Alte Ägypter blieben unter sich

In seiner Spätzeit war das Alte Ägypten umkämpft und von Fremdherrschaft geprägt. Genetisch blieben die Bewohner von diesem Einfluss in manchen Regionen recht unberührt, wie die erste umfassende DNA-Analyse von Mumien ergab.

Rund 80 Kilometer südlich von Kairo, in der Nähe des Eingangs zum Fayyum-Becken, liegt die Grabstätte Abusir el-Meleq, entdeckt wurde sie 1905. Das Gebiet war nach heutigem Kenntnisstand von 3250 vor Christus bis ungefähr ins Jahr 700 bewohnt.

Sarkophag der der Tadja aus  Abusir el-Meleq
bpk/Aegyptisches Museum und Papyrussammlung, SMB/Sandra Steiss
Sarkophag der Tadja aus Abusir el-Meleq

In den Jahrhunderten rund um Christi Geburt zogen viele Menschen in die Region, zuerst kamen Griechen, später römische Veteranen. Es waren unruhige Zeiten, innere und äußere Kämpfe prägten die Spätzeit überall im Alten Ägypten, zunehmend verlor das Reich seine Souveränität. Nach Eroberungen durch die Perser übernahm Alexander der Große 332 v. Chr. die Macht.

Sichtbare Einflüsse

Der Einfluss der Fremden zeigte sich an verschiedenen Stellen, unter die Namen mischten sich solche mit griechischen, hebräischen und römischen Wurzeln. Auf den ägyptischen Grabstätten fanden sich von da an auch griechische Säulen und schon der Entdecker von Abusir el-Meleq, Otto Rubensohn, stieß auf griechische Grabinschriften.

Leider sind die archäologischen Aufzeichnungen unvollständig, manche Funde blieben völlig undokumentiert und sind in der Zwischenzeit verschwunden, schreiben die Forscher um Verena J. Schünemann von der Universität Tübingen in ihrer aktuellen Arbeit.

Deswegen gebe es auch zu den sterblichen Überresten der begrabenen Menschen recht wenige Informationen, wie z.B. Namen. Aber anders als an anderen ägyptischen Fundstellen seien aus Abusir el-Meleq sehr viele Individuen aus einer längeren Zeitperiode erhalten. Und aus dem wenigen, das man weiß, lasse sich schließen, dass es sich um unterschiedlichste Personen gehandelt haben muss, von Priestern bis zu einfachen Leuten, die völlig ohne Beigaben begraben wurden. Mumifizierung war in dieser Epoche weit verbreitet und vermutlich nicht mehr so teuer wie früher.

Vom Einfluss unberührt

Um etwas Licht in die genetische Verwandtschaft der altägyptischen Bevölkerung zu bringen, haben die deutschen Forscher gemeinsam mit britischen und polnischen Kollegen nun Gewebeproben von 151 Mumien aus Abusir el-Meleq untersucht. Analysiert wurden ausschließlich mumifizierte Überreste.

Bisher galt es als schwierig bis unmöglich, DNA aus Mumien zu extrahieren, wegen der Luftfeuchtigkeit und der chemischen Behandlung wurde ein Großteil zerstört. Die untersuchten Mumien befinden sich heute in der anthropologischen Sammlung der Universität Tübingen und in der Felix von Luschan-Schädelsammlung im Museum für Vor- und Frühgeschichte in Berlin.

Karte von Ägypten
Annette Guenzel, Krause et al, Nature Communications
Karte mit Fundstätte

„Wir wollten testen, ob sich die Eroberung und Herrschaft Ägyptens durch fremde Mächte, wie zum Beispiel durch Alexander den Großen, genetisch nachweisen lässt“, beschreibt Schünemann den Hintergrund der Studie in einer Aussendung. Einen genetischen Austausch größeren Umfangs konnte das Forschungsteam jedoch nicht feststellen. „In der DNA-Struktur der Bewohner der Region hat es während der von uns untersuchten Zeitspanne keine größeren Verschiebungen gegeben, was darauf hindeutet, dass die Bevölkerung genetisch relativ unberührt von ausländischer Eroberung und Herrschaft blieb“, fasst Wolfgang Haak vom Max-Planck-Institut für Menschheitsgeschichte in Jena das Untersuchungsergebnis zusammen.

Es könnte sein, dass der griechische und römische Einfluss in anderen Regionen stärker war - nämlich dort, wo sich die meisten Siedlungen der Eroberer befanden. Eine andere Erklärung für die genetische Unberührtheit könnten gesellschaftspolitische Umstände liefern. In der griechisch-römischen Zeit war die Abstammung maßgeblich für eine privilegierte Position, schreiben die Autoren. Besonders in der römischen Periode könnte es starke Anreize gegeben haben, innerhalb der eigenen ethnischen Gruppe zu heiraten. Immerhin musste ein römischer Bürger eine römische Bürgerin heiraten, um das Bürgerrecht weitergeben zu können.

Frühe und spätere Verwandschaft

Genetisch am engsten verwandt waren die untersuchten Individuen mit den damaligen Bewohnern des Nahen Ostens. Wie die Forscher in ihrer Studie schreiben, geht diese Verwandtschaft auf enge Beziehungen und Handelskontakte mit dieser Region seit frühen Zeiten zurück. Auch mit jungsteinzeitlichen Populationen der anatolischen Halbinsel und Europas ließen sich genetische Gemeinsamkeiten nachweisen.

Ein Vergleich mit der DNA heute lebender Ägypter zeigte allerdings, dass diese erst in den letzten 1.500 Jahren einen erheblichen genetischen Anteil aus den südlicheren Regionen Afrikas erworben haben. Sie weisen etwa acht Prozent mehr gemeinsame Kernzell-DNA mit Subsahara-Populationen auf als die Bewohner des Alten Ägyptens aus der Grabstätte Abusir el-Meleq. Mögliche Ursachen können eine erhöhte Mobilität entlang des Nils oder der Handel mit Sklaven von jenseits der Sahara sein, der vor etwa 1.300 Jahren begann.

Eva Obermüller, science.ORF.at

Mehr zum Thema