Roboter: Design schafft Vertrauen

Tablets, Computerprogramme und das automatisch fahrende Auto sollen nicht nur schön sein, sie sollen von den Menschen auch akzeptiert und genutzt werden. „Technologie muss Freude bereiten oder motivieren“, meint ein Design-Experte.

Greifarme bei der Automobilherstellung sind orange und das ist kein Zufall: „Das wirkt freundlicher, wodurch Menschen positiver an ihn herangehen“, sagt der Computerwissenschaftler Manfred Tschilegi. Warum man sich bei der Entwicklung von neuen Technologien darüber hinaus beim Menschen orientiert, erklärt er im Interview mit science.ORF.at.

Ab wann ist eine Maschine ein Roboter?

Manfred Tscheligi: Ein Roboter ist eine Maschine, die sich ihren Algorithmen entsprechend autonom verhält und auf die Umwelt und den Menschen reagiert. Auch ein Chat-Bot ist ein Roboter – nur, dass dieser keinen festen „Körper“ hat.

Wenn es um die Abgrenzung von Maschine und Roboter geht - spielt hier auch das Imitieren eines Menschen eine Rolle – seiner körperlichen und geistigen Fähigkeiten?

Zur Person

Manfred Tscheligi ist seit mehr als 20 Jahren in den Bereichen Interaktiver Systeme, Human-Computer Interaction, Usability Engineering, User Interface Design und User Experience Research tätig. An der Universität Salzburg lehrt und forscht er als Professor für Human-Computer Interaction & Usability, am AIT Austrian Institute of Technology leitet er das Center for Technology Experience.

Das Nachahmen des menschlichen Verhaltens ist sehr sinnvoll, damit künstliche Intelligenzen akzeptiert werden. Roboter sollen nachfragen und in einen Dialog treten, der an die Mensch-Mensch-Kommunikation angelehnt ist. Das erleichtert nicht nur die Kommunikation, sondern ist auch für das Vertrauen wichtig.

Ist ein Roboter wie Pepper (siehe Foto) demnach gelungen?

Grundsätzlich sind Augen ein wichtiges Element, an dem man gewisse Reaktionen ablesen kann. Ein Roboter kann dadurch nachfragend wirken, aufmerksam, freundlich, nachdenklich - das vergrößert das Kommunikationsspektrum. Ein weiteres Merkmal ist, dass solche Roboter immer kleiner als erwachsene Menschen gebaut werden. Somit hat er das Gefühl, überlegen zu sein – auch das erleichtert die Kommunikation. Bei den Bewegungen ist es wichtig, dass der Roboter langsam auf einen zukommt, behutsam seine Arme nach etwas ausstreckt und Abstand hält. Abrupte Bewegungen wirken auf die meisten Menschen gefährlich. Hier lässt sich zum Teil viel aus der Beziehung zwischen Menschen herleiten. Das Design ist aber nicht nur bei Haus- und Industrieroboter wichtig, sondern wird vor allem bei autonomen Autos eine entscheidende Rolle spielen.

Roboter Pepper
BERTRAND GUAY / AFP
Roboter Pepper

Inwiefern?

Diese sehen nicht aus wie Roboter, im Grunde aber werden wir in einem physischen Roboter fahren. Hier stellt sich einerseits die Frage, wie das Fahrzeug aussehen wird und wie es dadurch in seiner Gesamtheit auf einen wirkt. Auf der anderen Seite müssen neue Kommunikationswege designt werden. Der Mitfahrer muss nämlich laufend darüber informiert werden und verstehen können, was das Auto macht, nur so werden Menschen dem Auto-Roboter vertrauen.

Das Buch

Das Jahrbuch „Technologie im Gespräch 2017“ ist in Englisch und Deutsch verfasst und im Almalthea Verlag erschienen, mit einer Einleitung von AIT-Aufsichtsratvorsitzenden Hannes Androsch, der das Projekt initiiert hat. In der Publikation berichten unterschiedliche Experten und Expertinnen über den Status quo in ihren Fachbereichen – von Robotik über Blockchain-Technologie und das Bildungswesen bis hin zu den Sozial- und Rechtswissenschaften.

Inwiefern soll Design die Skepsis gegenüber neuen Technologien in der Arbeitswelt nehmen, vor allem wenn dadurch die Arbeit von Menschen übernommen wird?

