Wie der Klimawandel zu Hochwasser führt

Hat der Klimawandel Einfluss auf Niederschläge, Hochwasser und Überschwemmungen? Das ist zwar wahrscheinlich, doch erstaunlich schwer zu beweisen. Einem österreichischen Hydrologen ist das nun gelungen.

Der Bach am Ortsrand, er fließt seit jeher unauffällig am Dorf vorbei. Doch plötzlich tritt er nach Regenfällen über die Ufer: Straßen und Keller sind überflutet, Wasser und Schlamm überall - Szenen wie diese sind aus Medienberichten der letzten Jahre allzu gut bekannt.

Den Klimawandel für ein solch ungewöhnlich starkes Hochwasser verantwortlich zu machen, sei naheliegend , aber nur bedingt richtig, sagt Günter Blöschl, Hochwasserexperte der TU Wien. Denn die Stärke, die Intensität alleine sage nichts darüber aus, ob der Klimawandel mit im Spiel ist - denn ebenso gut könnte die Versiegelung von Flächen die Ursache für das Hochwasser sein. Ebenso die intensive Landwirtschaft oder der Rückgang von wasserspeichernden Auwäldern.

Druck in Atmosphäre verschoben

Viel aussagekräftiger sei hingegen der Zeitpunkt, wann ein Hochwasser auftritt, sagt Blöschl - und verdeutlicht das am Beispiel England: Niederschläge, die dort zu Hochwasser führen, erreichen die britische Insel über den Atlantik. „Diese Wettersysteme haben sich in den letzten Jahrzehnten durch veränderte Druckverhältnisse in der Atmosphäre verschoben. Das hängt wiederum mit der Erwärmung des Nordpols zusammen“, so Blöschl.

Radfahrer waten durch Hochwasser
AP/Sang Tan
Bezirk Runnymede östlich von London: Im Jahr 2014 trat die Themse über ihre Ufer.

Die Folge: In Großbritannien, aber auch Dänemark oder Norwegen treten Hochwasser jetzt vermehrt im Dezember auf, statt wie früher im November. Das hat Blöschl nun mit einem internationalen Forscherteam nachgewiesen. Fazit der Studie im Fachblatt „Science“: Es gibt tatsächlich einen Einfluss des Klimawandels auf Hochwasser in Europa.

Sonderstellung für Österreich

Österreich nimmt übrigens eine Sonderstellung ein, der Klimawandel-Einfluss ist hierzulande schwerer darstellbar. Laut Blöschl vor allem deshalb, weil in den Alpen, die als Wetterscheide dienen, Niederschlag, Schneeschmelze und Bodenfeuchte auf sehr komplexe Art und Weise zusammenwirken. Das macht Vorhersagen schwierig.

Ungewiss ist für die Wissenschaft auch die Rolle von Gewittern bei der Entstehung von Hochwasser. „Gibt es nun mehr Gewitter in einem wärmeren Klima? Die Datenbefunde sind bisher nicht sehr konsistent." Hier brauche es noch weitere Forschungen, resümiert Blöschl. Er hat fünf Jahre lang mit Kollegen aus 38 europäischen Ländern an der soeben veröffentlichten Studie gearbeitet.

Gudrun Stindl, Ö1-Wissenschaft

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