Bakterienvielfalt nimmt auf Marsflug ab

Leben Menschen über lange Zeit auf engem Raum zusammen, verändert das auch die Bakterien in nächster Umgebung. Eine Studie zeigt: Die Vielfalt nimmt tendenziell ab - und das könnte bei längeren Missionen zu einem Problem werden.

Sechs Menschen 520 Tage lang rund um die Uhr auf engstem Raum - so würde eine Mission zum Mars aussehen, und genau das haben sechs Männer im Rahmen der Simulation Mars 500 in der Nähe von Moskau in Russland erlebt. In regelmäßigen Abständen haben sie Proben genommen, die nun von einem internationalen Team ausgewertet wurden.

Abhilfe durch Raum-Probiotika

Ö1 Sendungshinweis:

Über das Thema berichtet heute auch Wissen aktuell, 4.10.2017.

Wo sich die Menschen am meisten aufhalten, sind auch die meisten Mikroben zu finden, so Mikrobiologin Christine Moissl-Eichinger von der Medizinischen Universität Graz, eine der Hauptautorinnen der nun im Fachjournal „Microbiome“ publizierten Studie. Vor allem im sogenannten „Habitable Module“ des simulierten Raumschiffes wurden die Forscherinnen fündig - „dort haben die Menschen gelebt, gegessen und geschlafen.“ Vor allem Staphylokokken - bei gesunden Menschen harmlose Bakterien auf der Haut - und Bazillen wurden gefunden.

Holzvertäfelter Raum mit Bett und Tisch
IBMP/Oleg Voshin
Simulation Mars 500: Quartier der „Marsonauten“.

Gefahr für die Marsonauten waren sie keine: „Es war alles innerhalb der Limits, die auch für die internationale Raumstation vorgegeben sind.“ Die Mikroben haben sich nicht sprunghaft vermehrt, Putzplan und Reinigungsmittel haben funktioniert - vielleicht sogar ein bisschen zu gut, denn die Vielfalt der Bakterien hat während der knapp eineinhalb Jahre dauernden Mission abgenommen.

Und das sei nicht immer ein gutes Zeichen, so die Mikrobiologin: „Dadurch kann das Ökosystem geschwächt und instabil werden, etwa eine Bakterienart überhand nehmen.“ Bei der Mission Mars 500 war das nicht der Fall, die Studie liefere aber einen Hinweis, dass man bei längeren Missionen versuchen müsste, gute Mikroorganismen gezielt auszubringen - durch Pflanzen etwa oder Raum-Probiotika, so die Mikrobiologin von der Universität Graz.

Elke Ziegler, Ö1-Wissenschaft

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