Kakadus passen auf ihr Werkzeug auf

Jeder Heimwerker weiß: Mit Werkzeug geht man sorgsam um. Das ist offenbar auch Goffin-Kakadus bewusst, wie Experimente von Wiener Verhaltensforschern beweisen.

Nur ganz wenige Tierarten nutzen Werkzeug. Schimpansen etwa, aber auch Keas oder Rabenvögel stellen gezielt Gegenstände her, um damit an Futter zu gelangen.

Vor einigen Jahren haben Wiener Biologen diese Fähigkeit erstmals auch bei in Gefangenschaft gehaltenen Indonesischen Goffin-Kakadus beobachtet. Sie beißen etwa mit ihrem kräftigen Schnabel längliche Splitter aus einem Holzbalken damit sie eine Nuss holen können, die außerhalb der Reichweite liegt.

Die Studie

„Safekeeping of tools in Goffin’s cockatoos”, Journal Animal Behaviour (15.5.2017).

Experiment: Werkzeug-Recycling

Das war für die Wissenschaftler überraschend, denn die Vögel gebrauchen in freier Wildbahn keine Werkzeuge: Sie hatten sich diese Fähigkeit offenbar selbst aneignet.

Nun haben Alice Auersperg von der Veterinärmedizinischen Universität Wien und Kollegen in Experimenten überprüft, ob die Tiere auch verstehen, dass sie ein Werkzeug wiederverwenden können. Dazu legten sie Cashewnüsse in Boxen in verschiedenen Höhen - und zwar jeweils so, dass die Nüsse nur mit einem Stock im Schnabel erreichbar waren.

Experiment mit Cashewnuss: Kakadu stochert mit Stoch im Schnabel in einer transparenten Box
Bene Croy
Laborversuch: Erst stochern, dann fressen

Die Vögel mussten also überlegen, ob sie ihr Werkzeug noch für weitere Nüsse brauchen werden und sie es bei sich behalten können, ohne beim Fressen gestört zu sein. Speziell bei erhöht angebrachten Boxen behielten die Kakadus schneller und öfter ein Werkzeug bei sich und ließen es nach der ersten Nuss nicht einfach fallen.

Aber auch in Bodennähe behielten sie das Stöckchen nach wenigen Anläufen meist bei sich. „Die Goffin-Kakadus erkannten, dass es effizienter war, ein erfolgreiches Werkzeug nicht aufzugeben“, sagt Auersperg.

Festhalten oder ablegen

Wie die Kakadus das Stöckchen aufbewahrten, hing von der Situation ab: In Bodennähe hielten sie es einfach in einer ihrer Krallen, während sie die Nuss aufpickten. In der höheren Position ließen die Papageien das Stöckchen dagegen häufig in der zuletzt benutzten Box stecken und hielten es zusätzlich noch mit dem Fuß fest.

Den Vögeln war laut Auersperg nach wenigen Versuchen klar, dass sie „das Werkzeug vor allem dann wiederverwenden sollten, wenn sie schneller an die Belohnungen in den höheren Boxen kommen wollen.“

Das Kalkül dahinter: Das Zurückholen des Werkzeugs hätte einen höheren Aufwand bedeutet. Außerdem gingen die Vögel so auf Nummer sicher - schließlich hätte die Belohnung in der Zwischenzeit auch abhandenkommen können.

science.ORF.at/APA

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