„Konflikt & Kooperation“ beim Forum Alpbach

Heute Abend startet das Europäische Forum Alpbach, wie jedes Jahr seit 1945 ein Treffpunkt zum Gedankenaustausch. Im herausgeputzten Tiroler Bergdorf kommen heuer bis zu 5.000 Interessierte aus 80 Nationen zusammen – angelockt von „Konflikt und Kooperation“.

Rote Geranien hängen von Holzbalkonen im ersten Stock, das Bergpanorama zeugt vom nahenden Herbst, die Luft ist frisch, ins Tirolerische mischt sich die Konferenzsprache Englisch. Allerorts wird fröhlich gegrüßt. Alpbach auf 1.000 Meter Seehöhe ist geübter Gastgeber - für Touristinnen im Wanderherbst genauso wie für Schifahrer im Winter und seit Jahrzehnten für das Europäische Forum Alpbach - hier meist nur „Forum“ genannt.

Alpbach: Balkons mit Geranien
Barbara Riedl-Daser/ORF
Geschmückte Balkons im Tiroler Bergdorf.

„Konflikt und Kooperation“ lautet heuer das Generalthema dieses Forums und es verspricht spannend zu werden - Konflikte und offene Fragen gibt es ja ausreichend:

Wahlkampf? Bitte nicht

„Wir haben den Anspruch, etwas weiter in die Zukunft zu blicken in Alpbach.“ sagt der Geschäftsführer des Europäischen Forum Alpbach, Philippe Narval, gegenüber science.ORF.at.

Ö1-Sendungshinweis

Der Vorschau auf das heurige Forum widmet sich auch ein Beitrag in den Journalen Ö1, 7:00 & 8:00 Uhr

Weitere Radiobeiträge auf Ö1 rund um das Europäische Forum Alpbach listet oe1.ORF.at auf.

Und Ö1 Wissen aktuell wird in den nächsten Tagen immer wieder aus Alpbach berichten.

Man wolle den aktuellen österreichischen Wahlkampf aus dem offiziellen Programm fernhalten: "Der Wahlkampf spielt zwar eine Rolle, weil die gesamte Bundesregierung hier sein wird - wir wollen uns aber als neutrale und doch auch internationale Plattform aus dem Wahlkampf so gut wie möglich heraushalten.“

Stattdessen: Türkei, CEU, KI

Es soll also in den nächsten zweieinhalb Wochen um anderes gehen: EU und Türkei; den Wettkampf um die Bodenschätze der Arktis; die von der Schließung bedrohte „Central European University“ in Budapest; etc.

Narval nennt gegenüber science.ORF.at als weiteres Beispiel die künstliche Intelligenz: „Wir schauen uns an, welche Auswirkungen künstliche Intelligenz hat – die Roboter verlassen sozusagen die Maschinenhallen und halten Einzug in Spitäler, Büros, den Alltag. Wie wirkt sich das aus? Welche Konflikte entstehen da z.B. am Arbeitsmarkt? Und welche ethischen Fragen?“

Männder in Lederhosen und weißen Stutzen
Barbara Riedl-Daser/ORF
Schützen in Stutzen werden auch diesmal nicht fehlen.

Bitte mehr streiten!

„Konflikt und Kooperation“ ist wie erwähnt das Überthema bis 1.9. der diversen Vorträge, Seminare, Arbeitskreise, Workshops - dabei will das Europäische Forum Alpbach als Veranstalter „Konflikt" nicht automatisch als schlecht verstanden wissen. Geschäftsführer Philippe Narval dazu: „Streit gehört in jede gute Beziehung; es ist die Möglichkeit, im Idealfall zivilisiert unterschiedliche Meinungen auszutauschen, Standpunkte festzustellen und manchmal ist es die Grundlage einer guten Kooperation.“

Technologiegespräche Alpbach

Von 24. bis 26. August finden im Rahmen des Europäischen Forums Alpbach die Technologiegespräche statt, organisiert vom Austrian Institute of Technology (AIT) und der Ö1-Wissenschaftsredaktion. Das Thema heuer lautet „Konflikt & Kooperation“. Davor erscheinen in science.ORF.at Interviews mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, die bei den Technologiegesprächen vortragen oder moderieren.

In Sachen „Kooperation“ wiederum gebe es für alle noch viel zu lernen - vor allem: was bringt Menschen dazu, miteinander zu kooperieren? „Das sind oft einfache Dinge: wie kann ich jeden/ jede zu Wort kommen lassen? Wie schaffe ich eine Qualität des Zuhörens?“ Zum Thema Kooperation wird übrigens der bekannte Verhaltensökonom Ernst Fehr in Alpbach referieren.

Gäste aus Politik, Wirtschaft ...

Wer wird nun in Alpbach zu Wort kommen und auch zuhören: Bundespräsident Alexander van der Bellen; die österreichische Bundesregierung; Vertreter von Arbeiterkammer, Wirtschaftskammer, Industriellenvereinigung, Gewerkschaft; Spitzenbanker und Unternehmenschefinnen (wie z.B. von infineon, AUA, Rewe, Magna Austria, Erste Bank, Bank Austria, Nationalbank); die Chefin von Greenpeace Internationale.

... und vor allem: Wissenschaft

Vor allem aber Wissenschafter/innen aus unterschiedlichen Disziplinen - wie die Astrophysikerin Lisa Kaltenegger, der Populismus-Forscher Jan-Werner Müller, der bereits erwähnte Verhaltensökonom Ernst Fehr, der Ökonom Jeffrey Sachs; der Geoengineering-Experte Gernot Wagner; der Quantenphysiker Tommasso Calarco; die Chefredakteurin von „Science“ Marcia McNutt; die Wirtschaftwissenschafterin Mariana Mazzucato; die Rektorin des IWM Shalini Randeria - und viele mehr.

Barbara Riedl-Daser, ORF Radio Wissenschaft

Mehr zu den Technologiegesprächen: