Österreichische Archäologen graben erstmals in Israel

Die Ausgrabungen österreichischer Archäologen in Ephesos liegen momentan wegen der politischen Reibereien mit der Türkei auf Eis. Dafür graben heimische Forscher ab Juli erstmals in Israel – und sind dort einem möglichen historischen Irrtum im Alten Ägypten auf der Spur.

Die Levante, so nennen Althistoriker das heutige Israel, die Palästinensergebiete, den Libanon und Jordanien. Was dort rund 1.500 Jahre vor Christus los war, beschäftigt die Archäologie momentan intensiv. Die Antwort darauf würde nämlich verraten, ob sich das Alte Ägypten tatsächlich so ausgebreitet hat, wie bisher vermutet. Die gängige Theorie beruht vorwiegend auf schriftlichen Quellen und besagt, dass die Ägypter die damals in der Südlevante herrschenden Hyksos vertrieben und dabei ihre Städte zerstört hätten.

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Dem Thema widmet sich auch ein Beitrag in Wissen aktuell: 8. 6., 13:55 Uhr.

Felix Höflmayer vom Institut für Orientalische und Europäische Archäologie der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) hat eine andere Hypothese: „Wir haben Ergebnisse, die nahelegen, dass die Zerstörung bereits um 1600 stattgefunden hat.“ Also 50 Jahre früher als bisher gedacht.

Ausgrabungsstätte Tel Lachish in Israel
ÖAW
Ausgrabungsstätte Tel Lachish

Ob diese Hypothese stimmt, soll nun die Ausgrabung von Tel Lachish südwestlich von Jerusalem zeigen. Tel Lachish gilt als eine der wichtigsten Ausgrabungsstätten der Levante. Felix Höflmayer von der ÖAW und Katharina Streit von der Hebräischen Universität Jerusalem sind vor allem auf der Suche nach Keramik und organischem Material.

Dieses lässt sich naturwissenschaftlich untersuchen - mittels isotopischer Analysen, der so genannten Radiokarbonmethode. So lässt sich das Alter der Funde auf bis zu 50 Jahre genau datieren. „Würde man sich in 500 Jahren unsere Geschichte anschauen, dann wäre es wichtig zu wissen, ob Margareth Thatcher mit Helmut Kohl verhandelt hat oder mit Bismarck. Das sind auch nur 100 Jahre Unterschied. Und 100 Jahre machen am Übergang von der Mittel- zur Spätbronzezeit eben auch einen Unterschied.“

Mit den Ausgrabungen wollen die Forscher herausfinden, ob die betroffenen Städte – warum auch immer – zuerst zerstört worden sind und ob die Ägypter dies danach politisch ausgenützt haben, um die Hyksos-Gebiete wieder zu erobern. Ob die Geschichte des Alten Ägypten umgeschrieben werden muss, oder nicht, könnte also ab Juli dieses Jahres geklärt werden.

Tanja Malle, Ö1-Wissenschaft

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