„Schüler geben Technik die Hand“

Wie ist das Leben mit einer Handprothese? Und wie genau steuert man einen bionischen Arm? Über 100 Wiener Schülerinnen und Schüler haben sich mit diesen Fragen im Rahmen eines Projekts beschäftigt. Das Ziel: sie für Forschung, Technik und Produktdesign zu begeistern.

Josi ist acht Jahre alt. Als Kleinkind hat sie durch ein Feuer so schwere Verletzungen erlitten, dass ihr beide Unterschenkel sowie ein Teil des linken Armes amputiert werden mussten. Mit ihren steuerbaren und beweglichen Prothesen spielt sie heute Trompete und macht Sport - wie Skifahren und Reiten. Sie lernten Wiener Schülerinnen und Schüler im Rahmen des Projektes „BodyTec“ kennen. Ein Projekt, in dem Kinder und Jugendliche lernen, was es heißt, mit einer Prothese zu leben, und erfahren, wie diese funktioniert.

Schüler beim Prothesen-Ausprobieren
Open Science – Lebenswissenschaften im Dialog (Mattias Hombauer)

„Das Besondere an dem Projekt ist, dass Schüler von fünf Partnerschulen sich zwei Schuljahre lang mit diesem Thema beschäftigen können und dafür in engem Kontakt mit Wissenschaftlern und Unternehmenspartnern stehen. Dabei wird auch erklärt, wie der Körper aufgebaut ist und welche ethischen Fragen an das Thema geknüpft sind“, sagt die Projektleiterin Alexandra Schebesta vom gemeinnützigen Verein OpenScience.

Im Labor, beim Techniker und bei Patienten

Eine Station führte die Volks-, Unterstufen- und Oberstufenschüler in das Labor des Prothesenspezialisten und Mediziners Oskar Aszmann an der MedUni Wien. „Dort durften sie selbst forschen und experimentieren. Sie haben etwa Muskel-Gewebeschnitte gefärbt und unterm Mikroskop angesehen. Anschließend haben sie einen Patientenraum besucht, wo Menschen ihr Gehirn nach einer Transplantation an die neue Aufgabe anpassen.“

Ö1-Sendungshinweis

Diesem Thema widmet sich auch ein Beitrag in der Sendung „Wissen aktuell“ am 17.7. um 13:55.

Im Orthopädie Technik Haus Döbling konnten sie wiederum selbst testen, wie man einen Roboterarm bewegt. „Eine Prothese schaut einfach gebaut aus, ist es aber wirklich nicht“, erzählt die 16-jährige Wienerin Weronika Jastrzebska. Damit eine sogenannte bionische Prothese funktioniert, werden Nervenbahnen mit funktionierenden Muskeln verknüpft, sodass man die Prothese mit Gedanken steuern kann. Etwas, dass die Schüler selbst testen konnten.

Schüler beim Prothesen-Ausprobieren
Open Science – Lebenswissenschaften im Dialog (Mattias Hombauer)

„Also bei uns war es so, dass die Roboterhand am Tisch stand. Dann wurden uns Elektroden an den Arm gelegt, wodurch wir mit Armbewegungen die Hand am Tisch steuern konnten: Wir konnten sie zumachen, aufmachen, Sachen greifen und lernten, wie man diverse Einstellungen verändern kann“, erzählt Jastrzebska.

„Kinder und Jugendliche früh motivieren“

Ziel des Projektes ist es, Kinder und Jugendliche für Forschung und Technik zu begeistern. „Man muss früh anfangen, jungen Menschen unterschiedliche Tätigkeitsfelder zu zeigen und die Neugier zu wecken“, so Schebesta. Offenbar hatten die Projektleiter damit zumindest bei einigen Erfolg: „Eine Volksschülerin meinte nach dem Workshop in dem Labor von Professor Aszmann: ‚Ich werde sicher Forscherin‘, und sagte dann zu einem Kollegen: ‚Und dann bin ich deine Chefin.’“ Auch Jastrzebska möchte Medizinerin werden.

Neben den 114 Schülern, die zum Teil Migrationshintergrund hatten, konnten auch 17 Flüchtlinge an den Workshops und Vorträgen teilnehmen, erzählt Schebesta. „In dem Projekt wird besonders darauf geachtet, dass möglichst viele junge Menschen aus unterschiedlichen Ländern und sozialen Schichten beteiligt sind.“

Im kommenden Jahr werden die Schüler und Schülerinnen mit Produktdesignern zusammenarbeiten und sich überlegen, wie ästhetisch schöne Hände ausschauen könnten.

Ruth Hutsteiner, Ö1-Wissenschaft

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