Es werden zum Teil neue Aufgabenbereiche entstehen – hier muss Design einerseits ansetzen. Es braucht beispielsweise jemanden, der die Roboter in einem Betrieb überwacht und steuert – das kann kein Roboter machen. Es ist noch unklar, wie genau dieser Arbeitsplatz aussehen soll und wie er für den Menschen sinnvoll gestaltet werden kann. Hier ist es wichtig, dass man schnell in die Praxis übergeht und Ideen konkret durch Prototypen ausprobiert. Schließlich kann man nur so tatsächlich sehen, wie der Mensch auf eine solche Umgebung reagiert und sich verhält. Noch wird das zu wenig gemacht, sondern zu viel theoretisiert.

In dem Buch „Jahrbuch Technologie im Gespräch 2017“, in dem auch Sie einen Beitrag verfasst haben, fordern Sie, dass Maschinen „Erfahrungen schaffen müssen, die emotional wertvoll und für einen Menschen bedeutsam sind“. Welche Erfahrungen sollen an den neuen Arbeitsplätzen entstehen?

Ich bevorzuge in diesem Zusammenhang das englische Wort „experience“ – also das, was Menschen empfinden, wenn sie Technologie nutzen. Das kann Freude, Ästhetik, Unsicherheit, Akzeptanz oder auch der sogenannte Flow-Effekt sein, wo man immer mehr und mehr von einer Technologie möchte. Das sind unterschiedliche Qualitätsparameter, die bei der Gestaltung und Entwicklung von Technologien eine gewichtigere Rolle spielen sollten. Bei der Schaffung eines neuen Aufgabenbereichs, bei dem verschiedene Roboter überwacht werden sollen, kann beispielsweise Freude der Hauptparameter sein. Es stellt sich also die Frage: Wie schaffe ich diese Umgebung und designe die Roboter, damit sie beim Menschen Freude auslösen. So lange ich diesen Effekt nicht erziele, muss ich weiterbauen.

Wie kann ein Industrieroboter bei der Autoherstellung etwa Freude auslösen?

Als Beispiel: Früher waren alle grau, jetzt sind sie oftmals orange. Das wirkt freundlicher, wodurch Menschen positiver an ihn herangehen. Solche Überlegungen sollten in den Mittelpunkt rücken. Denn bei der Digitalisierung geht es meist nur um die technische Entwicklung, man vergisst aber den Menschen. Dieser muss die Technologie aber letztlich nutzen wollen.

Um noch einmal auf das Buch zu sprechen zu kommen, das im Rahmen der Technologiegespräche in Alpbach erscheint: Hier werden in kurzen Interviews und Artikel unterschiedliche Facetten der Digitalisierung angerissen. Etwa das Thema Cybersicherheit, Bildung, Aufgaben der Politik und vieles mehr. Warum hat man dieses Format gewählt?

Technologiegespräche Alpbach

Von 24. bis 26. August finden im Rahmen des Europäischen Forums Alpbach die Technologiegespräche statt, organisiert vom Austrian Institute of Technology (AIT) und der Ö1-Wissenschaftsredaktion. Das Thema heuer lautet „Konflikt & Kooperation“. Davor erscheinen in science.ORF.at Interviews mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, die bei den Technologiegesprächen vortragen oder moderieren.

Über Digitalisierung wird immer viel gesprochen und man weiß aber oft nicht, was es bedeutet, auch wenn es sie schon lange gibt. Das Buch könnte hier einen gewissen Anreiz setzen, indem man vielleicht auch Digitalisierung aus unterschiedlichen Perspektiven diskutiert. Ein Computerwissenschaftler, der nicht interdisziplinär arbeitet, wird darunter etwa Big Data, bestimmte Algorithmen oder dergleichen verstehen. Ich wiederum setze den Punkt dort an, wo Technologien vom Menschen genutzt werden. Hier heißt Digitalisierung auch, dass man Technologie verstehen und anwenden kann. Vielleicht können auch Experten in dem Buch neue Betrachtungsweisen finden.

Jetzt gibt es die Technologiegespräche in Alpbach seit 34 Jahren: Dort sprechen Experten aus unterschiedlichen Fachgebieten über Digitalisierung. Ist es da nie gelungen, eine solche Diskussion zu führen?

Eine gute Frage, es wurden immer wieder wichtige Detailfragen diskutiert. Vielleicht sollte man auch das Grundkonzept der Digitalisierung einmal übergreifender diskutieren – das müsste man wahrscheinlich einmal anregen.

Interview: Ruth Hutsteiner, Ö1-Wissenschaft

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