„Cassinis“ großes Finale

Fast 20 Jahre lang hat die Mission der Raumsonde „Cassini“ gedauert. Sie lieferte spektakuläre Erkenntnisse vom Saturn, seinen Ringen und seinen Monden. Freitagnachmittag geht die Reise nun mit einem großen Wumms zu Ende.

Die Ingenieure der US-Weltraumbehörde (NASA) wollen die Sonde kontrolliert auf den Saturn stürzen lassen. Um 13.54 Uhr (MESZ) erwarten sie das letzte Signal von „Cassini“: Radiowellen aus einer Höhe von rund 1.500 Kilometern über den Wolken des Planeten - danach bricht die Sonde wie ein Meteor auseinander.

„Vollgepackt mit Premieren“

Begonnen hat alles am 15. Oktober 1997: Von Cape Canaveral in Florida startete die fast vier Milliarden Dollar teure Mission, an der Tausende Mitarbeiter aus über 20 Ländern beteiligt waren. Mit an Bord waren auch vier österreichische Forschungsprojekte.

2004 war die Sonde in der Umlaufbahn des Saturn angekommen, im Jänner 2005 landete die Tochtersonde „Huygens“ auf dem Saturnmond Titan. Aus Sicht der beteiligen Forscher und Forscherinnen wurden alle Erwartungen erfüllt. „Die Mission war vollgepackt mit wissenschaftlichen Premieren“, sagte die NASA-Managerin Linda Spilker.

Noch nie zuvor hatte sich eine Sonde in die Region der Saturnringe gewagt. „Cassini“ hat das Verständnis über den Planeten revolutioniert und einiges entdeckt, was Forscher begeisterte - etwa neue Ringe, einen Ozean auf dem Mond Enceladus, der möglicherweise Leben zulassen könnte, und flüssige Methanseen auf dem Mond Titan.

Zum Schluss war „Cassini“ 22-mal mit spektakulären Manövern zwischen dem Saturn und seinen Ringen hindurchgetaucht. Teils lag die Flughöhen nur rund 1.700 Kilometer über der obersten Wolkendecke des Planeten.

Bis zuletzt werden Daten gesammelt

Und nun also das große Finale: Das „letzte Abtauchen“ beginnt laut NASA am Freitag um 10.37 Uhr (MESZ), dann geht es für die Sonde hinein in die Atmosphäre des Gasriesen. Bis zuletzt soll die über zwei Tonnen schwere Sonde funken. Die Kamera wird zwar schon vor dem Absturz abgestellt, aber acht der zwölf wissenschaftlichen Instrumente an Bord von „Cassini“ arbeiten weiter.

„Während des Rasens in die Atmosphäre werden wir in Echtzeit Daten senden - das gab es noch nie am Saturn“, so Spilker. Wertvolle Daten etwa über die Zusammensetzung der Atmosphäre des Planeten sollen so gesammelt werden.

Künstlerische Darstellung von "Cassini" über dem Saturn
NASA/Jet Propulsion Laboratory-Caltech

Absturz, damit nichts verunreinigt wird

Die Existenz flüssigen Wassers auf den Saturnmonden Enceladus und Titan nährte die Vermutung, dass sie günstige Bedingungen für das Entstehen von Leben bieten könnten. Das ist auch der Grund für das nun bevorstehende spektakuläre Ende der Mission.

Ö1-Sendungshinweis

Über das Thema berichten auch die Ö1-Journale, 15.9., 7.00 Uhr.

Denn die Alternative, die Raumsonde mit den letzten Treibstoffreserven auf eine mehr oder weniger stabile Umlaufbahn um den Saturn zu bringen, birgt ein entscheidendes Risiko: „Durch kleine Störungen könnte die Sonde im Laufe der Zeit vom Kurs abkommen, auf einen der Monde stürzen und diesen kontaminieren,“ wie Forscher des Max-Planck-Instituts für Sonnensystemforschung in Göttingen mitteilten.

Nach NASA-Angaben sei es nämlich durchaus denkbar, dass irdische Mikroben an Bord von „Cassini“ die lange Reise durchs Weltall überlebt hätten. Der Sturzflug in den Gasplaneten biete somit die sicherste Möglichkeit einer „umweltschonenden“ Entsorgung der Sonde.

Künftige Missionen

Benannt wurde die Sonde nach dem italienischen Astronomen Giovanni Domenico Cassini. Im 17. Jahrhundert entdeckte dieser u. a. zwei Saturnmonde und die charakteristische Lücke in den Saturnringen.

Die 300 Jahre später mit Hilfe „seiner“ Sonde gewonnenen Erkenntnisse sollen in künftige Missionen einfließen - zum Beispiel in die „Europa Clipper“-Sonde, die in den 2020er Jahren in Richtung Jupiter starten soll. NASA-Forscher hoffen auch auf eine weitere Mission zum Saturn auf Basis der „Cassini“-Erkenntnisse sowie zu den bisher noch nicht ausgiebig aus der Nähe erforschten Planeten Uranus und Neptun.

Musikalischer Schlusspunkt

Einen besonderen Schlusspunkt für „Cassini“ ließ sich der US-Schauspieler Roberto Picardo, bekannt aus der Star-Trek-Serie „Voyager“, einfallen. Er textete die berühmte Opernarie „La Donna è mobile" aus Verdis "Rigoletto“ um und singt nun der Raumsonde ein Abschiedslied. Motto: „Goodbye Cassini - your mission’s fini“.

science.ORF.at/APA/dpa/AFP

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