Die Meeresschildkröten kommen zurück

Endlich einmal eine gute Nachricht von Naturschützern: Die Zahl der Meeresschildkröten steigt weltweit wieder an - langsam zwar, aber doch. Die Schutzbemühungen der letzten Jahre waren offenbar erfolgreich.

Sechs bis 47 Jahre reichen die Daten zurück, die Forscher um den australischen Biologen Graeme Hays nun analysiert haben. Von 300 verschiedenen Populationen zeigen 95 einen eindeutigen Aufwärtstrend, in 35 Fällen sank die Zahl, bei den übrigen Populationen blieb sie gleich.

Das ist per saldo ein gutes Ergebnis, resümieren die Studienautoren im Fachblatt „Science Advances“, die ab den 1950ern verstärkten Artenschutzmaßnahmen scheinen zu greifen.

Meeresschildkröte im Wasser
Kostas Papafitsoros

Dass die Meeresreptilien gefährdet oder gar vom Aussterben bedroht sind, hat viele Ursachen. Der Klimawandel setzt ihnen zu, insbesondere die Erwärmung der Ozeane, denn Schildkröten bestimmen ihr Geschlecht nicht über Chromosomen, sondern über die Temperatur. Und die steigt allerorten - Resultat: Die Weibchen sind teils extrem in der Überzahl und finden keine Paarungspartner mehr. Auch Umweltverschmutzung, künstliches Licht sowie vor allem der Beifang der industriellen Fischerei haben ihren Anteil an der seit Jahrzehnten bestehenden Gefährdung.

Eine „Erfolgsgeschichte“

Schildkröten haben mit ihrem recht gemächlichen Fortpflanzungsmodus wenig Möglichkeiten, sich auf geänderte Bedingungen einzustellen. Wie der österreichische Ökologe Michael Stachowitsch berechnet hat, erreicht etwa bei der Unechten Karettschildkröte nur eines von 1.000 Jungtieren das geschlechtsreife Alter von 20 Jahren. Der Rest bleibt auf der Strecke. Solche Bilanzen ziehen Forscher auch bei anderen Arten. Paarungen sind ein seltenes Ereignis, jedenfalls nicht die Regel.

(c) Video: Kostas Papafitsoros

Um die Zahl der überlebenden Tiere zu erhöhen, greift man mancherorts zu ungewöhnlichen Maßnahmen. Am Strand von Morro Ayuta an der mexikanischen Pazifikküste wacht die Armee über die Schildkröteneier und verhindert, dass Wilderer damit Handel treiben.

Forscher der Oregon State University haben diese Woche berichtet, dass unter den gefährdeten Wirbeltieren vor allem sehr kleine und sehr große Arten vom Aussterben bedroht sind. Das spräche an sich für die Schildkröten.

Dass sich die Populationen zum Teil erholt haben, liegt freilich nicht per se an ihrer mittleren Größe, sondern an den weltweiten Bemühungen, ihr Überleben zu sichern. Diese, bilanziert Hays in seiner Studie, könne man als „Erfolgsgeschichte“ verbuchen. So könnten die Schildkröten auch als Modell für andere gefährdete Arten dienen: Es ist noch nicht zu spät - sofern sich die Staatengemeinschaft entschließt, an einem Strang zu ziehen.

Robert Czepel, science.ORF.at

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