspruch nehmen - und von einem Forscherteam wohl auch nicht zu stemmen sein.

Robert Czepel, science.ORF.at

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