Einer der frühesten Raubfische

Nach dem größten Massenaussterben von Tierarten der Erdgeschichte vor rund 252 Millionen Jahren haben sich große Räuber früher entwickelt als bisher gedacht. Das schließen Schweizer Forscher aus dem Fund eines der ältesten großen Raubfische.

Sie haben mit US-Kollegen in der Wüste Nevadas einen 26 Zentimeter langen, fossilen Schädelrest mit langen Kiefern und bis zu zwei Zentimeter langen, spitzen Zähnen entdeckt.

Der Vertreter der bisher unbekannten Knochenfischart Birgeria americana war etwa 1,8 Meter lang und durchstreifte bereits eine Million Jahre nach dem großen Massensterben das Meer, das damals Nevada und die angrenzenden US-Bundesstaaten bedeckte, schrieb die Uni Zürich.

Illustration: So könnte Birgeria americana ausgesehen haben
Nadine Bösch
Illustration: So könnte Birgeria americana ausgesehen haben

Das mache ihn zum ältesten bisher bekannten Exemplar der großwüchsigen Birgeria-Arten, die weltweit existierten. Aus der frühen Trias (vor 252 bis 247 Millionen Jahren) seien außerdem bisher kaum Fossilien von Wirbeltieren bekannt.

Jagte wie der Weiße Hai

„Der überraschende Fund aus dem Elko County im Nordosten Nevadas gehört zu den am komplettesten erhaltenen Wirbeltierüberresten aus dieser Zeit, die je in den USA entdeckt wurden“, sagte der Evolutionsbiologe Carlo Romano von der Uni Zürich.

Birgeria jagte vermutlich ähnlich wie der heutige Weiße Hai: Er verfolgte Beutefische und packte sie mit den Zähnen, bevor er sie als Ganzes verschlang. Aus dem Fund schließen Romano und seine Kollegen, dass sich die durch das Massensterben verkürzte Nahrungskette rascher erholte als man bisher dachte. Demnach existierten Spitzenräuber, welche die Nahrungskette dominierten, offenbar bereits in der frühen Trias.

Rechte Seite des Schädels von Birgeria americana
Universität Zürich
Rechte Seite des Schädels von Birgeria americana

Das Fossil räumt noch mit einer weiteren These auf: Bisher ging man davon aus, dass die Gebiete um den damaligen Äquator zu warm waren als dass sich Wirbeltiere dort entwickelt konnten. Da sich die Eier von heutigen Knochenfischen bei über 36 Grad nicht normal entwickeln, könnte das damalige Meer doch nicht so warm gewesen sein wie vermutet.

„Die Wirbeltierfunde aus Nevada weisen darauf hin, dass bisherige Interpretationen, wie sich vergangene globale Veränderungen und Biodiversitätskrisen entwickelt haben, zu einfach waren“, so Romano.

science.ORF.at/APA/sda

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