Datenbank soll mehr Transparenz bringen

670 Millionen Euro an sogenannten Drittmitteln sind im Jahr 2016 an die heimischen Universitäten geflossen, rund ein Viertel stammt von Unternehmen. Wer wieviel wofür bekommt, bleibt aber oft unklar. Eine Datenbank soll das ändern.

Jedes Jahr steigt die Summe an Drittmitteln, die die Universitäten von Fördereinrichtungen und Unternehmen einwerben. Von 2007 bis 2016 hat sie um 65 Prozent zugenommen (von rund 406 auf 670 Millionen Euro). In absoluten Zahlen lukriert die TU Wien mit knapp 89 Mio. Euro die meisten Erlöse aus Forschungsprojekten. Die Medizin-Uni Wien kommt auf 84 Mio. Euro, die Uni Wien auf 80 Mio. Euro. Aber auch für kleinere Hochschulen sei dieses Geld überlebensnotwendig, sagt Karl Peter Pfeiffer, Rektor der FH Joanneum, anlässlich einer Konferenz in Wien.

Je mehr, desto besser?

Die steirische Fachhochschule lukriert jährlich rund vier Millionen Euro von Unternehmen für Auftragsforschung - die Brandbreite rangiert von großen Projekten mit bis zu einer Million Euro und kleinen mit wenigen Tausend Euro Budget. Diese Kooperationen seien wichtig „für die Studierenden, weil wir dadurch Zugang zu Praktika haben. Dadurch können die Studierenden kennenlernen, wie es in der Praxis läuft. Für die Lehrenden ist es wichtig, Forschungsprojekte in der Praxis umzusetzen.“

Grafik mit den Drittmitteln für österreichische Universitäten
APA

Die Bedeutung der Drittmittel betont auch Meinhard Lukas, Rektor der Universität Linz. Dort machen die Drittmittel mit 40 Millionen Euro knapp ein Viertel des Jahresbudgets aus, acht bis zehn Millionen stammen von Unternehmen. „Je mehr Drittmittel, desto besser“ - das sieht Lukas kritisch: „Da sind wir eher schon an den Grenzen dessen, was vernünftig ist.“

Abhängigkeiten verdeutlichen

Ö1 Sendungshinweis:

Über das Thema berichtet auch das Mittagsjournal und „Wissen Aktuell“.

Nicht in allen Bereichen ist Auftragsforschung gleich zu bewerten, so der Jurist: „Der sicher sensibelste Bereich universitärer Auftragsforschung ist der Gutachtensbereich - technische, rechtswissenschaftliche Gutachten etwa.“ Da gebe es einen klaren Verhaltenskodex an der Universität, dass die wissenschaftliche Unabhängigkeit besonders wichtig sei. „Aber das ist sicherlich immer wieder ein Grenzbereich.“ Öffentliche Nachvollziehbarkeit, wer wieviel wofür bezahlt - das würde der Rektor der Universität Linz begrüßen: „Ich hielte eine Transparenzdatenbank für durchaus sinnvoll. Das macht dann auch deutlich, ob es hier Abhängigkeiten gibt.“

Auch die Österreichische Hochschülerinnenschaft ÖH spricht sich für ein Register analog zur deutschen Website hochschulwatch.de aus: „Studierende sollen nachvollziehen können, warum ein Studiengang einen speziellen Aufbau hat, wie er finanziert wird. Das sind Teile, die ich in der Studienwahl für relevant erachte“, so Marita Gasteiger vom ÖH-Vorsitzteam. Manche Studien und Lehrgänge scheinen direkt auf einzelne Unternehmen zugeschnitten. Die Grundlage für eine entsprechende Datenbank will nun Transparency International (TI) mit einer Studie schaffen, so die Vorstandsvorsitzende von TI Österreich, Eva Geiblinger: „Wir wollen alle bitten mitzumachen - selbstverständlich auf freiwilliger Basis.“

Genügend Infos vorhanden

Einer Transparenzdatenbank wenig abgewinnen kann hingegen das Wissenschaftsministerium. Gerade im österreichischen Wissenschaftssystem stehen „viele Daten, Berichte und Dokumente transparent zur Verfügung“, so Elmar Pichl, Leiter der Hochschulsektion - räumt aber ein, dass Zahlungen von Unternehmen, Stiftung und Privatpersonen nicht zu finden sind.

Dass die Fachhochschulen keine den öffentlichen Unis vergleichbaren Offenlegungspflichten haben, sieht er nicht als Problem. Wenn sie Förderungen von Bundesländern erhalten, werden sie auch vom Landesrechnungshof geprüft - eine weiter gehende Pflicht zur Offenlegung müsste erst diskutiert werden.

Elke Ziegler, Ö1 Wissenschaft

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