Wie Mikroben eine Klinik besiedeln

In einem Spital soll man gesund werden. Gleichzeitig sind dort Erreger unterwegs, die für geschwächte Patienten lebensgefährlich sein können. US-Forscher haben nun beobachtet, wie sich Bakterien in einem nagelneuen Krankenhaus verbreiten.

Das neue „Center for Care and Discovery“ wurde 2013 von der Universität von Chicago eröffnet. Die Forscher fanden dort ideale Bedingungen für ihre Arbeit vor: Sie konnten schon zwei Monate vor Aufnahme des Klinikbetriebs mit ihren Untersuchungen beginnen. Die Wissenschaftler nahmen über einen Zeitraum von zwölf Monaten mehr als 10.000 Proben - in zehn Patientenzimmern, einer Pflegestation für Krebskranke und einer für Patienten der Chirurgie.

Klinikgebäude der Universität Chicago
The University of Chicago Medicine
Die neue Klinik

Die Studie

„Bacterial colonization and succession in a newly opened hospital“, Science Translational Medicine, 24.5.2017

Die Biologen und Mediziner machten Abstriche von den Händen, aus der Nase sowie den Achseln der Patienten ebenso wie von den Oberflächen, welche sie wahrscheinlich berührt hatten - dazu gehören die Bettgitter und die Armaturen in den Bädern. Hinzu kamen Proben vom Boden der Zimmer und den Luftfiltern. Auch das Pflegepersonal wurde gründlich untersucht.

Einzug der Bakterien

Vor der Eröffnung sei eine relativ geringe Vielfalt an Bakterien gefunden worden, sagt Jack Gilbert, Direktor des Mikrobiom-Zentrums an der Universität von Chicago. „Als allerdings Patienten, Ärzte und Pfleger einzogen, übernahmen die Bakterien ihre Haut.“ Unmittelbar nach Beginn des Klinikalltags hätten sich Mikroben wie Corynebakterien, Staphylokokken und Streptokokken ausgebreitet.

Station in neuer Klinik
The University of Chicago Medicine
Klinik von innen, nur zu Beginn fast keimfrei

Die Aufnahme jedes neuen Patienten veränderte zudem die Zusammensetzung der Bakterien in seinem Zimmer. „Innerhalb von 24 Stunden übernahm das Mikrobiom des Patienten den Krankenhausraum“, sagte Gilbert. Als Mikrobiom wird die Gesamtheit aller Mikroorganismen bezeichnet, die den Menschen oder andere Lebewesen besiedeln. Die Wissenschaftler fanden zudem heraus, dass das Personal in den wärmeren Monaten verstärkt Bakterien austauschte.

Auch resistente Keime

Die Forscher nahmen 92 Patienten genauer unter die Lupe, die über längere Zeit in dem Krankenhaus waren. Bei ihnen wurden potenziell schädliche Bakterien wie Staphylococcus aureus und Staphylococcus epidermidis gefunden, die mit der Zeit Gene entwickelten, welche Resistenzen gegen Antibiotika fördern und Infektionen begünstigen können. Vor allem Staphylococcus aureus ist in seiner multiresistenten Form als Krankenhauskeim MRSA bekannt und gefürchtet: Während er für gesunde Menschen ungefährlich ist, ist er für etwa 30 Prozent aller Krankenhausinfektionen verantwortlich.

science.ORF.at/APA/dpa

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